Über den Autor/die Autorin

Hildegard Dierks

Hildegard Dierks hat ihr Lehramtsstudium in den Fächern Englisch und Pädagogik für die Sekundarstufen I und II absolviert und an der Universität Bielefeld das Magisterstudium mit dem Schwerpunkt Computerlinguistik abgeschlossen. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen. Seit einigen Jahren ist sie begeisterte Anhängerin des sog. E-Learnings einer internetgestützten, zeitlich flexiblen Form des Studiums und der beruflichen Weiterbildung. Neben Lehrheften lernt man beim E-Learning auch in betreuten Chats und Webinaren. Frau Dierks lebt mit ihrer Familie in Ostwestfalen. In ihrer Freizeit hört sie gern Hörbücher und spielt Akkordeon.

Für Demokratie interessieren

von Hildegard Dierks



© Marcito - Fotolia.de
Sinkende Wahlbeteiligung, Radikalisierungstendenzen bei jungen Menschen, nachlassendes Engagement und Politikverdrossenheit machen zunehmend Sorgen. Besonders junge Menschen gelten als unpolitisch. Für sie scheint Demokratie eine Selbstverständlichkeit zu sein. Kinder und Jugendliche können jedoch noch nicht viel über Politik wissen. Sich motiviert für die Demokratie einsetzen und für politische Überzeugungen streiten, ist aber auch nicht gerade en Vogue bei jungen Menschen. Interesse an Demokratie bedarf der Förderung.

Schülerparlament schon für Grundschüler


Eine Form der frühen Demokratieerziehung in der Schule - auch bereits in der Grundschule - ist die Gründung eines Schülerparlaments. Ein Schülerparlament tagt regelmäßig. Delegierte einer jeden Klasse haben bei den Sitzungen ein Mitspracherecht und Mitverantwortung für die Schülerschaft. Im Schülerparlament lernen Schüler sich mit Erwachsenen auseinander zu setzen. Die diskutierten Themen betreffen Schule und Unterricht aber Themen und Aktionen gehen auch vereinzelt über Schule hinaus.

In Schülerparlamenten sollen laut Deutscher Gesellschaft für Demokratiepädagogik e.V. Schüler lernen
  • Interessen zu formulieren,
  • Kritik zu üben,
  • kritikfähig zu sein,
  • Zivilcourage zu zeigen,
  • Verantwortung im möglichen Rahmen zu übernehmen.

Das Schülerparlament steht im engen Kontakt mit den Klassen sowie den Mitgliedern der Schulkonferenz. Ein Schülerparlament soll allmählich in die Gremienarbeit der SV übergehen - so der Grundgedanke. Themen dieses Parlaments können beispielsweise sein: Schulhofgestaltung, Feste, Toilettensauberkeit aber auch Lernmöglichkeiten oder Rhythmisierung des Lernens. Je jünger die Schülerinnen und Schüler, um so mehr Unterstützung brauchen sie bei ihren Aktivitäten im Schülerparlament.

Wahlrecht ab 16 – Frühe Verantwortung braucht Begleitung


Das aktive Wahlrecht für Kommunalwahlen und Landtagswahlen wird in immer mehr Bundesländern auf 16 Jahre herabgesetzt. Seit dem Frühjahr 2013 haben beispielsweise 16-jährige in Schleswig-Holstein ein Wahlrecht für die Landtagswahlen und Kommunalwahlen. Das gibt jungen Menschen frühzeitig eine Chance Demokratie, wenn auch minimal, zu gestalten. Für manche ist das frühe Wahlrecht allerdings eine problematische Herausforderung, der sie nicht ganz gewachsen sind oder möglicherweise gar nicht wahrnehmen.

Desinteresse an Demokratie und Politik der jungen Menschen geht oft einher mit einer Politikverdrossenheit der Alten. Es ist durchaus entscheidend, welche Parolen über Politiker innerfamiliär von Eltern und Großeltern oder von Lehrern in Nebensätzen formuliert werden. Manche rühmen sich damit nicht wählen zu gehen.

Erwachsene sollten ihre Vorbildfunktion wahrnehmen und – wenn möglich - für die nachfolgende Generation erkennbar zur Wahlurne gehen und wählen.

Kinder und Teenager brauchen im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Politik und Parteien in den Medien insbesondere im Vorfeld von Wahlen Gespräche, die dazu beitragen Probleme sachlicher und ausgewogener zu betrachten. Alltägliche Gespräche mit Erwachsenen über Themen der Politik sind unerlässlich, um Demokratie und Politik in das wirkliche Leben junger Menschen einzubinden. Sie müssen erleben, dass die Probleme sie etwas angehen.

Was kann sonst noch zusätzlich zum schulischen Politikunterricht geschehen?

Parlamentarische Demokratie hat ihr eigenes Prozedere. Dazu gehört die politische Debatte und das Finden von Kompromissen. Familienausflüge ebenso wie Klassenfahrten können beispielweise zu Landtagssitzungen führen, um einmal eine politische Debatte von der Zuschauertribüne zu verfolgen.

Eine besondere Aktion, um junge Menschen für Demokratie und Politik zu interessieren findet seit fünf Jahren beim „Jugend-Landtag“ NRW statt. An diesem Tag diskutieren junge Leute - „Nachwuchspolitiker“ - Anträge im sogenannten „Jugend-Landtag“. In 2013 wurde bei dieser Aktion über die Themen „Begleitetes Fahren mit 16“ sowie „Keine Fete an Feiertagen.“ debattiert. Für die Teilnahme an diesem Jugend-Landtag können sich junge Leute zwischen 15-21 Jahren bewerben. 237 von ihnen werden von den Abgeordneten für die Teilnahme ausgewählt und übernehmen für drei Tage die Rolle von Abgeordneten.

Es gibt also verschiedene Möglichkeiten auch jungen Menschen zu veranschaulichen, wo die eigene abgegebene Stimme einer Wahl bleibt.

Politische Bildung mit der Bundeszentrale für politische Bildung


Die Arbeit der Bundeszentrale für politische Bildung und deren Unterabteilungen der Länder umfasst viele Bereiche.

HanisauLand und der WAHL-O-Mat sind neben vielen anderen Angeboten zwei Beispiele für Online-Angebote der Arbeit der Zentralen für Politische Bildung.

HanisauLand ist ein Online-Angebot für 8-14-jährige Kinder und Jugendliche, das auf amüsante Weise, Politik und die demokratischen Zusammenhänge in unserer Gesellschaft erklärt. Auf der Website findet sich ein umfangreiches Politiklexikon. Kinder können Fragen zum Thema Politik und Demokratie an eine Redaktion stellen. Diese werden dann beantwortet. Ein fester Bestandteil des Online-Angebots ist eine interaktive Comicgeschichte mit Tieren als Akteure, die im sog. HanisauLand, versuchen eine Demokratie aufzubauen. Die Geschichte wird monatlich fortgeschrieben. Es kann zusätzliches Printmaterial zum Online-Angebot bestellt werden.

Ein anderes Online-Angebot der Zentralen für Politische Bildung ist der sogenannte WAHL-O-MAT. Er wird kurze Zeit vor Landtagswahlen, Bundestagswahlen und Europawahlen im Internet zur Verfügung gestellt wird. Durch gezielte Fragen, die der Nutzer des WAHL-O-MATS beantwortet, wird ihm eine Entscheidungshilfe zuteil, welcher Partei er bei der Wahl in seinem Sinne eine Stimme geben kann.

Zusätzlich zu dem Online-Angebot sind Unterrichtsmaterialien erhältlich, so dass ein vertieftes Verständnis im Schulunterricht erarbeitet werden kann. Dazu gehört auch die kritischen Gesichtspunkte im Zusammenhang mit der Nutzung eines WAHL-O-MATs zu verstehen.

Mit Wettbewerben für Demokratie und Politik aktivieren


Eine gute Möglichkeit junge Menschen für Politik und Demokratie zu interessieren, schafft die Teilnahme an Wettbewerben zum Thema Demokratie und Politik.

Die Teilnahme hat für Jugendliche und Kinder dann einen besonderen Reiz, wenn
  • neue Medien genutzt werden können,
  • die Themen aus dem persönlichen Umfeld der jungen Menschen kommen.

Der Videowettbewerb des Deutschen Bundesjugendringes "ICH MACHE > POLITIK, zoom rein" zum Thema "Freiräume für junge Menschen" ist so ein Wettbewerb. Junge Menschen zwischen dem 12. und 27. Lebensjahr sind in diesem Wettbewerb aufgefordert, zu einem Thema aus ihrem Stadtteil oder Dorf einen 2-minütigen Videoclip zu drehen und den Beitrag als Wettbewerbsbeitrag einzureichen. Es geht bei dem Wettbewerb darum, junges Denken in die Politik zu bringen.

In einer Abstimmungsphase des Wettbewerbs stimmen junge Menschen dann darüber ab, in welchem Video der beste Einfall präsentiert wurde.

Bedenkt man, dass die nachwachsende Generation rein zahlenmäßig selbst bei einer regen Wahlbeteiligung immer in der Unterzahl stehen, ist zu befürchten, dass die Themen der jungen Generation, sich in der Politik kaum wiederfinden. Das Thema des Wettbewerbs ist also mehr als berechtigt.

Nachrichten gehören zur Politik und Demokratie


Wer sich für Politik und Demokratie interessieren soll, braucht Medienkompetenz. Die Nachrichtensendungen und Talkshows der Erwachsenen sind für Schülerinnen und Schüler eher langweilig und unverständlich. Der Kinderkanal von ARD und ZDF hat ein spezielles Angebot an Nachrichten für Kinder. Diese können sowohl im Fernsehen geschaut werden als auch auf der Website im Internet verfolgt werden. Nachrichten für Kinder sind verständlicher formuliert und werden kindgerecht präsentiert. Nicht nur Fernsehen und Internet sorgen dafür, dass Kinder und Jugendliche gut informiert sind sondern auch traditionelle Medien wie die Zeitung machen Angebote in Projekten wie „Zeitung macht Schule“.

Ein spezielles Angebot mit aktuellen Nachrichten für Kinder bietet beispielsweise das SWR-Fernsehen, der SWR-Hörfunk und das SWR-Onlineangebot „Kindernetz“ (www.kindernetz.de). Dort werden Nachrichtenfilme präsentiert und Nachrichten erklärt. Die Interessen von Kindern werden speziell berücksichtigt. Nachrichten für Kinder können abonniert werden.

Ein spezielles Radioprogramm mit Reportagen und Hintergrundberichten sowie Live-Diskussionen und Radiospielen für Kinder bietet ebenfalls das Kinderprogramm kakadu.de. Kakadu bietet Reportagen und Hintergrundberichte, Live-Diskussionen und Radiospiele mit Kindern sowie Geschichten und Hörspiele für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren.

Nachrichtensendungen für Kinder gibt es zahlreich mit unterschiedlichen Möglichkeiten selbst aktiv zu werden. Kindernachrichten werden auf NDR – info sogar einmal in der Woche in Gebärdensprache gesendet, ein wichtiger Beitrag zum Gelingen von Inklusion

Kommentar: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit


Für Demokratie interessieren heißt u.a. Schülerinnen und Schüler demokratische Prozesse im Kleinen erleben zu lassen. Neben außerschulischen und familiären Aktivitäten bietet die Schule selbst viele Möglichkeiten. Wer junge Menschen für Demokratie interessieren will, sollte die Arbeit von Schülerparlamenten und der Schülervertretungen in der Schule wertschätzen und unterstützen. Die Fächer Politik, Sozialwissenschaft oder Geschichte werden in der Schule leider oft als Laberfächer abgetan, obwohl Schülerinnen und Schüler in diesen Fächern ein notwendiges Rüstzeug für Demokratie bekommen. Junge Menschen für Demokratie zu interessieren, heißt aus psychologischer Sicht, sie in Schule und Familie faire Regeln des Streits erleben zu lassen. Man muss sie darin fördern, nach guten Kompromissen zu suchen, um Probleme zu lösen und sie erfahren lassen, dass ein Kompromiss nicht gleichzusetzen ist mit einer Niederlage. Interesse für Demokratie wecken, heißt aus psychologischer Sicht auch, dass Kinder und Jugendliche die Langsamkeit demokratischer Prozesse akzeptieren lernen.

Buch- und Linktipps


Buchtipp:

Edelstein W.; Frank S. und Sliwka A. (Hrsg.): Praxisbuch Demokratiepädagogik: Sechs Bausteine für Unterrichtsgestaltung und Schulalltag. Beltz Verlag 2009.

Linktipps:

Spielerisches und informatives Online-Angebot der Bundeszentrale für Politische Bildung für Kinder und Jugendliche
http://www.hanisauLand.de/

Nachrichten für Kinder
http://www.kindernetz.de/

Radioprogramm mit Nachrichten und Hintergrundinformationen für Kinder
http://www.kakadu.de/

Website der Bundeszentrale für Politische Bildung
http://www.bpd.de/

Infos zur Arbeit eines Schülerparlaments in der Grundschule: Beispiel Almeschule in Wewer
http://gs-wewer.lspb.de/

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