Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

Grenzen setzen in der Pubertät

von Ulrike Lindner



© VadimGuzhva - Fotolia.de
Statt wie vereinbart um 23:00 Uhr, kommt Elisa erst um 00:30 Uhr nach Hause. Kevin spielt stundenlang am Computer und lässt sich nicht davon abbringen, Roberts Noten werden immer schlechter und Luisa geht an die Decke, wenn ihre Mutter sie bittet, die Musik leiser zu stellen. In der Pubertät kommt es in vielen Familien zu ähnlichen Situationen – und Eltern stehen oft rat- und hilflos vor der zugeknallten Tür ihrer Jugendlichen.

Zwischen Freiraum und Grenzen

Vielen Eltern ist durchaus bewusst, dass sich mit dem Erwachsenwerden einiges ändert. Kinder brauchen die Möglichkeit, sich selbst auszuprobieren und größeren Freiraum zu erleben. Andererseits tragen Mütter und Väter nach wie vor die Verantwortung für ihre Kinder und wünschen sich nicht zuletzt ein harmonisches Familienleben.

Doch auch wenn es oft schwierig und frustrierend sein kann: Grenzen sind auch in der Pubertät unverzichtbar. Jugendliche brauchen sie als Orientierung in einer Zeit, in der sie sich selbst oft komplett neu erleben. Grenzen und Regeln, aber auch Rituale und feste Familienbräuche zeigen ihnen, in welchen Bahnen und in welche Richtung sie sich bewegen können, ohne sie gleichzeitig allzu sehr einzuengen. Dazu müssen die Regeln, die in jeder Familie gelten, je nach Entwicklungsstand der Kinder immer wieder einmal überprüft und neu ausgehandelt werden.

Eigene Werte überprüfen und klar kommunizieren

Eltern sind dabei zuallererst selbst gefordert: Sie müssen sich klar darüber sein, welche Regeln ihnen wichtig sind und wo Spielraum vorhanden ist. Nur dann können verbindliche Regeln auch klar und eindeutig kommuniziert werden. Bei einigen Sachverhalten können sich Eltern dann vielleicht auf den Blickwinkel ihres Kindes einstellen, zum Beispiel wenn es um mehr Privatsphäre, den täglichen Computerkonsum, das Aufräumen des Zimmers oder das Erledigen bestimmter Aufgaben im Haushalt geht. In anderen Bereichen können Jugendliche Gefahren noch nicht ausreichend einschätzen. Wenn es daher um Regeln in Hinblick auf Alkohol oder Drogen geht, müssen Eltern konsequent sein und bleiben.

Im Gespräch sollten Sie Vorwürfe und Drohungen vermeiden und lieber freundlich und ruhig bleiben. Vorgaben wie „Ich möchte, dass du dich an unsere Verabredung hältst und zum ausgemachten Zeitpunkt nach Hause kommst“, werden am besten in der Ich-Form formuliert. Gespräche über Regeln können dann als Dialog stattfinden, bei dem Jugendliche auch eigene Vorschläge einbringen können, nicht als Befehle, die Eltern an ihre Kinder weitergeben.

Konflikte gehören dazu

Streit und Auseinandersetzung sind natürlich trotzdem nicht auszuschließen. Sie gehören in gewisser Weise sogar zum Erwachsenwerden und zum Ablöseprozess dazu. Damit der (not-wendige) Streit mit den Eltern überhaupt stattfindet, müssen diese immer wieder Offenheit und Gesprächsbereitschaft zeigen und gleichzeitig den eigenen Standpunkt klar vertreten. Experten betonen immer wieder, dass Reibungen und Konflikte zum Erwachsenwerden gehören – und dass sie nur stattfinden können, wenn Eltern ihnen nicht durch zu lasche Regeln oder kumpelhaftes Verhalten um jeden Preis ausweichen.

Vor allem: Das oft abweisende Verhalten der Kinder sollte nicht als Angriff erlebt werden, sondern als Entwicklungsstufe auf dem Weg zum Erwachsenen. Nur wenn auffälliges Verhalten sich häuft, wenn sich Pubertierende über Monate hinweg abkapseln, unter Ängsten leiden, Drogen nehmen oder gewalttätig werden, kann eine Erziehungsberatungsstelle helfen.

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