Über den Autor/die Autorin

Alexandra von Plüskow - Kaminski

Alexandra von Plüskow-Kaminski ist Grundschullehrerin. Sie arbeitet in Abordnung des Landes Niedersachsen als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis. Sie verfasst Beiträge zu vorschulischen und schulischen Themen und ist als Lehrbeauftragte in der Lehrkräfteausbildung tätig. Derzeit absolviert sie eine berufsbegleitende Ausbildung zur systemischen Coachin und Prozessbegleiterin.

Brieffreundschaften - Freundschaft in Worten

von Alexandra von Plüskow - Kaminski



© biosurf - iStockphoto.com
Erinnern Sie sich noch an das Gefühl, wenn in der Kindheit ein Brief für Sie ankam? Sei es von den Großeltern, von einer Tante oder einem Onkel - oder auch von einer Brieffreundin oder einem Brieffreund. Es war jedes Mal aufregend, den Umschlag zu öffnen, vorsichtig oder ungeduldig. Und genauso spannend war es, das, was einem geschrieben wurde, zu lesen. Ebenso ging es natürlich den Empfängerinnen und Empfängern Ihrer Post. Alles hinfällig in Zeiten der E-Mails, SMS oder sonstigen Nachrichtenplattformen? Warum Brieffreundschaften auch in unserer schnelllebigen Zeit sinnvoll sind, lesen Sie hier.

Briefe

Schon die alten Ägypter schrieben Briefe auf Papyrus. Kennzeichen eines Briefes ist in der Regel, dass ein Sender eine auf Papier aufgezeichnete Nachricht an einen Empfänger richtet. Briefe werden häufig durch einen Boten überbracht. Neben diesen persönlichen Briefen gibt es amtliche Briefe (etwa formelle Schreiben vonseiten einiger Institutionen) sowie öffentliche Briefe wie Leserbriefe oder auch literarische Briefe. In den Jahren ab 1990 wurden und werden die Briefe in Papierform immer mehr durch die elektronische Post ergänzt bzw. abgelöst.

Brieffreundschaften für Kinder

In der heutigen Zeit sind Kinder verstärkt flüchtigen Trends ausgesetzt. Sie kommunizieren immer weniger ausführlich oder mündlich, sondern nutzen E-Mails, SMS oder auch andere Kommunikationsplattformen, um sich schnell auszutauschen. Dass es hierbei um Flinkheit geht, zeigt die Tendenz zu Abkürzungen und Auslassungen des geschriebenen Wortes. Was also sollte Kinder von heute zu einer Brieffreundschaft motivieren?

Brieffreundschaften bergen die Chance in sich, in einen zunehmend persönlichen Dialog zu treten. Die Schreiberinnen und Schreiber und auch die Empfängerinnen und Empfänger lernen, in ein soziales Miteinander zu treten und Empathie für die andere Person zu entwickeln. Es ist obendrein möglich, sich mit der Zeit auch über räumliche Distanz hinweg als Personen kennen zu lernen.
Ferner erfahren so bereits Grundschulkinder den Wert der Zeit, die man für das Briefeschreiben benötigt, zu schätzen. Sie brauchen für das Schreiben von Briefen Werkzeug wie etwa Briefpapier, Füller und ggf. kleine Stempelchen etc. All dies macht die Briefe persönlicher und zeigt, welche Bedeutung die andere Person für die Schreiberin bzw. für den Schreiber hat. Auch die Feinmotorik und die Handschrift wird durch das Briefeschreiben ausgeprägt. Ganz nebenbei erfüllt das Schreiben von Briefen auch in schulischer Hinsicht eine wichtige Funktion. Denn die Grundschul-Lehrpläne aller Bundesländer sehen dieses als Unterrichtsinhalt vor. Findet Ihr Kind einen Brieffreund bzw. eine Brieffreundin aus einer anderen Kultur, so erhält es gleichsam die Perspektive, interkulturelle Erfahrungen zu sammeln.

Wie findet man eine Brieffreundschaft?

Zunächst sollten Sie im Bekanntenkreis fragen, ob jemand ein gleichaltriges Kind kennt, das auch gerne eine Brieffreundschaft pflegen möchte. Eine weitere Möglichkeit ist es, in der Schule Ihres Kindes eines Klassenbrieffreundschaft anzuregen - oder auch über die Partnergemeinde Ihres Wohnortes einen Brieffreund oder eine Brieffreundin zu finden. Überlegen Sie hierbei, ob Sie und Ihr Kind gegebenenfalls eines Tages eine Begegnung mit dem anderen Kind wünschen. Dann wäre es gut, wenn dieses nicht allzu weit entfernt leben würde.

Auch im Internet gibt es Möglichkeiten, Brieffreundschaften zu finden. Hier sollten Sie allerdings vorsichtig vorgehen. Der sicherere Weg zur Brieffreundschaft ist und bleibt der persönliche.

Der erste Brief - ein ganz besonderes Schreiben

Ein Brieffreund oder eine Brieffreundin wurde gefunden? Prima, dann kann es mit dem Schreiben losgehen. Der erste Brief sollte ein Besonderer sein. Hier geht es darum, sich vorzustellen. Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, was es dem anderen Kind mitteilen möchte. Wo etwa wohnt es und mit wem? Wer sind seine Freunde und Freundinnen? Wie ist es in seiner Schule? Welche Hobbys pflegt es und was sind seine besonderen Kennzeichen? Schön ist es, wenn der erste Brief mithilfe von Fotos illustriert ist.

Briefe hin und her

Rasch wird es zu einem Hin und Her von Briefen kommen. Ihr Kind lernt dabei, sich persönlich auszutauschen und sich mit einer anderen Person zu verständigen. Weiterhin lernt es, die Formalitäten von Briefen einzuhalten. So etwa, das Datum und eine Anrede sowie einen Gruß in den Brief zu schreiben. Außerdem eignet es sich das korrekte Beschriften und Frankieren von Briefen an, was auch weiterhin auf seinem Lebensweg von Bedeutung sein wird.

Brieffreundschaften setzen einen erholsamen Gegenpol zu unserer kurzlebigen Kommunikationskultur. Sie fordern geradezu dazu heraus, sich auf ein Gegenüber dauerhaft einzulassen, Fragen zu stellen und diese zu beantworten. Und sie garantieren ein besonderes Erlebnis im Alltag - nämlich, den Moment, in dem man den Briefumschlag öffnen darf!

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