Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Zeitgefühl entwickeln

von Jörg Sauer



© shaiith - Fotolia.com
Zeit begleitet uns ein Leben lang, gewollt oder nicht. Sie kann bei gleicher Dauer die unterschiedlichsten Eindrücke und Erfahrungen hinterlassen. Es entwickelt sich bei jedem von uns ein gewisses Gefühl für Zeit und deren Länge. Auf diesem nicht ganz einfachen Weg sollten wir unsere Kinder unterstützen. Im nachfolgenden Beitrag finden Sie dazu einige Anregungen.

Zeit – was ist das?

Allgemein versteht man unter diesem Begriff die regelmäßige und systematische Entwicklung. Innerhalb dieses Prozesses vollziehen sich alle Veränderungen. Die reale Zeit ist messbar. Man spricht auch von der Dauer von wahrgenommenen: „… aufeinanderfolgenden Veränderungen.“ (1) Der englische Naturforscher Isaak Newton(1643 bis 1727) bezeichnet sie als relative Zeit. Die ideale Zeit hingegen kann man nicht messen. Sie ist: „… nur eine als notwendig gedachte reine Ordnung.“ (2) Newton bezeichnet sie als absolute Zeit. Durch die spezielle Relativitätstheorie aus dem Jahre 1905 durch Albert Einstein (1879 bis 1955) ist der Begriff der absoluten Zeit nicht mehr: „… selbstverständlich zutreffend…“ (3) Der deutsche Philosoph Immanuel Kant (1724 bis 1804) setzt die Zeit dem Raum gleich und nennt sie: „eine Form der sinnlichen Anschauung.“ (4)

Vom unterschiedlichen subjektiven Zeitempfinden

Betätigt man sich gern mit etwas und mit großer Leidenschaft, so vergeht die Zeit scheinbar wie im Fluge. Sind hingegen weniger schöne Aufgaben zu erledigen, so scheint der gleiche Zeitraum unendlich viel länger zu sein. „Mir ist langweilig“- dieser uns allen bekannte Spruch unserer Kinder drückt genau dieses aus. Von intensiv erlebten Zeiten bleiben wesentlich mehr Erinnerungen im Gedächtnis gespeichert, als von solchen mit großer Langeweile. Ziel sollte es sein, dass dieses Gefühl des sich Langweilens nur sehr selten auftritt. Die an sich fließende Zeit scheint zum Stillstand gekommen zu sein. Bei entsprechender Betätigung hingegen ist alles wie im Fluss begriffen. Schon die Philosophen der Antike beschäftigten sich intensiv mit der Zeit. Der griechische Philosoph Heraklit von Ephesos (um 520 bis um 460 v. Chr.) entwickelte das Sinnbild: „… vom gleichbleibenden Flussbett … in dem aber Alles fließt.“ (5) Seit Albert Einsteins Entdeckungen weiß praktisch jeder, dass Zeit relativ ist. Nicht immer ist es leicht, diesen Fakt zu verstehen oder gar zu erklären. Eine anschauliche Erläuterung finden Sie nach einem Klick auf den Link zu Leschs Kosmos.

Tipps

Es ist notwendig, mit Zeiträumen zu operieren, zu denen Ihr Kind eine persönliche Beziehung hat und mit denen es vertraut ist. Man kann grundsätzlich davon ausgehen, dass Kinder etwa im vierten Lebensjahr die ersten Zeitverständnisse entwickeln. Das kann bei jedem etwas anders sein. Somit bildet sich allmählich ein Gefühl für den sehr abstrakten Zeitbegriff aus. Im Laufe der Entwicklung können diese Zeitspannen erweitert werden. Das sollte stets unter Beachtung des individuellen Standes geschehen.

Philosophieren Sie mutig mit Ihrem Kind
  • Fragen Sie Ihr Kind einfach: „ Was ist Zeit?“ Sie erhalten sehr interessante, aufschlussreiche und in gewisser Art weise Antworten.
  • „Unser Leben hat Sinn.“
  • Genieße jeden Tag, jeden Augenblick, er kommt nicht zurück…
  • Unsere Zeit auf Erden ist begrenzt, sie sollte nicht „verschenkt“ werden.
  • Bei welchen Tätigkeiten merkst du gar nicht, wie spät es wird?
  • Wann hast du Langeweile und denkst, die Zeit ist stehen geblieben?
Regelmäßiger Tagesrhythmus/feste Grundstruktur
  • durch eigenes Vorbild bzw. Vorleben eines solchen
  • regelmäßige wiederkehrende Aufgaben für sich selbst, die Familie und für Freunde
  • Feststellen, wie lange für welche Tätigkeiten gebraucht wird
Durchführen kleiner „Experimente“
  • Flüssigkeiten mittels eines Trichters von einem Gefäß in ein anderes fließen lassen
  • können sowohl farbig als auch durchsichtig sein
  • Einsatz unterschiedlichster Filtermaterialien ist denkbar Kies, Sand unterschiedlichster Körnung,…
  • verschiedene Mengen verwenden
  • Bitte benutzen Sie zum Färben nur ungiftige Materialien.
Nutzen der Eieruhr
  • Die Zeit während des Durchlaufen des Sandes stoppen
  • nach Möglichkeit unterschiedliche Größen nutzen
  • Bauen Sie mit Ihrem Kind selbst eine solche. Eine Anleitung dazu finden Sie in den Linktipps.
Nutzen eines Zeitpendels
  • Auch bei diesem können Sie die Zeit stoppen, zum Beispiel den Durchlauf des Pendels einmal,….
Weitere Bastelvarianten
  • Zeitkiste gestalten: Im Inneren einer außen individuell gestalteten Kiste wird ein Strick befestigt. Die Länge können Sie selbst bestimmen. Günstig ist eine Länge von 40 cm oder 50 cm. An diesen binden Sie nacheinander zwei jeweils anders farbige Stricke. Diese verkörpern nun Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. An die entsprechenden Abschnitte binden Sie dünnere Fäden an denen kleine farbige Kärtchen oder Bilder für die wichtigen persönlichen Ereignisse. Versuchen Sie dabei diese Auswahl an Daten auf die wirklich wichtigen einzugrenzen. Statt der Kiste können Sie Behältnisse jeder Art nehmen.
  • Kerzenuhr anfertigen: Am besten ist es natürlich eine Kerze in einem Laden selbst zu ziehen. Sie können Markierungen an den Seiten anbringen und die Zeit nehmen. Eine ähnliche Kerze brauchen Sie nur noch markieren und wissen beim Herunterbrennen, wie viel Zeit verging.
  • Uhr aus verknotetem dickem Strick: Verknoten sie dickeren Strick mehrfach. Ein Ende wird angezündet und Sie können beim Abbrennen die Zeit feststellen.
  • Sonnenuhr am Strand oder Garten anfertigen
Wichtig: Die beiden letzten Varianten sollte Ihr Kind aus Sicherheitsgründen nie allein durchführen.

Zeiträume schätzen
  • Sehr eindrucksvoll ist es, wenn Ihr Kind mit geschlossenen Augen entscheiden soll, wann ihrem Empfinden nach eine Minute vergangen ist. Wenn Ihr Kind spürt, die Zeit sei um, steht es einfach auf oder sagt jetzt oder… Dieser Test ist auch mit anderen Zeiträumen durchführbar.
  • Dabei kann zur Unterstützung eine laut „tickende“ Uhr genutzt werden. „Höre, wie die Uhr tickt.“
Erst wenn sich ein gewisses Gefühl für Zeiträume entwickelt hat, kann mit der „Behandlung“ der physikalischen Größe „Zeit“ begonnen werden. Das schließt neben dem genauen Einstellen/ Ablesen der Uhrzeiten auch das Berechnen von Zeitspannen, Fahrzeiten ein. Später kommt noch das Orientieren in und zwischen unterschiedlichen Zeitzonen hinzu.

Literaturtipps

Unser Leben hat Sinn, Prof. Fr. Helmut Zöpfl, rosenheimer

Du bist einmalig, Gedanken über Gott und die Welt, Prof. Dr. Helmut Zöpfl, rosenheimer

Lass dir Zeit, Prof. Fr. Helmut Zöpfl, rosenheimer

Hört die Zeit auch mal auf?, Prof. Barbara Brüning, militzke

Linktipps

https://www.geo.de/geolino/basteln/8122-rtkl-experiment-sanduhr-selbst-bauen

http://www.medienwerkstatt-online.de/lws_wissen/index.php?action=SUCHEN&searchtext=zeit&action_search2.x=0&action_search2.y=0

https://www.zdf.de/wissen/leschs-kosmos/die-relativitaet-der-zeit-100.html

Quellen

(1) Bertelsmann Universal Lexikon, Band 20, Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH, Gütersloh, 1994, Seite 92

(2) ebd.

(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Zeit

(4) Bertelsmann Universal Lexikon, Band 20, Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH, Gütersloh, 1994, Seite 92

(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Zeit

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