Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin und lebt mit Mann und zwei Kindern in Wolfenbüttel.

Endlich Schulkind – den Übergang gestalten

von Ulrike Lindner



© Kzenon - Fotolia.com
Kaum ein Ereignis nimmt im Leben eines Kindes so großen Raum ein, wie der Übergang in die Schule. Endlich Schulkind! Diesem Tag fiebern fast alle entgegen. Für Kinder, aber auch für ihre Familien beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt, verbunden mit viel Vorfreude, aber auch mit großen Unsicherheiten. Für die meisten Kindergartenkinder steht an vorderster Stelle der Stolz, als Erstklässler endlich auch zu den „Großen“ dazu zu gehören. Selbstverständlich, dass dieser wichtige Schritt gebührend vorbereitet wird. Eltern und Erzieherinnen sind die Begleitpersonen, die den Übergang von der Kita in die Grundschule gestalten.

Was in der Kita passiert

Die meisten Kitas schreiben in ihrer Konzeption fest, auf welche Weise der Wechsel der „werdenden Schulkinder“ in den neuen Abschnitt ablaufen wird. Für Eltern kann es deshalb interessant sein, sich bereits einige Zeit zuvor darüber zu informieren. In der Regel wird die gesamte Kita-Zeit als Zeit des Lernens (und damit der Vorbereitung auf die Schule) gesehen, nicht erst das letzte Jahr. Auch wenn Kinder ihren Tagesablauf in der Kita oft selbst gestalten oder sich für bestimmt Angebote entscheiden können, haben Erzieher und Erziehrinnen durchaus im Blick, dass alle zu irgendeinem Zeitpunkt an den Aktivitäten teilnehmen, die für ihre Entwicklung wichtig sind. Zu Fertigkeiten, die in weitesten Sinn als schulvorbereitend gelten, gehören in diesem Zusammenhang Malen, Stifthaltung, Zählen, Gegenstände zuordnen und sortieren, zuhören können, Ausdauer erlangen, sich konzentrieren können, Konflikte selbständig lösen, Rücksicht nehmen, einander helfen, eigene Bedürfnisse erkennen oder auch mal zurückstellen, schwierige Situationen bewältigen, Enttäuschungen verkraften, sich körperlichen Herausforderungen stellen und Verantwortung übernehmen.

Im letzten Kita-Jahr kommen dazu oft besondere Projekte und Aktionen sowie eine engere Kooperation mit der Grundschule. Zum Teil kommen Lehrer in die Kita, um die werdenden Schulkindern kennenzulernen oder Kita-Gruppen nehme an einigen Schulstunden teil. Projekte und Aufgaben, die Kita-Kinder als Schulvorbereitung unternehmen, können darüber hinaus sein:
  • Schwimm- und Turnunterricht
  • Besuch der Schulbücherei und Ausleihe
  • Eigene Schultüte basteln
  • Zunehmend Verantwortung fürs eigene Tun, aber auch für die „Kleinen“ übernehmen
Ein sichtbares Ritual (oft verbunden mit einem Fest für die Familien) macht zudem den Abschied von der Kita erlebbar. Zum Beispiel:
  • Ein Schulanfänger-Ausflug
  • Eine Übernachtung in der Kita
  • Ein „Rausschmeißen“ aus der Kita-Tür

Wie Eltern ihre Kinder beim Übergang unterstützen

Wie in der Kita beginnt auch in der Familie der Übergang nicht erst am ersten Schultag. Eltern und Kinder erleben jetzt gemeinsam Stationen, die Stück für Stück klar machen: Bald bist du ein Schulkind!

Schuluntersuchung, Kindergartenabschied, Kauf eines Ranzens und viele weitere kleinere und größere Schritte bereiten schon Wochen zuvor auf den Tag der Einschulung vor. Eltern können ihr Kinder dabei unterstützen, indem sie:
  • mit ihrem Kind über die Schule sprechen, wenn es das möchte. Eine gute Möglichkeit um ins Gespräch über den Schulbeginn zu kommen, sind Kinderbücher wie „Der Ernst des Lebens“ (von Sabine Jörg und Ingrid Keller) oder „Der Buchstabenfresser“ (von Paul Maar) und viele mehr.
  • eigene negative Einstellungen hinterfragen und mit schlechten Erinnerungen zurückhaltend umgehen – vieles hat sich seit der eigenen Schulzeit geändert.
  • die neue Grundschule gemeinsam erkunden, um Ängste vor dem Unbekannten im Keim zu ersticken,
  • den Schulweg proben, am besten auch morgens, wenn das Kind in Zukunft unterwegs ist,
  • Das Interesse an Neuem und die Lernbegierde der Kinder unterstützen, z.B. durch Besuche im Museum, Vorlesen, zum Fragen anregen und und und.

Sanft vorbereiten

Sinnvoll ist es zudem, Eigenständigkeit und Verantwortung schon vor Schulbeginn zu trainieren. Wer zur Schule geht, kann viel mehr, als Lesen und Schreiben. Alleine Anziehen, Schleifen binden, den Sportbeutel finden oder das Gemüse fürs Mittagessen schnippeln sind kleine Tätigkeiten, die ein werdendes Schulkind in der Regel allein bewältigen kann. Das Tolle: Jede Aufgabe, die allein bewältigt wird, stärkt das Kind und zeigt ihm: Ich kann das. Bei all Vorbereitung - ein Training der Fähigkeiten, die in der Schule gelernt werden, sollte im Vorfeld unterbleiben. Niemand erwartet, dass Erstklässler schon vor dem ersten Schultag schreiben können. Im Gegenteil: Wer seinem Kind einen Startvorteil verschaffen will und schon zuhause „vorlernt“, merkt meist schnell, dass so vor allem Verunsicherung entsteht.

Ranzen kaufen

Ein tolles Ritual ist der Kauf des ersten Schulranzens, auf den sich viele Kinder freuen. Beim Kauf sollten aber nicht nur das tolle Muster oder die Marke im Vordergrund stehen, sondern auch Punkte wie Sicherheit, Gewicht, Verarbeitung und guter Sitz. Empfehlungen gibt unter anderem die Stiftung Warentest, oft auch die Schule.

Vor allem: Entspannt bleiben

Je näher der große Tag rückt, desto größer die Aufregung. Eltern sollten deshalb vor allem versuchen, ihrem Kind Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln. Wichtigste Regel dabei: Zeit lassen! Vieles, was anfangs schwierig erscheint, regelt sich im Lauf der ersten Wochen von selbst und nicht alles muss am ersten Tag passieren. Wenn Eltern nach einigen Wochen immer noch das Gefühl haben, Ihr Kind fühlt sich nicht wohl in der Schule, hilft ein Gespräch mit Lehrerin oder Lehrer, die Ursachen für das Unwohlsein und mögliche Strategien dagegen finden.

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