Über den Autor/die Autorin

Hildegard Dierks

Hildegard Dierks hat ihr Lehramtsstudium in den Fächern Englisch und Pädagogik für die Sekundarstufen I und II absolviert und an der Universität Bielefeld das Magisterstudium mit dem Schwerpunkt Computerlinguistik abgeschlossen. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen. Seit einigen Jahren ist sie begeisterte Anhängerin des sog. E-Learnings einer internetgestützten, zeitlich flexiblen Form des Studiums und der beruflichen Weiterbildung. Neben Lehrheften lernt man beim E-Learning auch in betreuten Chats und Webinaren. Frau Dierks lebt mit ihrer Familie in Ostwestfalen. In ihrer Freizeit hört sie gern Hörbücher und spielt Akkordeon.

Europa – Ein Thema für Kinder und Jugendliche?

von Hildegard Dierks



© 12ee12 - Fotolia.com
Als ich ein Kind war, fand in meiner Heimatstadt jedes Jahr im Sommer der sog. Europazug statt. Farbenprächtige Spielmannszüge aus Frankreich, Italien und den Beneluxländern mit auffälligen Musikinstrumenten präsentierten sich in einer bunten Parade. Europa feierte sich an diesem schönen Tag, Musikerinnen und Musiker aus anderen EU-Ländern waren an diesem Tag zu Gast bei Freunden. „Europa ist schön“, dachte ich als Kind.

Europa heute

Die EU stand und steht für Frieden, Demokratie, mehr Wohlstand und eine freundschaftliche Gemeinschaft. So hörten es Kinder und Jugendliche ganz nebenbei in der Vergangenheit von den Erwachsenen. Noch lebten viele Menschen, die die Auswirkungen des tödlichen Kriegsgemetzels mit den Nachbarländern im Zweiten Weltkrieg erlebt hatten.

Heute schwächelt die EU. In einigen Ländern gibt es eine hohe Jugendarbeitslosigkeit, andere Länder fühlen sich finanziell ausgenutzt oder bevormundet. Der Euro geht für sie gefühlt mit zu vielen Nachteilen einher. Es fehlt an Solidarität im Umgang mit geflüchteten Menschen. Viele möchten gern die Vorteile der EU, aber nicht die gemeinsamen Pflichten. Uneinigkeit herrscht besonders über die Strategien, wie die europäische Zukunft zum Wohle aller gestaltet werden kann.

Europa braucht ganz viel frischen Wind, Engagement und Begeisterung, soll die europäische Idee nicht sterben. Darum wird sich nicht zuletzt die junge Generation kümmern müssen.

Thema „Europa“ in der Grundschule: Gesellschaftsspiele

Mama, was ist Europa? Auf diese Frage, einem Kind zu antworten, ist nicht ganz einfach. Viele Eltern merken, dass sie es selbst nicht so genau wissen.

Neben Motto-Schulfesten oder Kindernachrichten zum Thema Europa im Internet bzw. Fernsehen, sind für Grundschulkinder und auch für ältere Kinder Gesellschaftsspiele gut geeignet, ihnen das Thema näher zu bringen.

Im Handel kann man dazu viele traditionelle Gesellschaftsspiele kaufen. In diesen Spielen erfährt man beispielweise etwas über Reiserouten, über die Hauptstädte Europas oder über Autokennzeichen. Auch mit der Europakarte kann man sich in diesen Spielen oft vertraut gemacht. Die Spiele können von der ganzen Familie gespielt werden. Sie sind sowohl unterhaltsam als auch lehrreich. Eltern oder Großeltern haben beim gemeinsamen Spiel die Gelegenheit von ihren früheren Reisen in benachbarte europäische Länder zu erzählen. Dadurch wird Europa persönlicher.

Erhältlich sind Quizspiele, Kartenspiele, Strategiespiele oder Puzzles. Wichtig beim Kauf dieser Gesellschaftsspiele ist, nicht nach einer veralteten Version zu greifen, da sich die EU im letzten Jahrzehnten geändert hat.

Wer lieber online spielt, findet Anregungen auf der Website www.europaimunterricht.de/eu_spiele.html.

Thema Europa – Mehr Französisch in der Schule

In Europa ist die deutsch-französische Freundschaft zentral. Diese Verbindung gilt als „das Herz“ Europas. Was kann das für Kinder und Jugendliche in der heutigen Zeit bedeuten?

Eine mögliche Auswirkung könnte sein, dass Französisch als Fremdsprache wieder interessanter und wichtiger wird. Die Sprache eines Freundes/einer Freundin spricht man gern. Umgekehrt, wer eine gemeinsame Sprache spricht, rückt gefühlsmäßig näher zueinander. Mit guten Gefühlen „im Bauch“ überwindet man Probleme leichter.

Ab der Sekundarstufe I haben sich in den letzten Jahren immer mehr Schülerinnen und Schüler für Spanisch als zweite oder dritte Fremdsprache in ihrer Schullaufbahn entschieden. Spanisch wird von mehr Menschen auf dieser Welt gesprochen als Französisch. Manche empfinden Spanisch als einfacher zu erlernen als Französisch. Spanisch wird vermutlich nicht zuletzt auch deshalb bevorzugt gewählt, weil Spanien für viele Deutsche das Lieblingsreiseland ist.

Doch in der aktuellen politischen Situation mit dem bevorstehenden Brexit spricht Einiges dafür, Französisch als weitere Fremdsprache zu wählen.

Es würde zum einen die wichtige deutsch-französische Freundschaft weiter stärken und beleben. Aber es würde zum anderen auch helfen, eine intensivere Zusammenarbeit mit dem afrikanischen Kontinent vorzubereiten. In Afrika, insbesondere in Nordafrika, sprechen viele Menschen Französisch. In einer guten Kooperation mit Afrika liegt auch eine gute Zukunft Europas, die von der nächsten Generation weiter aufgebaut werden muss.

Europawahl im Mai 2019

Schülerinnen und Schüler ab 18 Jahren können ihre Stimme bei der Europawahl abgeben.

Das Thema Europawahl geht Schülerinnen und Schüler zum Ende der Sekundarstufe I vorbereitend, vor allem aber Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe II und Berufsschulen etwas an.

Es gilt, sich möglichst rechtzeitig zu informieren, denn nur dann kann man mit 18 Jahren verantwortungsvoll wählen. Leider sind Themen wie „Europawahl“, „Europa“, „EU“ oder „Der Euro“ vergleichsweise komplex und nicht ad hoc verständlich. Jugendliche dürfen damit nicht allein gelassen werden, sondern Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer sollten helfen, zu verstehen.

In der Schule gibt es die Möglichkeit, dieses in den verschiedenen Fächern zu tun oder an Projekttagen. Schüleraustauschprogramme der verschiedensten Art helfen ebenfalls dabei Europa besser zu begreifen.

Nur wer etwas weiß über Europa, Fakten zu Europa wirklich kennt, gelernt hat sich bezogen auf Europa zuverlässig zu informieren, wird nicht so leicht Opfer von Populisten, von Fake-News oder muss Wissen durch Glauben ersetzen. Nur wer etwas weiß, kann die Lüge erkennen.

Jugendliche sollten ihrerseits Hilfe von Lehrerinnen und Lehrern, Eltern sowie ihren Europapolitikerinnen und Europapolitikern vor Ort einfordern. Für junge Menschen ist zum Beispiel die Frage besonders interessant, was gegen die Jugendarbeitslosigkeit in EU-Ländern getan wird. Wird das Wahlalter europaweit für alle Wahlen, d.h. auf europäischer sowie auf kommunaler Ebene in den Ländern und im Bund herabgesetzt, damit junge Menschen in einem alternden Europa stärker mitbestimmen können. Junge Menschen sollten die Geschicke ihrer Zukunft in der EU stärker als bisher mitbestimmen können und zwar in allen Ländern und bei allen Wahlen. Möglicherweise wird das Wahlalter auf 16 Jahre herabgesetzt für kommende Europawahlen. Das ist zumindest im Gespräch.

Freies Interrail-Ticket für achtzehnjährige Jugendliche

Jugendliche reisen gern. Innerhalb von Europa ist dieses sehr einfach möglich. Insbesondere die großen Metropolen wie London, Paris oder Berlin ziehen junge Europäerinnen und Europäern magisch an.

Dennoch gibt es immer noch viele Jugendliche und junge Erwachsene, die finanziell nicht in der Lage sind, neben Schulfahrten mal schnell am Wochenende zu verreisen. Europaaktivisten sowie einige Europapolitikerinnen und -politiker bemühten und bemühen sich seit Jahren darum, jungen Europäerinnen und Europäern, eine Möglichkeit zu geben, Europa kostenlos zu bereisen.

Die Europäische Kommission hat diesen Gedanken aufgegriffen, wenn auch nur in einem eingeschränkten Umfang. Seit dem 12.06. 2019 können sich junge Menschen, die gerade 18 Jahre alt geworden sind und einen EU-Pass besitzen, per Online-Quiz um ein freies Ticket für eine Zugreise innerhalb von vier Ländern der EU bewerben. Die Tickets sind bis Ende Oktober gültig. Erwartet wird von den Gewinnerinnen und Gewinnern, dass sie in sozialen Medien oder in Schulvorträgen darüber berichten.

Noch ist das Projekt nicht ganz ausgereift aber ein Anfang ist gemacht. Reiselustige, an Europa interessierte Schülerinnen und Schüler, die gerade achtzehn Jahre alt geworden sind, sollten die Entwicklung dieses Pilot-Projekt mit dem Namen DiscoverEU verfolgen und können sich auch bereits bewerben. Es geht dabei nicht nur ums Reisen sondern auch um eine Auseinandersetzung mit den grundsätzlichen europäischen Ideen und zwar kommuniziert von Jugendlichen für Jugendliche.

Im Herbst wird es eine erneute Bewerbungsrunde geben.

Kommentar: Kein starkes Europa ohne junge Menschen

Die Errungenschaften der europäischen Gemeinschaft sind heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Für viele Menschen existiert die Vision von einem einigen, starken Europa noch, obwohl man nicht immer weiß, wie diese Vision Realität sein oder werden kann. Aber die Gemeinschaft Europas scheint sich an vielen Stellen leider ganz leise zu verabschieden, weil wir nicht achtsam sind oder Europa nicht genug wollen.

Nicht nur Grundschulkinder und Jugendliche sondern vor allem auch ihre Eltern sollten sich für die europäische Idee wieder stärker interessieren. Kinder und Jugendliche brauchen bei Fragen Ansprechpartner, die Antworten geben können, Interesse wecken und fördern können.

Europa ist nicht gleichzusetzen mit Brüsseler Demokratie, es beschränkt sich auch nicht auf einen effizienten Wirtschaftsraum oder den Umgang mit geflüchteten Menschen. Europa ist auch eine politische und kulturelle Gemeinschaft und auch heute noch für ein Versprechen zusammen zu halten.

Spätestens seit dem Brexit wissen wir, dass gerade junge Menschen es nur all zu leicht bei Wahlen oder Volksabstimmungen versäumen, sich zu Europa zu äußern. Kümmern wir uns um Europa sowie wir uns um die Erhaltung der Umwelt kümmern oder um einen Ausbildungsplatz.

Kinder und Jugendliche müssen dabei einbezogen und unterstützt werden, wenn Europa eine starke Zukunft haben soll.

Buchtipp:

Groß-Ernst Birgit und Strelau Marion Lernwerkstatt Europa: 3.-4. Klasse BVK Buch Verlag Kempen GmbH 2015

Linktipps:

Informationen, Spiel und Spaß zum Thema „Europa“ für Kinder im Grundschulalter
www.kidsweb.de/schule/europa/europa.htm

Informationen zum freien Interrail-Ticket für 18-jährige Europäerinnen und Europäer
www.youdiscover.eu

Online-Spiele zum Thema Europa
www.europaimunterricht.de/eu_spiele.html

Umfangreiche Informationen der Landeszentrale für politische Bildung – Baden-Württemberg zum Thema Europa
www.europawahl-bw.de/

Informationen über die Initiative „Europa macht Schule“ unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten
www.europamachtschule.de

Deutsch-Französisches Jugendwerk
www.dfjw.org/

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