Über den Autor/die Autorin

Anna Bahr

Anna Bahr hat an der Universität Leipzig ihr Germanistik- und Philosophiestudium abgeschlossen. Seit einigen Jahren arbeitet sie als freie Redakteurin. Ihre thematischen Schwerpunkte sind Kinder und Familie sowie Kunst und Kultur.

Friedrich Dürrenmatt

von Anna Bahr



© Tomasz Zajda - Fotolia.de
Zu Friedrich Dürrenmatt bekanntesten Werken zählen unter anderem „Die Physiker“ und „Der Besuch der alten Dame“. Dass Dürrenmatt aber nicht nur als Schriftsteller tätig war, wissen die wenigsten. Sein bildnerisches Schaffen war nahezu ebenso groß wie sein literarisches.

Der Schriftsteller Dürrenmatt

Humor und Tragik gehörten bei Dürrenmatt unweigerlich zusammen. Mit tiefgründiger Ironie und bissigem Sarkasmus erschaffte der Schweizer Autor so zum Beispiel die dörfliche Welt des verarmten Güllen, wohin die ehemalige Bewohnerin Claire Zachanassian zu Besuch kommt und ihre verlorenen Rechte einfordert.
Auch in der Tragikomödie „Die Physiker“ sind Witz und Dramatik eng miteinander verwoben. Bevor aber Friedrich Dürrenmatt mit diesen beiden Geschichten in den 50er Jahren zu Ruhm gelangte, widmete er sich jahrelang der Malerei.
Am 5. Januar 1921 in Konolfingen in der Schweiz als Sohn eines Pfarrers geboren, stand für Dürrenmatt schnell fest, dass er den Weg als Künstler bestreiten will. Der Vater unterstützte seinen Wunsch. Unter der Bedingung, dass sein Sohn erst sein Abitur ablegt, stellte er ihm frei, die Kunsthochschule zu besuchen. Doch Dürrenmatts Bemühungen schlugen fehl.
Angesehene Künstler seiner Zeit, lehnten seine malerischen Versuche ab. „Im Grunde lachte alles über meine Malerei. Das war eine Zeit, da ganz Bern impressionistisch malte; der Expressionismus existierte nicht“, resümierte Dürrenmatt später. Nachdem der Versuch, Kunst zu studieren, scheiterte, schrieb sich der 20-Jährige Dürrenmatt in Bern für die Fächer Philosophie, Naturwissenschaften und Germanistik ein.
Doch trotz des geisteswissenschaftlichen Studiums blieb er seiner Leidenschaft, der Malerei, treu. Während er zwei Semester in Zürich verbrachte, traf er sich immer wieder mit dem Maler Walter Jonas. Die beiden führten inspirierende Gespräche über Politik und Philosophie. Beseelt von neuen Eindrücken wagte sich Dürrenmatt an seine ersten Schreibversuche.
Dabei versuchte er sich anfangs noch in Prosa, wie in seinem ersten literarischen Werk „Weihnacht“ oder „Der Folterknecht“. 1945 wurde seine Erzählung „Der Alte“ in der Berner Tageszeitung abgedruckt. Erst in späteren Jahren wendete er sich mehr und mehr dem Drama zu.
1947 entstand Dürrenmatts erstes Bühnenstück „Es steht geschrieben“. Das Drama des 25 Jahre alten Studenten Dürrenmatt wurde im Basler Schauspielhaus aufgeführt. Zu dieser Zeit lernte er auch die junge Schauspielerin Lotti Geißler kennen. Bereits nach kurzer Zeit heirateten die beiden.

Obwohl Dürrenmatt in Interviews aus späteren Jahren immer wieder bedauerte, nicht auf die Kunsthochschule gegangen zu sein, verpflichtete er sich in den kommenden Jahren ganz der Schriftstellerei. Das Leben als Autor gestaltete sich in der ersten Zeit allerdings als große Herausforderung, immerhin musste er seine drei Kinder Peter, Barbara und Ruth sowie seine Frau versorgen. Die Familie kam irgendwie über die Runden. Dürrenmatt lieh sich Geld. Auch die Hörspiele, die er für den Rundfunk verfasste, brachten der Familie ein regelmäßiges Einkommen. Schließlich reichte das Ersparte sogar für den Kauf eines Hauses.
Aber bald schon stellten sich seine ersten großen Erfolge ein. In Deutschland stieß der Schriftsteller 1952 mit seinem Stück „Die Ehe des Herrn Mississippi“ auf große Resonanz. Bereits 1954 wurde ihm der Literaturpreis der Stadt Bern zugesprochen. Internationale Anerkennung erntete Dürrenmatt schließlich mit seinen beiden gesellschaftskritischen Komödien “Der Besuch der alten Dame” (1956) und “Die Physiker” (1961).
Auch als Drehbuchautor wurde ihm nachhaltiger Ruhm zuteil. Der deutsche Kriminalfilm „Es geschah am hellichten Tag“ mit Heinz Rühmann von 1958 wurde ein Kassenschlager. Neben diesem unterhaltsamen Genre bediente Dürrenmatt aber vor allem eine gesellschaftskritische Funktion. Belege seiner immer wieder hinterfragenden Gedanken finden sich in zahlreichen Essays, aber auch in öffentlichen Vorträgen. Bekannt ist unter anderem sein Pressetext „Ich stelle mich hinter Israel“ aus dem Jahr 1973.

1983 starb Dürrenmatts Frau Lotti Geißler. Ein Jahr später wagte sich der Künstler erneut in die Ehe mit der Schauspielerin und Filmemacherin Charlotte Kerr.

Der Maler Dürrenmatt

Bis er etwa Mitte 20 war, stand Dürrenmatt zwischen der Malerei und der Schriftstellerei. Obwohl er sich schließlich für das Schreiben entschied, malte und zeichnete er nebenbei immer weiter.
Während sein literarisches Werk einem breiten Publikum zugänglich waren, scheute sich Dürrenmatt zeitlebens, seine Bilder öffentlich zu zeigen. Nur bei vier Ausstellungen gab er seine Werke preis. Die wichtigste davon fand 1985, fünf Jahre vor seinem Tod, im Museum für Kunst und Geschichte Neuenburg statt.
Erst seine zweite Frau, Charlotte Kerrs, schaffte es nach Dürrenmatts Tod, sein Werk öffentlich bekannt zu machen.
Im Jahr 2000 wurde im schweizerischen Neuchâtel das „Centre Dürrenmatt“ eröffnet. Hier stehen rund tausend Malereien und Zeichnungen zur Schau. Seit 2014 leitet Madelaine Betschart das Centre Dürrenmatt und erklärt: "Dürrenmatt sagte, dass er in Bildern denke. Sie und die Zeichnungen hätten es ihm erlaubt, das auszudrücken, was er nicht habe aufschreiben können".
Besucher des Museums können hier einen Eindruck über die gesamte Bandbreite Dürrenmatts Malerei erhalten. Neben Illustrationen und Zeichnungen finden sich immer wieder Bilder, die in lockerem Bezug zu seinem literarischen Werk standen. Aber auch Bildergeschichten, die er für seine Kinder anfertigte, sind im Museum ausgestellt.
Am 14. Dezember 1990 starb Friedrich Dürrenmatt im Alter von 69 Jahren in Neuenburg-Neuchatel.

Quellenangabe:

» www.diogenes.ch
» www.hls-dhs-dss.ch
Brigitte Marschall: Friedrich Dürrenmatt. In: Andreas Kotte (Hrsg.):
Theaterlexikon der Schweiz. Band 1, Chronos, Zürich 2005,

Linktipp:

» www.swissinfo.ch
» www.bundesmuseen.ch

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