Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Scharf und gesund - das Gemüse des Jahres 2016

von Jörg Sauer



© gitusik - Fotolia.com
Die vitaminreichen und farbenprächtigen Paprika und Chilisorten sind aus unserer Küche nicht mehr wegzudenken. Sie bereichern diese in vielfältiger Weise. Alle der: "... über 2.000 Paprika und Chili – Sorten..." züchtete man "... aus nur fünf Arten". (1) Um ihre Bedeutung und besondere Entwicklung hervorzuheben, ernannte der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) Paprika und Chili zum Gemüse des Jahres 2015 und 2016. Dies alles ist Anlass genug, sich mit diesem Gemüse näher zu befassen. Dazu möchte der nachfolgende Beitrag einige Anregungen geben.

Wissenswertes zu Paprika und Chili

Pflanzensteckbrief
  • Paprika (Capsicum)
  • - Die meisten der gebräuchlichen Sorten stammen von Capsicum annuum ab. Das ist eine der fünf ursprünglichen Arten.
  • Es sind mehrjährige krautige Pflanzen. Im mitteleuropäischen Raum werden die Pflanzen meist einjährig angebaut, da sie kälteempfindlich sind.
  • Je nach dem Verwendungszweck, als Gemüse oder Gewürz, werden die Sorten gezüchtet. Danach richten sich auch die Namen, wie zum Beispiel: Chili, Peperoni oder Spanischer Pfeffer.
  • - Die Bezeichnung Paprika übernahm man: "... etwa im 19. Jahrhundert aus dem Ungarischen..."(2) in die deutsche Sprache.
    - Dieser Begriff stammt: aus dem serbischen Ausdruck "paprika..." und ist eine: "... Ableitung zu pàpar (dt. Pfeffer)..." (3)
    - Das Wort Chili geht auf die Namen für Chilifrüchte in der Sprache zurück, "die von Teilen der aztekischen Ureinwohner in Mexiko gesprochen wurde und wird." (4)
    - Der wissenschaftliche Name: " ... leitet sich von einer neulateinischen Ableitung des griechischen Wortes "kapsa" ab ... und "... bedeutet so viel wie "Kapsel"." (5)
  • Die Pflanzen können je nach Art bis zu 150 cm wachsen.
  • Die Blüten sehen meist weiß aus.
  • Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
  • Standortansprüche:
  • - warm und geschützt (vor starken Wind und Regen)
    - lockerer humoser Boden
    - volle Sonne
    - verträgt keinen Frost
    - Paprika kann auch in Kübeln auf dem Balkon oder der Terrasse kultiviert werden.
  • Capsaicin - der besondere Inhaltsstoff
  • - Für die unverwechselbare Schärfe ist dieser Stoff verantwortlich. Er verursacht Hitze- und/oder Schmerzreize. Das unterscheidet das Capsaicin von anderen Stoffen, die die Zunge mit ihren Geschmacksnerven reizen und eine der fünf Geschmacksemfindungen auslösen können.
    - Die Hitze- und/oder Schmerzreize reichen von wohltuend bis zu sehr unangenehm. Die Empfindungen sind oftmals individuell unterschiedlich.
    - Grundsätzlich hängt von der Konzentration des Capsaicin die Schärfe der Chili ab. Man misst diese in Scoville. Darunter versteht man einen:"... Verdünnungsfaktor, der nötig ist, um die Schärfe vollständig zu neutralisieren."(6) Ein hoher Scoville-Wert versinnbildlicht große Schärfe. "Gemüsepaprikas haben 0 - 10 Scoville, Jalapenos bis zu 8.000 und Habaneros bis zu 500.000 Scoville." (7)
    - Capsaicin dient entwicklungsgeschichtlich betrachtet: "... der selektiven Abwehr von Säugetieren" (8), da sie beim Zerkleinern der Nahrung die Samen zu großen Teilen zerstören. Vögel hingegen sind unempfindlich gegen das Capsaicin. Sie können die Samen über weite Strecken verbreiten.
  • Die Früchte sind reich an Vitamin C.
Im Geschichtsbuch kurz geblättert
  • Ursprünglich stammen alle fünf Paprika - Arten aus unterschiedlichen Gebieten Mittel- und Südamerikas.
  • Bereits 7.000 v. Chr. nutzte man die wilden Pflanzen. Das konnte durch: "... Ausgrabungen in einem Tal bei Tehuacán (Mexiko..."(9) bewiesen werden.
  • Die einheimischen Völker bauten alle fünf Arten an und züchteten sie weiter. Man schätzt die ersten Zuchtformen auf die Jahre: "....zwischen 5200 und 3400 v. Chr. .... "(10).
  • Christoph Columbus (1451 bis 1506) lernte die scharfen Früchte auf seinen Reisen kennen, welche die Einheimischen zum Würzen von Speisen nutzten. Unklar ist dabei, ob er dachte, eine besondere Art des Pfeffers entdeckt zu haben. Denn ein Auftrag für seine Reise war es, mitzuhelfen, das Pfeffer- und Gewürzmonopol Venedigs zu brechen.
  • Der Arzt Diego Alvarez Chanca erwähnte die Pflanze allerdings erst in der zweiten Reise (1493) von Columbus.
  • Man nahm Samen mit nach Spanien, wo der Anbau gelang. Noch heute sind Paprika auch unter dem Namen des "Spanischen Pfeffers" bekannt.
  • Die "Neue Welt" wurde nun mehr und mehr erforscht. Man fand auch zahlreiche unterschiedliche Varianten der Paprika. So beschreibt der "... als Apostel der Indianer ..." (11) bezeichnete Bischof der spanischen Kolonien Bartolomé de Las Casas (1484 oder 1485 bis 1566) "...eine Pflanze mit länglichen und schlanken sowie eine mit kirschförmigen und schärferen Früchten" (12). Das war im Jahre 1502.
  • Der deutsche Landknecht in portugiesischen Diensten Hans Staden ( um 1525 bis 1576) verfasste nach seinen zwei Reisen in das Gebiet des heutigen Brasilien die "Wahrhaftige Historia". Das Werk erschien 1557. Es war das erste ausführliche Werk über Brasilien in Deutschland zu dieser Zeit. Darin beschreibt er auch Tiere und Pflanzen, wie Paprika mit gelben und roten Früchten.
  • In den folgenden Jahrzehnten nach den Entdeckungen nahmen der Welthandel und die Kolonialisierung stetig zu. So gelangten auch die unterschiedlichsten Paprikasorten in die anderen Teile der Welt. Dort sind sie, wie zum Beispiel in den Ländern Südostasiens oder in Indien, fester Bestandteil der Küche geworden. Weitere Sorten wurden im Laufe der Zeit gezüchtet, wie zum Beispiel die großen und fleischigen Gemüsepaprika.
  • Der deutsche Pflanzenkundige und Arzt Leonhart Fuchs (1501 bis 1566) beschrieb 1542 erstmalig in Deutschland angebaute Paprikapflanzen unter dem Namen "Siliquastrum".
  • Die Menschen im Osmanischen Reich kamen: "... wahrscheinlich bei einer der Belagerungen der portugiesischen Kolonien Ormus (Persien, 1513) oder Diu (Indien, 1538) zum ersten Mal in Kontakt mit Paprikapflanzen." (13)

Ideen für den Unterricht

Bei diesem Thema ist es lohnenswert, fächerübergreifend zu arbeiten. Umfang und Schwierigkeitsgrad sind dabei von der aktuellen Situation der Klasse und dem Alter der Kinder abhängig. So können neben Sachunterricht/Biologie auch die besonderen Möglichkeiten von Geschichte, Geografie, Deutsch oder gar Mathematik genutzt werden. Nachfolgend finden Sie einige Anregungen, aus denen ausgewählt und individuell angepasst werden kann.

Sachunterricht/Biologie
  • verschiedene Arten erkunden
  • Capsaicin - Wirkungen und Bedeutung dieses Stoffes
  • evtl. Anbau im Schulgarten oder im Gewächshaus
  • einfache Rezepte ausprobieren - ggf. in Zusammenarbeit mit den Eltern
Geografie
  • Finden der Gegenden, in welchen Paprika ursprünglich beheimatet war
  • Feststellen der dortigen klimatischen Bedingungen
  • heutige Anbaugebiete
  • Arbeit mit unterschiedlichen Karten
Geschichte
  • Gewürze als wichtiges und teures Handelsgut
  • politische Lage während der Entdeckung der „Neuen Welt“
  • Weg des ersten Paprika/Chili nach Europa
  • Verbreitung von Paprika in zahlreichen Ländern
  • Hauptanbaugebiete in Europa heute
Deutsch
  • Rezepte sammeln und gestalten
  • Herkunft der Namen
  • Übersichten und Mind-Maps anfertigen
Mathematik
  • Entfernungen zwischen der "Neuen Welt" und der "Alten Welt" mit dem Schiff
  • Entfernungen zwischen den heutigen Hauptanbaugebieten und uns als Konsument
  • Transportrouten zusammenstellen
  • Geschichtliche Zeiträume feststellen und miteinander vergleichen
In besonderer Weise bietet sich eine Exkursion in eine Gärtnerei oder einen gut sortierten Gemüseladen als Einstieg an.

Für das Dokumentieren der Arbeitsergebnisse der Kinder kann das Anlegen des Arbeitsmateriales: "Mein Heft vom Paprika" genutzt werden.

Pdf: Mein Heft vom Paprika.pdf
Docx: Mein Heft vom Paprika.docx

Aufbau und kurze Erläuterungen des Heftes zur Paprika
  • Deckblatt
  • - Kinder gestalten das Blatt selbstständig nach einem einführenden Unterrichtsgespräch oder einem Unterrichtsgang
  • Steckbrief der Paprika, Teil 1 und Teil 2
  • - Bearbeiten der beiden AB, auch Partner- oder Gruppenarbeit (max. drei Kinder) bietet sich an
  • Arbeit im Schulgarten oder im Gewächshaus (wenn möglich)
  • - Gruppenarbeit bietet sich an
    - Der Lehrende muss die Pflanzen rechtzeitig besorgen. Die gezüchteten Pflanzen können im Fachhandel gekauft werden.
    - Namensschild erstellen und im Garten befestigen
    - Die Aufzucht aus Samen erfordert die Mitarbeit des Lehrenden. Dabei ist zu beachten, dass die Aussaat bereits im Februar in entsprechenden Saatschalen oder Minigewächshäusern auf der Fensterbank stattfinden muss.
    - langfristige Pflegearbeit, auch die „Ferienbetreuung“ muss mit abgesichert werden
    - günstig für kleine Gruppen oder Arbeitsgemeinschaften
    - Aufgabenprotokoll führen
    - Eine ausführliche Arbeitsanleitung finden Sie in den Linktipps.
  • die Entwicklung der Paprika
  • - langfristige Beobachtungsaufgaben
    - Partner- oder Gruppenarbeit am günstigsten
  • Entdeckungen Frucht und Samen
  • - Partner- oder Gruppenarbeit am günstigsten
    - Führen des Protokolls
  • Platz für weitere Beobachtungen und Ergebnisse
    -Dieses zusätzliche Blatt bietet den Kindern die Möglichkeit, alle ihre weiteren Entdeckungen aufzuschreiben. Weiterhin können hier Rezepte gesammelt werden.

Linktipps

http://www.nutzpflanzenvielfalt.de/verein_zur_erhaltung_der_nutzpflanzenvielfalt_ev
https://stadtlandfrau.com/2015/01/11/chiliaufzucht-einfuhrung-und-tag-1/
https://kochkulturleipzig.files.wordpress.com/2015/01/flyer_vorzucht_2014.pdf

Quellen

(1) http://www.nutzpflanzenvielfalt.de/das-feuer-der-k%C3%BCche-chili-und-paprika-sind-gem%C3%BCse-des-jahres-201516
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Paprika#Herkunft
(3) ebd.
(4) ebd.
(5) ebd.
(6) https://kochkultur-leipzig.de/2015/01/06/das-feuer-in-der-kuche-chili-und-paprika-sind-gemuse-des-jahres-201516/
(7) ebd.
(8) ebd.
(9) https://de.wikipedia.org/wiki/Paprika#Herkunft
(10) ebd.
(11) ebd.
(12) ebd.
(13) ebd.

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