Über den Autor/die Autorin

Anna Bahr

Anna Bahr hat an der Universität Leipzig ihr Germanistik- und Philosophiestudium abgeschlossen. Seit einigen Jahren arbeitet sie als freie Redakteurin. Ihre thematischen Schwerpunkte sind Kinder und Familie sowie Kunst und Kultur.

Berufsberatung an allgemeinbildenden Schulen

von Anna Bahr



© kurhan – Shutterstock.com
Den Schulabschluss frisch in der Tasche beginnt für die meisten Jugendlichen die Zeit der Ausbildung oder des Studiums. Für viele beginnt jetzt aber auch die Zeit der Fragen und der Grübelei. Welcher Beruf passt zu mir? Eine frühzeitige Berufsberatung kann helfen, Schüler in ihrer Entscheidung zu bestärken.

Über 300 anerkannte Ausbildungsberufe stehen den Absolventen jedes Jahr zur Auswahl. Studienbewerber können sogar zwischen weit mehr Fächerkombinationen wählen. Trotzdem fällt es vielen Jugendlichen schwer, sich für eine Richtung zu entscheiden. 2014 führte die Vodafone-Stiftung eine Studie an allgemeinbildenden Schulen durch, bei denen Schüler in den letzten drei Schuljahren befragt wurden. Das Ergebnis zeigt, dass an den Schulen in Sachen Berufsberatung noch viel Nachholbedarf besteht. Über ein Drittel der befragten Schüler gaben an, nicht ausreichend über ihre beruflichen Möglichkeiten informiert zu sein. Über 62 Prozent der Gymnasiasten erklärten, „zu wenig über bestimmte Studiengänge zu wissen.“ Außerdem würde jedem zweiten Schüler - unabhängig von der Schulart - die Berufswahl schwer fallen.

Unterstützung aus dem Elternhaus

Sich für einen Beruf entscheiden, kann überfordern. Immerhin, so die Vorstellung der meisten, wird man in diesem Bereich sein ganzes Leben lang arbeiten. Eine erste Orientierung bietet das Elternhaus. Die Arbeit von Vater und Mutter, deren Einstellung zu ihrem Job, all das prägt Kinder und Jugendliche. Doch hier profitieren eher Kinder aus sozial stärkeren Familien. Über die Hälfte der Schüler aus allen Schultypen berichten, so die Vodafone-Stiftung, dass ihre Eltern sie intensiv unterstützen. „Eltern aus höheren gesellschaftlichen Schichten, die in der Regel auch über einen höheren Bildungsabschluss verfügen, fällt die Hilfe dabei leichter als Eltern aus sozial schwächeren Schichten bzw. Eltern mit einem einfachen Bildungsabschluss“, so die Studie weiter. Wenn die Hilfe nicht durch die Familie abgedeckt werden kann, können Schulen ihr Potential nutzen und Schüler bei der entscheidenden Frage nach dem passenden Beruf unterstützen.

Orientierung durch Berufsberatung

Anlaufstelle in Sachen Berufsberatung bietet die Agentur für Arbeit. An allgemeinbildenden Schulen informiert sie in Gesprächsrunden mit den Schülern zum Beispiel über den Ausbildungsmarkt, Grundfragen der Ausbildungs-, Berufs- und Studienwahl oder Bildungswege und Studiengänge. Schulen können sich mit der Agentur in Verbindung setzen und beratende Termine mit der Klasse vereinbaren und gegebenenfalls Schwerpunkte ausmachen. Die Workshops der Agentur für Arbeit werden meist durch das jeweils ortsgebundene Berufsinformationszentrum (BIZ) angeboten. Hier arbeiten eigens geschulte Mitarbeiter und die Jugendlichen können mit medialen Angeboten ihre beruflichen Stärken ausloten.

Auch die Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammer informieren über Ausbildungsberufe. Hilfe bietet diese vor allem für junge Menschen, die bereits in einer Ausbildung stecken, aber damit unzufrieden sind. Neben diesen kostenfreien Angeboten haben sich in den letzten Jahren zahlreiche freie Coaches oder Bewerbungstrainer ein Standbein geschaffen. Allerdings müssen Kunden für die Einzel- oder Gruppentreffen tiefer in die Tasche greifen.

Mittlerweile ist die Berufsberatung auch im Online-Zeitalter angekommen. Das Internet bietet zahlreiche Fragebogen, die nach den Stärken und Schwächen fragen und aufgrund der Ergebnisse einen Beruf vorschlagen. Der Nachteil: Es fehlt das anschließende Gespräch, die Auswertung und der Austausch mit einer realen Person, die auf ihre Lebenserfahrung zurückgreifen kann.

Frühzeitig den Blick schärfen

Doch auch Lehrer können, zusätzlich zu externen Berufsberatungen, den Blick der Schüler auf ihre eigenen Fähigkeiten stärken. Auch wenn der Lehrplan voll ist mit Stoff, der für den Abschluss gepaukt werden muss: Die Schüler sollten darauf vorbereitet werden, dass es nach der Schule weitergeht und dass ihr Abschluss der eigentliche Startschuss für ihre berufliche Zukunft ist. Lehrer können dabei ganz nebenbei helfen. So kann es beispielsweise eine Hausaufgabe sein, über die eigenen Stärken und Schwächen nachzudenken. Fragen über die eigene Person können parallel zum eigentlichen Unterricht gestellt werden. Die zusätzlichen Einschätzungen der Mitschüler sollen helfen, das Fremd- und Selbstbild zu einem ganzen Bild zu vervollständigen. Unterstützend können die Schüler Plakate anfertigen, die im Verlauf eines gesamten Schuljahres vervollständigt werden. Dabei ist es egal, welchen Abschluss die Schüler anstreben. Wichtig ist, dass die Jugendlichen ihre eigenen Stärken und Schwächen einschätzen können.

Lehrer können auch den Blick der Jugendlichen im Alltag auf ihr Umfeld schärfen. "Viele Kinder kennen die Berufswelt am Ende der zehnten Klasse nur aus dem Fernsehen. Unsere Aufgabe ist deshalb auch Horizonterweiterung", sagt Psychologe Jan Veips, der zur Berufsberatung in Schulen kommt, gegenüber dem Spiegel. Auch das kann als eine Hausaufgabe in den Schulalltag integriert werden. Die Schüler sollen einfach mal beobachten oder recherchieren: Welchen Aufgaben gehen die Mitarbeiter in einer Drogerie nach? Was muss eine Krankenschwester den ganzen Tag leisten? Wann und wie oft proben Schauspieler am Theater? Arbeiten Lehrer kontinuierlich an der Fokussierung der Schüler an dem Thema Berufsfindung, bekommen die Schüler einen Blick für ihre wirklichen Interessen. Damit fällt nicht nur die Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium leichter, auch die Motivation, für den Schulabschluss zu pauken, steigt.

Linktipps

Ausbildungsberufe im Überblick:
» http://www.azubiyo.de/berufe/
Studiengänge im Überblick:
» https://studieren.de/studiengangsliste.0.html

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