Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Das kleine 1x1 – wie kann ich beim Lernen helfen?

von Jörg Sauer



© Christian Schwier - Fotolia.com
Zahlreiche Kinder haben in unserer scheinbar immer schneller werdenden Zeit Schwierigkeiten, die elementaren Kulturtechniken wie das Lesen, Schreiben oder Rechnen zu erlernen. Der nachfolgende Beitrag gibt Tipps, um die Aufgaben des „Kleinen 1x1“ auf unterschiedliche Art zu üben.

Begrifflichkeiten

„Das Kleine 1x1“ umfasst alle Produkte, die aus der Multiplikation zweier natürlicher Zahlen von 0 bis 10 entstehen. Es gehört zum arithmetischen Grundwissen und wird in der Grundschule umfangreich behandelt. Die Multiplikation und Division mit Null wird oft später gesondert behandelt. Die Aufgaben werden oft zur besseren Übersicht in Tabellen zusammengefasst. Man schreibt: „die ausführliche tabellarische Darstellung Pythagoras (um 570 v.Chr. bis 510 v. Chr.) zu.“ (1) Der deutsche Rechenmeister Adam Ries (1493 bis 1559) beschäftigte sich mit Einmaleins-Tabellen und veröffentlichte diese. Dazu soll er angemerkt haben: „… du musst vor allen Dingen das Einmal eins wol wissen und auswendig lernen wie hie.“ (2) An diesem Gedanken hat sich bis heute nicht viel geändert, die Aufgaben muss sich jeder von uns einprägen. Für das eine oder andere Kind bedeutet dieser Prozess „schwere“ Arbeit. Sie gilt es, zu unterstützen und ihnen zu helfen. Das Ziel ist für alle, die Aufgaben gedächtnismäßig zu beherrschen, um sie jederzeit nutzen zu können. Dazu sollte man die unterschiedlichsten Übungen verwenden. Das Üben ist eine zielgerichtete Tätigkeit, die zur Ausbildung von Fertigkeiten führen soll. Diese kann sowohl geistiger als auch körperlicher Natur sein. Man spricht auch von. „automatisierendem Üben“. Die Fertigkeiten sind abrufbar. Somit entsteht wieder Platz im Kurzzeit-Gedächtnis für Neues.

Jeder Mensch lernt anders. Den dominierenden Lerntyp Ihres Kindes sollten Sie bei der Auswahl der Übungen so gut es geht berücksichtigen. Man unterscheidet nach:
  • Visuellen: u. a. leise lesen, „erfassen mit einem Blick“, vergleichen, ordnen, unterstreichen, zuordnen- möglichst mit Farbe,
  • Akustischen: u.a. hören, nachsprechen, laut lesen, abfragen lassen, klatschen, klopfen o. ä. Geräusche machen und
  • motorischen Lerntypen: etwas „begreifen“, mit den Händen arbeiten, u. a. tasten, fühlen, formen, gestalten.
Besonders im Grundschulalter bringen die Kinder eine riesige Lernbegeisterung mit. Jeder von uns kennt die Freude der zukünftigen Erstklässler auf die Schule. Diese Motivation gilt es zu erhalten. Dazu kann auch zu Hause ein Beitrag geleistet werden, in dem gerade beim Erlernen realistische und kurzfristige Ziele gesetzt werden. Lassen Sie sich nicht von anderen Kindern und deren Lernfortschritten beeinflussen. Es ist wichtig, dass Sie Ihrem Kind erzielte Fortschritte bewusstmachen. Das kann sowohl verbal als auch durch das Setzen optischer Reize geschehen (z. B. dem Aufkleben von Smileys). Das Üben der Aufgaben des Kleinen 1x1 sollte regelmäßig, zum gleichen Zeitpunkt und gleichlang sein. Zehn bis 15 Minuten können ausreichend sein. Nutzen Sie einen Kurzzeitwecker, damit die Zeit genau eingehalten werden kann. Versuchen Sie zu vermeiden, dass Ihr Kind diese Zeit als „Strafe“ für „Nichtkönnen“ ansieht. Die Aufgabenformen sollten möglichst abwechslungsreich sein. Während des Übens ist es gut, wenn Sie sich als „Helfer“ in der Nähe aufhalten.

Tipps

Basteln Sie doch mit Ihrem Kind zusammen eine Rechenkiste. Diese kann außen mit den unterschiedlichsten mathematischen Dingen beklebt werden. Hier hinein kommen nun alle Materialien, die zum Üben genutzt werden können.

Steckwürfel

Neben dem praktischen Rechen wird die Vorstellungskraft hinsichtlich der Würfelbauwerke entwickelt. Hat man eine Aufgabe entwickelt, so lässt sich durch Hinzufügen oder Wegnehmen die Nachbaraufgabe entdecken. (Bsp.: vier Türme mit je sechs Würfeln; Nachbarn sind drei und sechs Türme).

Die umgekehrte Aufgabe erhält man, indem beispielsweise 24 Würfel auf sechs Türme gleichmäßig aufgeteilt werden. Die gewonnenen Aufgaben werden schriftlich festgehalten.

Statt der Würfel können auch andere Materialien, wie Kieselsteinchen, selbstgesammelte Kastanien oder Eicheln genutzt werden.

Arbeit mit dem Hunderterquadrat

Es bietet sich zunächst an, leere und mit Zahlen bedruckte Hunderterquadrate mehrfach zu kopieren.

Das Quadrat ist mit allen Zahlen bedruckt. Darauf können die entsprechend benötigten kleinen Quadrate so aneinander aufgelegt werden, dass die entsprechenden Aufgaben entstehen. (Bsp.: Lege die Aufgabe 6x3. Sechs kleine Quadrate werden aufgelegt. Das passiert drei Mal.)

Die umgekehrte Aufgabe bzw. die Nachbar- und Tauschaufgaben lassen sich auf diesem Wege auch darstellen. Die gewonnenen Aufgaben werden schriftlich festgehalten.

Weitere Nutzungsmöglichkeiten:
  • Farbiges Markieren der Ergebnisse der einzelnen Folgen
  • Überschneidungen zwischen den Folgen besonders hervorheben
  • Ausschneiden: Bsp. 36 zusammenhängende Quadrate sollen in neun gleich große Stücke zerlegt werden.
„Häuseraufgaben“

In ein einfaches Haus werden zum Beispiel die Zahl 7 an die Tür, die 6 an das Fenster und die 63 an das Dach geschrieben. Nun werden alle vier Aufgaben entwickelt. Im Anschluss daran bietet es sich an, die Aufgaben laut vorlesen zu lassen. Die Übung kann in der Schwierigkeit gesteigert werden, in dem eine Zahl im Haus fehlt.

Nutzen „älterer“ Materialien

Häufig werden in Lehrbüchern oder Vorlageheften nicht alle Teile verwendet. Auch Beilagen bleiben oft unbenutzt. Sprechen Sie doch einfach einmal mit der Lehrerin oder dem Lehrer Ihres Kindes darüber, ob Sie noch Materialien erhalten können. Es können Spiele, Figuren, Formen o. ä. ausgeschnitten werden, um sie mehrfach nutzen zu können. Für eine bessere Haltbarmachung empfiehlt sich vor dem Schneiden zunächst ein Laminieren.

Rechnen mit „Märchenzahlen“

Hier kann Ihr Kind Aufgaben üben, die aus den bekannten Märchen stammen. Es ist für viele Kinder sehr interessant und überraschend, dass so häufig die gleichen Zahlen genutzt werden. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, das ein oder andere Märchen zu lesen oder vorzulesen. Zu diesem Thema gibt es auch einige Materialien käuflich zu erwerben.

1X1 und Einkaufen

Wenn in Ihrem Ort die Möglichkeit besteht, so kann Ihr Kind auch kleine Einkäufe (z. B. beim Bäcker) selbst durchführen. Anschließend werden die Ware und das Restgeld abgerechnet. Der Umgang mit Geld kann dabei von Ihrem Kind geübt werden.

Arbeitsblätter aus dem Internet

Zahlreich sind diese bei den unterschiedlichsten Anbietern erhältlich. Es lohnt sich meist, genauer hinzusehen. Das ausgewählte Material sollte für mein Kind „passend“ sein und die gewünschten Aufgaben enthalten. Die finanzielle Seite muss man auch mit beachten.

Lernsoftware/Lernspiele im Internet

Auch hier gibt es viele verschiedene Angebote. In der Auswahl derer gelten die gleichen Überlegungen wie bei den o. g. Arbeitsblättern. Dieses Material sollte möglichst nicht das Dominierende werden.

Weitere Übungsmöglichkeiten:
  • Lernpyramiden aus dem Spectra Verlag. Dieses Material kann auch für gemeinsame Übungen mit Nachbarskindern genutzt werden.
  • Puzzle
  • Rechendomino (Dieses kann auch selbst gebastelt werden. Vor dem Zerschneiden bitte laminieren.) Auch damit können sich mehrere Kinder befassen.
  • Lösungen in Bildern ausmalen
Das Erkennen und Beherrschen unserer grundlegenden Kulturtechniken ist eine notwendige Voraussetzung, um heutige und zukünftige Herausforderungen zu meistern. Dazu zählt auch das Beherrschen des Kleinen 1x1. Durch tägliches Üben wichtiger Aufgaben entwickeln sich mehr und mehr solide Kenntnisse. Schwierigere Zusammenhänge lassen sich von den Schülerinnen und Schülern leichter lösen, da sie sich der neuen Sache widmen können. Scheinbar nebenbei werden erzieherische Aufgaben, wie zum Beispiel: Anstrengungsbereitschaft, Stetigkeit und Genauigkeit weiter ausgeprägt.

Linktipp

http://www.medienwerkstatt-online.de/lws_wissen/index.php

Quellen
(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Einmaleins
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Ries

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