Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Geschichte des Adventskranzes

von Jörg Sauer



© vulcanus - Fotolia.de
Der Adventskranz ist bei uns ein fester Begleiter in der vorweihnachtlichen Zeit geworden. Doch woher stammt dieser Brauch? Der nachfolgende Beitrag geht dieser Frage nach und gibt zugleich Anregungen zum Anfertigen eines solchen.

Im Geschichtsbuch geblättert

  • In der Adventszeit bereiten sich die Christen auf das Fest der Geburt Jesu vor. Advent ist vom lateinischen Wort „Adventus“ abgeleitet, welches „Ankunft“ bedeutet. Genauer heißt es: „… Adventus Domini“ , lateinisch für „Ankunft des Herrn“. (1) Am ersten Sonntag im Advent beginnt für die römisch-katholische und evangelische Kirche das neue Kirchenjahr. Unzählige Menschen gestalten in dieser Zeit auch ihre Wohnungen um. Der Adventskranz spielt bei vielen eine zentrale Rolle.
  • Der deutsche evangelische Theologe und Pädagoge Johann Hinrich Wichern (1808 bis 1881) erfand 1839 den Adventskranz und stellte ihn im „Rauhen Haus“ in Hamburg auf. Er war Mitbegründer dieser Einrichtung, die sich um arme einsame Kinder kümmerte, die in großer Armut lebten. Dieses Haus gibt es auch heute noch.
  • - Johann Hinrich Wichern begründete weiterhin die „Innere Mission" der Evangelischen Kirche in Deutschland. Der Verein wurde 1849 in Bremen ins Leben gerufen.
  • Auf einem Wagenrad wurden für jeden Sonntag eine weiße und für alle übrigen Tage jeweils eine rote Kerze angebracht. Täglich durfte ein Kind eine Kerze anzünden. Am Heiligen Abend leuchteten alle. Er wollte damit die Kinder erfreuen und die Zeit der Vorfreude bis zum 24. Dezember sinnbildlich verkürzen.
  • Ab dem Jahre 1860 verwendete Johann Hinrich Wichern Tannenreisig.
  • Auch heute noch wird der traditionelle Wichernkranz u. a. im „Rauhen Haus“ oder der evangelischen Sankt Michaelis Kirche in Hamburg aufgehängt.
  • Die Anzahl der kleinen Kerzen variiert jährlich zwischen 18 und 24. Fällt der Heilige Abend mit dem vierten Sonntag im Advent zusammen, so sind es die wenigsten. 2016 sind es 24 kleine Kerzen.
  • Aus dem Adventskranz von Johann Hinrich Wichern entwickelte sich im Laufe der Zeit der Kranz mit den vier Lichtern, da die Menschen auch einen solchen in ihren Wohnungen aufstellen oder aufhängen wollten.
  • Im Jahre 1925 hängte man zum ersten Mal in einer katholischen Kirche in Köln einen Adventskranz mit vier Kerzen auf.
  • Heute ist der Adventskranz, teilweise mit regionalen Besonderheiten versehen, weltweit verbreitet.
  • In der Zeit des Nationalsozialismus sollte der Adventskranz durch die Begriffe: „…„Sonnwendkranz“ oder „Lichterkranz“ mit „…Wünschelichtern…ersetzt werden.“ (2) Als Verzierung sah man: „…Sonnenrad- oder Wikingermotive…“(3) vor. Die vier Kerzen versinnbildlichten die Jahreszeiten. Beim Entzünden der Kerzen sollten: „so genannte „Lichtersprüche“ vorgetragen“ (4) werden, die in entsprechenden Büchern oder Kalendern vermerkt waren.
  • Im deutschen Weihnachtsland, dem Erzgebirge, wird der Adventskranz mit vier roten Kerzen unterschiedlicher Größe versehen. Man bindet die Kränze in der Woche nach dem Totensonntag mit frischem Fichten- oder Tannenreisig. Farbige (häufig goldfarbene)Kugeln, Zapfen oder Glocken werden als Schmuck genutzt. Gern nutzt man weiterhin rote Schleifen bzw. solche mit weihnachtlichen Motiven.
  • Das Entzünden der Lichter erfolgt oft in traditioneller Hinsicht entgegen dem Uhrzeigersinn, Nachbarkerze nach Nachbarkerze.

Symbolkraft des Adventskranzes

Er versinnbildlicht durch die stetige Zunahme des Lichts die Vorfreude: „…der steigenden Erwartung der Geburt Jesu Christi, der im christlichen Glauben als „Licht der Welt“ bezeichnet wird.“ (5)
Zu dieser ursprünglichen Deutung kamen die folgenden hinzu:
  • Die runde Form des Kranzes verkörpert den Kreislauf des ewigen Lebens.
  • Das Fichten- oder Tannenreisig symbolisiert durch seine satte grüne Farbe die Hoffnung und das Leben schlechthin.
  • Die Kerzen stellen das kommende Licht dar.

Ausgewählte Bräuche

  • Der Adventskranz wird in der katholischen Kirche oder in katholischen Landstrichen teilweise: „…mit drei violetten Kerzen und einer rosa Kerze …“ (6) versehen. Die Wahl richtet sich nach der liturgischen Farbenlehre. Violett wird u.a. im Advent verwendet. Die Farbe Rosa: „…ist die Aufhellung der Farbe Violett.“(7) Diese Farbe kann neben dem dritten Adventssonntag, dem: „ Gaudete (Freut euch!)“ (8), nur am vierten Fastensonntag, dem: „Laetare (…Freue dich!)“ (9) verwendet werden.
  • In den katholischen Regionen Irlands ergänzt man den o. g. Adventskranz um eine weitere weiße Kerze. Diese steht in der Mitte dessen und wird am Heiligen Abend entzündet. Jede Kerze hat ihren eigenen Namen und Bedeutung.
  • Im überwiegend protestantischen Norwegen wählt man die Kerzen auch nach der liturgischen Farbenskala. Hier sind es vier violette.
  • In Schweden verwendet man für den ersten Advent eine weiße Kerze und für die restlichen Adventssonntage violette. „Das Weiß steht für die Paradiesfarbe…“ (10)
  • Die Adventszeit umfasst in der Kirchenprovinz Mailand und einigen Pfarreien des Bistums Lugano (Schweiz) sechs Wochen. Deshalb verwendet man für den Adventskranz sechs Kerzen. Dem liegt der ambrosianische Ritus zu Grunde. Der wiederum wird auf den Heiligen Ambrosius von Mailand (339 bis 397) zurückgeführt. Darüber hinaus gibt es weitere Unterschiede hinsichtlich des römischen Ritus.

Advent erleben

Diese Zeit hat trotz aller Hektik in unserem Alltag nichts von ihrer geheimnisvollen Vorfreude auf etwas großes Kommendes verloren. Sie gibt uns die Gelegenheit, innezuhalten und einfach zu genießen. So sollte man versuchen, sich weniger von der allgemeinen Hektik anstecken lassen. Es lohnt sich, sich die Zeit nehmen, um die Bräuche kennenzulernen und zu nutzen. Dazu gehört auch der möglichst selbst gebundene Adventskranz. In diesem Zusammenhang können Kinder und Eltern etwas über seine Entstehungsgeschichte und seinen Erfinder erfahren. Kernaufgabe sollte es sein, einen Adventskranz gemeinsam zu binden.

Adventskranz selbst gestalten

Material und Werkzeuge:
  • möglichst frisch geschnittenes Fichten- oder Tannenreisig
  • - Am besten lassen sich die kleinen Zweige verwenden.
    - Tannengrün lässt sich am leichtesten verarbeiten, da deren Nadeln nicht so stechen.
  • Tipp: Verwendet man das geschnittene Reisig nicht gleich, so kann es in ein Behältnis mit Wasser gestellt werden, damit es länger frisch bleibt.
  • Strohkranz
  • Blumenbindedraht – grün –
  • Kerzenhalter und passende Kerzen
  • Gartenschere
  • Zange
  • schmückendes Beiwerk (u. a. Zapfen, Schleifenband, Strohblumen, kleine Kugeln, Glöckchen,...)
Vorgehensweise:
  • Das Reisig sollte man so schneiden, dass kleine, leicht handhabbare Zweige entstehen.
  • Diese werden nach und nach systematisch mit Hilfe des Blumenbindedrahtes auf den Kranz gebunden. Den Draht muss man stets straff halten, damit die Zweige nicht heraus rutschen. Im Idealfall reicht eine Rolle für einen Kranz. Ansonsten muss der neue Draht an das Ende des alten gewickelt und mit einer Zange gut verdreht werden.
  • Tipp: Zunächst sollte man eine Runde herum binden. Anschließend wird der Kranz gedreht und die andere Seite bearbeitet. Es darf keine freie Stelle übrig bleiben.
  • Zum Schluss werden die Drahtenden fest verknotet.
  • Jetzt können die Kerzenhalter aufgesteckt und der Kranz entsprechend der eigenen Fantasie geschmückt werden.
Unbedingt beachten: Adventskränze sind leicht entzündbar, da das Reisig schnell austrocknet.

Nach dem Fest...
Viele Teile des Kranzes sind wieder verwendbar. Um sie gut zu erhalten, empfiehlt sich das folgende Vorgehen:
  • Die Kerzenhalter und das schmückende Beiwerk nimmt man vorsichtig ab.
  • Der Blumenbindedraht wird abgerollt und gleich auf einen Stab aufgewickelt.
  • Das Reisig fällt nach und nach ab. Es kann zum Schluss entsorgt werden. Der Strohkranz bleibt übrig.
  • Alle wieder verwendbaren Teile kommen am besten in eine gut verschließbare Kiste. Diese sollte spätestens vor dem Wegpacken beschriftet werden.
Wenn der recht hohe Aufwand des Anfertigens eines o. g. Adventskranzes nicht geleistet werden kann, so gibt es alternative Möglichkeiten. Sie reichen vom Färben einer Vorlage bis hin zum Basteln eines Kranzes aus Pappe. Anregungen finden Sie dazu in den Linktipps.

Linktipps

http://www.ndr.de/kultur/geschichte/Der-Adventskranz-Wer-hat-ihn-erfunden,adventskranz1289.html
http://www-weihnachten.de/weihnachten-infos/advent-advent.htm
http://www.basteln-gestalten.de/weihnachtskranz
www.wissenskarten.de
http://www.rauheshaus.de/home.html
http://www.ndr.de/kultur/geschichte/koepfe/Johann-Hinrich-Wichern-Der-Menschenretter,wichern34.html
http://www.zeitraeume-reisen.de/blog/2012/12/irlands-advents-und-weihnachtsbrauche/

Quellen

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Adventskranz
(2) ebd.
(3) ebd.
(4) ebd.
(5) ebd.
(6) ebd.
(7) https://de.wikipedia.org/wiki/Liturgische_Farben
(8) https://de.wikipedia.org/wiki/Gaudete
(9)https://de.wikipedia.org/wiki/Laetare
(10) https://de.wikipedia.org/wiki/Adventskranz

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