Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin und lebt mit Mann und zwei Kindern in Wolfenbüttel.

Pubertät: Lernen trotz Baustelle im Kopf

von Ulrike Lindner



© Syda Productions - Fotolia.com
In der Pubertät ist alles anders – Kinder, die zuvor liebevoll und anschmiegsam waren, werden schweigsam und kurz angebunden. Das Zu-Bett-Gehen verschiebt sich immer weiter nach hinten und morgens kommen die Jugendlichen nur schwer aus den Federn. Vor allem: Mädchen und Jungen suchen sich neue Rollen und Identitäten auf ihrem Weg ins Erwachsenwerden – und lösen sich dabei zunehmend vom Elternhaus ab.

Der Übergang von der Kindheit zum Erwachsenwerden ist eine Zeit des Umbruchs. Ausgelöst von Hormonen, verändert sich der Körper und der Geist gleich mit. Während alte Nervenverbindungen absterben und sich neue bilden, herrscht im Kopf meist Chaos, für Schule scheint jetzt kaum noch Platz zu sein. Hinzu kommt: Ausgelöst durch den veränderten Biorhythmus leiden viele unter Dauermüdigkeit und können sich besonders in den ersten Schulstunden nur schwer konzentrieren.

Einige Schulen reagieren auf diesen Zustand mit ungewöhnlichen Maßnahmen: So bietet eine Hamburger Stadteilschule für die Jahrgänge acht bis zehn zu Schuljahresbeginn „Herausforderungen“. Im Rahmen einer Auszeit vom Schulbetrieb können die Jugendlichen statt Unterricht jetzt die Alpen überqueren, durch alle 16 Bundesländer radeln oder auf einem Bauernhof arbeiten. Erfahrungen, die im Rahmen solcher Projekte gemacht werden, würden sich zwar nicht direkt auf die Schulische Leistungen auswirken, sagen Pädagogen. Sie seien aber gut für die Entwicklung, weil Jugendliche daran wachsen.

Was Eltern tun können

Als Herausforderung erleben auch viele Eltern die Pubertät ihrer Kinder. Dennoch sollten Mütter und Väter die Pubertät nicht allein als „Null-Bock-Phase“ wahrnehmen, sondern auch als große Chance. Nie wieder werden Kinder so offen sein für Neues, nie ist das Gehirn so leistungsfähig wie jetzt. In Tests für Intelligenz, Gedächtnisleistung und Wahrnehmungsfähigkeit erreichen 14-Jährige jetzt Spitzenwerte. Die Pubertät, sagen Erziehungswissenschaftler, kann also eine Zeit sein, in der sich neue Interessen bilden und in der Jugendlich sehr motiviert ihre Ziele verfolgen können. Wichtig sei die richtige Motivation. Dabei können Eltern unterstützen, etwa indem sie:
  • Das Selbstbewusstsein ihrer Kinder stärken und gezielt Begabungen und Interessen unterstützen, die Erfolgserlebnisse möglich machen. Zum Beispiel durch einen Beitritt zum Sportverein oder Musikunterricht.
  • Im Gespräch bleiben, ohne zu viel Druck auszuüben. Dieser Erziehungsstil wird auch als „autoritative Erziehung“ bezeichnet. Man versteht darunter eine Mischung aus Wertschätzung und Grenzen aufzeigen, die natürlich nicht erst in der Pubertät einsetzen sollte.
  • Unterstützung liefern, damit sich Jugendliche neue Ziele suchen, die sie motivieren. Wie ein bestimmter Schulabschluss, eine bessere Note oder Kompetenzen in einem bestimmten Bereich.
  • Ruhig bleiben, wenn Kinder sich mehr für Gleichaltrige als für den Matheunterricht interessieren. Meist ist das nur eine Phase, die bald wieder abflaut. Ist das Verhältnis grundsätz-lich gut, so zeigt die Erfahrung, vertrauen Jugendliche ihren Eltern ohnehin, wenn es um wirklich wichtige Themen wie Berufswahl oder Bildung geht.
  • Die Abnabelung nicht so persönlich nehmen – auch wenn es schwer fällt. Wenn Eltern ihren Kindern und der eigenen Erziehung vertrauen, lassen sich schwierige Phasen besser durchstehen. Früher als gedacht kann die Zeit der Pubertät dann schon vorbei sein – und aus den meckernden Teenies werden wieder freundliche, offene Menschen.

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