Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

Privatschule als Alternative

von Ulrike Lindner



© CrazyCloud - Fotolia.de
Der Schulbesuch ist in Deutschland kostenlos – eigentlich. Denn fast neun Prozent aller schulpflichtigen Kinder besuchten im Schuljahr 2015/16 statt einer staatlichen Schule ein kostenpflichtiges Privatinstitut. Angeboten werden Privatschulen unter anderem von den Kirchen, Vereinen oder sogar von Privatpersonen. Ihre Zahl ist dabei steigend und liegt derzeit bei mehr als 3.000 in Deutschland.

Gründen kann laut Grundgesetz grundsätzlich jeder eine private Schule. Allerdings muss nach Artikel sieben des Gesetzes jede private Volksschule entweder konfessionell sein oder ein besonderes pädagogisches Konzept vorweisen. Darüber hinaus müssen sich auch die Privaten an den Lehr- und Erziehungszielen der öffentlichen Schulen orientieren und unterstehen der Aufsicht durch die Schulaufsichtsbehörden.

Warum Privatschule?

Die Argumente, die aus Sicht vieler Eltern für die Privaten sprechen, sind vielfältig. Einige wünschen sich ein alternatives pädagogisches Konzept für die schulische Erziehung ihrer Kinder, andere erhoffen sich eine bessere Förderung, kleinere Klassen, bessere Ausstattung, engagiertere Lehrer oder eine bestimmten religiöse oder weltanschauliche Ausrichtung. Auch wenn Privatschulen sich wie die staatlichen Einrichtungen an staatliche Vorgaben halten müssen, in ihrer inhaltlichen Ausprägung können sie teils stark von den „normalen“ Schulen abweichen. Eltern sollten sich deshalb genau informieren, wo die Schwerpunkte liegen und welche Kosten zu erwarten sind.

Konfessionelle Schulen

Weitaus die meisten Privatschulen in Deutschland, insgesamt mehr als 2.000, werden von den beiden großen Kirchen getragen und widersprechen dem verbreiteten Vorurteil, private Schulen müssten auch teuer sein. Ihre Besonderheit: Der Religionsunterricht ist hier obligatorisch und meist auch die Konfessionszugehörigkeit. Besonders die katholischen Schulen bieten zudem häufig Geschlechtertrennung in Mädchen- oder Jungengymnasien an.

Alternative Pädagogik

Weit verbreitet sind auch Waldorfschulen, insgesamt gibt es bundesweit etwa 230. Sie arbeiten nach den pädagogischen Gedanken von Rudolf Steiner. Das Konzept stellt die natürliche Entwicklung der Kinder ins Zentrum und versucht, Leistungsdruck nach Möglichkeit zu vermeiden. Auch wird in Themenschwerpunkten gearbeitet, statt in starr unterteilten Fächern und musisch-kreative Angebote stehen stärker im Fokus.

Auf eine alternative Pädagogik setzen auch Montessorischulen, von denen es in Deutschland fast ebenso viele wie Waldorfschulen gibt. Maria Montessori (Leitbild „Hilf mir, es selbst zu tun“) entwickelte Anfang des 20. Jahrhunderts das pädagogische Konzept, nach dem Kinder in altersgemischten Gruppen lernen und von ihren Lehrern zum freien Arbeiten angeleitet werden.

Zusätzlich zu diesen beiden großen Richtungen finden sich vor allem in Großstädten weitere Alternativschulen. Oft gründen Lehrer oder Eltern diese Alternativen zum staatlichen Schulsystem, die im Bundesverband freier Alternativschulen zusammengeschlossen sind.

Internationale Schulen

Unter anderem Kinder von Diplomaten oder anderen Arbeitnehmern, die nur für begrenzte Zeit in Deutschland bleiben, besuchen die internationalen Schulen. Auch für deutsche Eltern stellen diese Einrichtungen eine interessante Alternative dar, nicht nur, wenn sie selbst einen längeren Auslandsaufenthalt planen. Ihr Pluspunkt ist neben der Internationalität der Schülerschaft die Schulsprache, meist Englisch. Zum Teil wird komplett in der Fremdsprache unterrichtet, einige Schulen arbeiten auch bilingual und bieten bestimmte Fächer in der Fremdsprache an (neben Englisch werden Spanisch, Französisch, Russisch oder Japanisch als Unterrichtssprachen angeboten). Für Eltern wichtig: Viele internationale Schulen werden als sogenannte „Ergänzungsschulen“ nicht staatlich gefördert und können daher deutlich teurer sein, als andere Privatschulen.

Fazit

Wer besondere Ansprüche an Schule hat, ist oft mit einer Privatschule besser bedient. Es ist jedoch wichtig, sich vorher genau zu informieren und die Kosten in Hinblick auf die gesamte Schullaufbahn und evtl. Geschwisterkinder zu kalkulieren.

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