Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Blume des Jahres 2016

von Jörg Sauer



© tinadefortunata - Fotolia.de
Am 21. Oktober 2015 gab die Loki-Schmidt-Stiftung bekannt, dass die kräftig gelb blühende Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris) zur Blume des Jahres 2016 gekürt wurde. Diese sehr bekannten Frühlingsblüher sind in den vergangenen Jahrzehnten merklich weniger geworden. Deshalb soll die Pflanze wieder mehr ins Bewusstsein gerufen werden. Der nachfolgende Beitrag unterstützt dieses Anliegen und gibt Anregungen für die eigene Unterrichtsgestaltung.

Steckbrief der Wiesen - Schlüsselblume (Primula veris)


Familie: Primelgewächse, Unterfamilie Primuloideae, Gattung Primeln
Standort(e) Lebensraum:
  • Die Wiesen-Schlüsselblume ist außer in den Gebieten südlich der Alpen in ganz Europa heimisch und benötigt für ein gutes Wachstum kalkhaltige, lockere und stickstoffarme Lehmböden.

  • Sie bevorzugt sonnenreiche Wiesen, Waldränder, lichtes Gebüsch bzw. Laubwälder.

  • Im Norden von Deutschland ist die Wiesen-Schlüsselblume deutlich seltener als im Süden anzutreffen. Daraus ergibt sich, dass sie: „… vor allem in den Roten Listen der nördlichen Bundesländer als stark gefährdet eingestuft wird.“ (1)


Interessantes zum Namen


Weit bekannt sind solche Bezeichnungen, wie zum Beispiel Himmelsschlüssel, Frühlings-Schlüsselblume, Petersschlüssel oder Arznei- Schlüsselblume. Der Name „Himmelsschlüssel“ ist: „…mindestens seit dem 12. Jahrhundert belegt…“ und … „steht wohl im Zusammenhang mit Petrus und dessen Schlüssel zum Himmelreich.“ (2) „Mindestens seit dem 15. Jahrhundert…“(3) sind unterschiedliche Darstellungen über die Herkunft des Namens „Schlüsselblume“ beschrieben. Zum einen steht jeweils ein Blütenstand symbolisch für einen Schlüssel mit der Blüte als Schlüsselbart und dem Stängel als Schlüsselrohr. Zum anderen ähnelt die gesamte Blütendolde: „… einem Schlüsselbund“ (4). Jede einzelne Blüte steht für einen Schlüssel. Die wissenschaftliche Benennung weist die Blume des Jahres 2016 als den Frühlingsboten schlechthin aus. So bedeutet: „Primula“ die erste und „veris“ Frühling. (5)

Wichtige Merkmale


  • mehrjährige Pflanze, Überwinterung in einem dicken, kurzem Rhizom

  • Wuchshöhe bis etwa 20 cm

  • Die Teile der Pflanze sind oft flaumig behaart.

  • Blätter
  • - Die Wurzel treibt im Frühjahr wellige gezähnte Blätter aus.
    - Diese wachsen in Form einer Rosette, die in der Nähe des Bodens besonders gut erkennbar ist.
    - Die runzlige Blattoberseite sieht dunkelgrün aus, die untere Seite hat eine hellgrüne Färbung.
    - Der Rand der jungen Blätter ist nach unten hin eingerollt.

  • Blüten
  • - Die Blütezeit ist abhängig von der jeweiligen Gegend in den Monaten von März bis Mai. Grundsätzlich gilt: je nördlicher, desto später.
    - An den blattlosen, behaarten und oben leicht gebogenen Blütenstängeln wachsen die goldgelben Blüten.
    - Sie hängen in Dolden zusammen und sind meist nach unten gerichtet.
    - Die Blüten verströmen einen lieblichen, honigartigen Geruch.

  • Frucht und Samen
  • - Die Bestäubung erfolgt hauptsächlich durch Insekten mit langen Saugrüsseln, wie Schmetterlinge und Hummeln.
    - Es bildet sich eine etwa 5 bis 10 cm lange eiförmige Kapselfrucht mit Zähnchen.
    - Diese enthält viele Samen mit kleinen Bläschen, die durch den Wind verbreitet werden.
    - Zum Keimen benötigen sie Kälte und Licht.


Bedeutung und Nutzung damals und heute


Die Wiesen-Schlüsselblume verwendete man seit alters her zu religiösen Zwecken. Man bereitete einen Trank oder nutzte sie als Heilpflanze. Bereits Kelten und Germanen sprachen ihr: „…spirituelle und magische Kräfte zu.“ (6) Man widmete die Pflanze der germanischen Göttin Freya. So sollte ihre Krone einen Schlüssel tragen, „ … mit dem sie die Herzen der Menschen öffnen konnte.“ (7) Die Funktion der Schlüsselblume als Türöffner, hinter denen sich große Schätze verbergen, wird in zahlreichen Sagen und Märchen geschildert. Allerdings warfen die Menschen die Blume dann meist achtlos weg, so dass sich die Tür kein weiteres Mal öffnen ließ. Eine kleine Auswahl der Märchen und Sagen finden Sie auf den unten angegeben Webseiten. Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) nannte die Blume „Himmelsschlüssel“ und empfahl sie als Mittel gegen Melancholie. Weiterhin sollte: „die äußerliche Anwendung der Schlüsselblume wärmen.“ (8) Die Blume wurde in mehreren Büchern über Heilpflanzen des Mittelalters als Mittel: „…zur Stärkung des Herzens und der Wundbehandlung…“ sowie als Mittel „…gegen Gicht, Lähmungen und Schlaganfall“ (9) empfohlen. In der Volksheilkunde nutzte man die Schlüsselblume zur Linderung von Hustenbeschwerden. In der Signaturenlehre wird die Schlüsselblume mit berücksichtigt. So lassen sich über die Beschaffenheit der Blätter u. a. Verbindungen zur Lunge des Menschen herstellen. In der heutigen Zeit ist die Anwendung als Heilkraut zurückgegangen. Zum einen dürfen wild wachsende Schlüsselblumen nicht mehr gesammelt werden und zum anderen gibt „…es andere Hustenkräuter mit stärkeren Wirkungen.“ (10) So verwendet man die Pflanze: „in der offiziellen Pflanzenheilkunde… nicht sehr häufig“. (11) Der Schlüsselblume werden im Volksglauben u. a. die folgenden Eigenschaften zugeordnet:
  • das Mitnehmen einer Blume erhält die Schönheit,
  • im Vorgarten wachsende Schlüsselblumen halten Besucher fern und
  • die Entfaltung besonderer Zauberkraft, wenn sie zu Weihnachten blüht.

Die Schlüsselblume wird heute auch als Zierpflanze an geeigneten Stellen in Gärten verwendet. Die Vermehrung findet durch Samen statt.

Tipps für die Nutzung im Unterricht


Für das Kennenlernen der Wiesen-Schlüsselblume in ihrem natürlichen Umfeld bietet sich eine Unterrichtseinheit mit dem Titel: „Frühblüher unserer Heimat“ an.

Eine Exkursion eignet sich besonders als Einstieg. Falls die Möglichkeit besteht, sollte diese zur Blütezeit stattfinden. Um sich als Lehrender gründlich auf eine solche vorzubereiten, empfiehlt sich eine „Vorexkursion“ wenige Tage davor.

Schulen, die eine Wiese oder eine Rabatte in sonniger Lage haben, können die Wiesen-Schlüsselblume an Ort und Stelle kultivieren.

Die nachfolgend vorgestellten Ideen sind in Abhängigkeit der jeweiligen Klassensituation ab dem dritten Schuljahr umsetzbar.

Zum Dokumentieren der Arbeitsergebnisse kann das nachfolgende Material in Auszügen oder als Gesamtpaket genutzt und unter dem Titel: „Mein Heft von der Wiesen-Schlüsselblume verwendet werden.

Sie können sich das Heft herunterladen:
Docx: Mein Heft von der Wiesen-Schlüsselblume.docx
Pdf: Mein Heft von der Wiesen-Schlüsselblume.pdf

Aufbau und Erläuterungen des Heftes von der Wiesen-Schlüsselblume


  • Deckblatt
  • - Kinder gestalten das Blatt selbstständig nach einem einführenden Unterrichtsgespräch oder einem Unterrichtsgang

  • Steckbrief der Wiesen-Schlüsselblume, Teil 1 und Teil 2
  • - Bearbeiten der beiden AB, auch Partner- oder Gruppenarbeit (max. drei Kinder) bietet sich an
    - Nutzungsmöglichkeiten der Pflanze
    - Herkunft des Namens

  • Erkundungen auf der Wiese (Boden, andere Pflanzen, Insekten,…)
  • - Umgebung analysieren
    - Wetter beobachten

  • Arbeit im Schulgarten (wenn möglich)
  • - Gruppenarbeit bietet sich an
    - Der Lehrende muss die Pflanzen rechtzeitig besorgen. Diegezüchteten Pflanzen können im Fachhandel gekauft werden.
    - Namensschild erstellen und im Garten befestigen
    - Die Aufzucht aus Samen erfordert die Mitarbeit des Lehrenden und ist sehr langfristig. Dabei ist zu beachten, dass es sich um einen Kälte – und Lichtkeimer handelt. Deshalb sollte die Aussaat in den Herbstmonaten bzw. zu Anfang des Winters flach auf dem Boden erfolgen. Ebenfalls ist das Heranziehen in einer Schale, Aussaatkisten oder einem Topf im Freien möglich. Das Saatgut wird dabei nicht mit Erde abgedeckt. Allerdings sollte man es vor Vogelfraß schützen, zum Beispiel mittels eines Maschendrahtes. Mit einer Blüte ist dann im übernächsten Jahr zu rechnen.
    - günstig für kleine Gruppen oder Arbeitsgemeinschaften
    - Aufgabenprotokoll führen

  • Die Entwicklung des Wiesen-Schlüsselblume
  • - langfristige Beobachtungsaufgaben
    - Partner- oder Gruppenarbeit am günstigsten

  • Entdeckungen an Blüte, Frucht und Samen
  • - Partner- oder Gruppenarbeit am günstigsten
    - Führen des Protokolls

  • Die Wiesenschlüsselblume in Märchen und Sagen
  • - Auswahl eines Märchens bzw. einer Sage mit einer kurzen Begründung
    --- Der Lehrende kann diese bereithalten oder alternativ dazu recherchieren die Kinder selbst.
    - selbständiges Lesen
    - Gedanken notieren, die während oder nach dem Lesen entstanden
    - ggf. Nacherzählung oder Lesevortrag bzw. Vorstellen einer besonders schönen Stelle

  • Raum für weitere Beobachtungen
  • - Dieses zusätzliche Blatt bietet den Kindern die Möglichkeit, alle ihre weiteren Beobachtungen und Entdeckungen aufzuschreiben.


Linktipps


Die Schlüsselblume in Märchen und Sagen - eine kleine Auswahl:

Quellen


(1) Stiftung aktuell 2016, Hamburg, Seite 1
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Echte_Schl%C3%BCsselblume
(3) ebd.
(4) ebd.
(5) Stiftung aktuell 2016, Hamburg, Seite 2
(6) http://www.docjones.de/wirkstoffe/schluesselblume
(7) http://www.jahreskreis.at/Natur_Pflanzen_Schluesselblume.htm
(8) http://heilkraeuter.de/lexikon/schluess.htm<
(9) ebd.
(10) ebd.
(11) ebd.

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