Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Nachmittagsbetreuung

von Jörg Sauer



© Brebca - Fotolia.de
Nach einem Schultag stellt sich für viele Kinder und deren Eltern die Frage, was nun mit der freien Zeit am Nachmittag geschehen soll. Klar, die schulischen Aufträge müssen erledigt werden. Dennoch kann ein Nachmittag lang sein. Ein solcher kann sich in der großen Spanne zwischen der totalen Organisiertheit und der völligen Freiheit bewegen. In dem nachfolgenden Beitrag sollen Anregungen und Möglichkeiten einer sinnvollen Gestaltung gegeben werden.

Schulformen und Schulpflicht in Deutschland


Die traditionelle Form der schulischen Bildung ist hierzulande der vormittägliche Unterricht. Dabei unterliegen die Kinder vom sechsten Lebensjahr bis zum Ende der Minderjährigkeit der gesetzlichen Schulpflicht. „Das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken führte (…) 1592 (…)(1) als erstes Land auf der Erde die Schulpflicht ein. Erst 1717 folgte Preußen. Friedrich der Große bestätigte 1763 dies mit dem Generallandschulreglement. Für ganz Deutschland galt die staatliche hoheitliche Aufgabe seit der Reichsgründung 1871.

Die Schulpflicht bedeutet auch, dass jeder sein Kind nach den örtlichen Gegebenheiten und Bedingungen anmelden muss.

So gibt es im Primarbereich die Grundschule, welche in den meisten Bundesländern die Klassen eins bis vier umfasst. Die Sekundarstufe I umfasst die Haupt- bzw. Realschule, wobei es hier in einigen Bundesländern „Mischformen“ gibt. Das Gymnasium deckt zum einen auch die Sekundarstufe I ab, dazu kommt noch die Stufe II.

Darüber hinaus gibt es noch Ganztagsschulen sowie Schulen mit Ganztagsangeboten. Auf die letztgenannten gehe ich im nächsten Abschnitt genauer ein.

Neben dem staatlichen Schulsektor haben sich in den letzten Jahren mehr und mehr private Einrichtungen mit ganz speziellen Ausrichtungen, wie zum Beispiel die Jenaplan-Schulen, die Waldorfschulen oder die Montessori-Schulen etabliert.

Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, in einer Internatsschule zu lernen. Diese Variante kommt sicherlich für die meisten Schülerinnen und Schüler nicht in Betracht.

Der „freie“ Nachmittag


Einleitend möchte ich darauf hinweisen, dass jedes Kind entsprechend seinem Alter Aufgaben rings um den Haushalt für die Familie mit übernimmt.

Organisierte Betreuung

In einigen Bundesländern wird eine Betreuung im Hort angeboten. Die Träger und die Konzepte derer unterscheiden sich teilweise sehr stark voneinander.

Tipp: Erkundigen Sie sich im Vorfeld genau. Das schließt auch die anfallenden Gebühren und die Preise sowie Qualität des Mittagessens mit ein.

Die vielen Diskussionen um die Ergebnisse der PISA Studien führten auch dazu, im Bundesgebiet mehr Ganztagsschulen einzuführen. Alternativ dazu bieten viele allgemeinbildende Schulen für ihre Kinder Ganztagsangebote am Nachmittag an. Diese können u. a. umfassen: Hausaufgabenbetreuung, Experimentieren, Arbeiten am PC, Zeichenkurse, Schnitzen, Basteln mit Holz, Gartenarbeit, Sportgruppen, Schach, Begabtenförderung. Die Einführung hängt sehr oft von den regionalen Möglichkeiten ab. Problematisch ist es dann, wenn viele Schülerinnen und Schüler auf den Bustransfer in ihre Heimatorte angewiesen sind.

Tipp: Die Einrichtungen mit einem solchen Angebot geben das meist sehr detailliert auf ihrer Internetseite bekannt.

Weiterhin bieten zahlreiche Schulen die unterschiedlichsten Arbeitsgemeinschaften oder Kurse an. Diese werden in der Regel am Beginn eines Schuljahres bekannt gegeben.

Sollte da nichts dabei sein, so kann man die örtlichen Gegebenheiten nutzen, um etwas „Passendes“ zu finden. Nach einer gewissen „Schnupperzeit“ ist es sinnvoll, über einen längeren Zeitraum bei einer Sache aktiv zu sein. Ein ständiger Wechsel bringt zu viel Unruhe und wenig Stetigkeit.

Hier nun eine kleine Auswahl an Möglichkeiten:
  • Musikschule
  • Jugendfeuerwehr
  • Sportgemeinschaften
  • Kunst- und/oder Zeichengruppen
  • Bastelkurse
  • Tanz- und/oder Musikgruppen

Begabungen und Interessen


Diese sollten für das eigene Kind möglichst erkannt und entwickelt werden. Sie kennen Ihr Kind am besten und können es entsprechend einschätzen. Vertrauensvolle Gespräche mit dem Klassenleiter können ebenfalls hilfreich sein.

Dabei zeigt sich oftmals, dass:
  • Vergleiche zwischen Gleichaltrigen,
  • Geschwisterkindern oder
  • Jungen und Mädchen nicht immer sinnvoll sind.

Jedes Kind ist anders und hat eine eigene Persönlichkeit.

Der schnell benutzte Begriff der: "… Begabung wird nicht einheitlich festgelegt - weder in der Formulierung noch dem Inhalt nach." (2) Man nutzt heute: "… zwei prinzipiell verschiedene Festlegungen/Erklärungen des Begriffs": …

  • wesentlich nach Höhe des IQ (also quantitativ),
  • in einem Mehrfaktorenmodell (qualitativ). (3)

Zahlreiche weitere Informationen finden Sie hier:

www.begabung-ff.de

Das aus der lateinischen Sprache kommende Wort Interesse bedeutet so viel, wie "dazwischen sein" oder "dabei sein". Interesse ist: "... die kognitive Anteilnahme respektive … (besser gesagt) … die Aufmerksamkeit, die eine Person an einer Sache oder einer anderen Person nimmt." (4)

Der psychologische Begriff "kognitiv" umfasst solche Bedeutungen, wie u. a.: Wahrnehmung, Lernen, Erinnern und Denken.

Steigen Anteilnahme und Aufmerksamkeit, umso stärker interessiert sich derjenige für die Sache oder die Person. Tritt das Gegenteil ein, so spricht man von Desinteresse bzw. Apathie.

"In der pädagogischen Psychologie wird Interesse primär unter dem Gesichtspunkt der emotionalen, motivationalen und kognitiven Beziehung einer Person zu Gegenständen analysiert."(5)

Menschen mit gleichen Interessen schließen sich sehr oft zusammen, um ihre Ziele gemeinsam besser zu erreichen (z. B. Vereine).

Individuelles Nutzen der Zeit


Bei aller sinnvollen Freizeitgestaltung sollte jedem Kind ein gewisses Maß an Freiraum zugestanden werden. Jeder Einzelne braucht auch etwas Zeit für sich, Zeit zum Toben oder Zeit zum einfach mal nachdenken und nichts machen. Das sollten wir jedem Kind einräumen. Keine Schülerin und kein Schüler sollten bereits jetzt schon einen Terminkalender haben, der dem eines Erwachsenen stark ähnelt. Für viele Eltern bedeute dies auch eine Vielzahl an "Fahrdiensten."

Links & Quellen


Links

www.netzwerk-innovativer-schulen.de
www.ganztagsschulen.org
www.begabung-ff.de
Quellen

(1) wikipedia.org
(2) www.begabung-ff.de
(3) ebd.
(4) wikipedia.org
(5) ebd.

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