Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

Drogen und Pubertät

von Ulrike Lindner



© Creativa - Fotolia.de
Auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenen probieren sich Jugendliche aus. Dieses Phänomen ist nicht neu, schon vor tausend und mehr Jahren klagten Erziehungsberechtigte über dieses Verhalten. So heißt es auf einer sumerischen Tontafel, die etwa auf das Jahr 3000 vor Christus datiert wurde: „Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte.“

Während schlechte Manieren und andere Begleiterscheinungen des Erwachsenwerdens aber nicht bedrohlich, sondern lediglich irritierend sind, kann der Konsum von Drogen, der für viele Jugendliche in der Pubertät ebenfalls als normal gilt, schnell gefährlich werden. Zu den beliebtesten Drogen der heutigen Zeit gehören Alkohol und Tabak, ebenso wie „harte“ Drogen wie Cannabis, Crystal Meth und Ecstasy.

Alarmierend viel Alkohol


Der Drogenbericht der Bundesregierung für das Jahr 2014 belegt, dass vor allem Alkohol in der Pubertät in größeren Mengen konsumiert wird: Gut 15 Prozent der Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren zeigen demnach einen „riskanten Konsum“, immerhin 11,6 Prozent betrinken sich mindestens einmal im Monat. Im Jahr 2012 landeten insgesamt 26.673 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen zehn und 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus.

Im Gegensatz dazu sinkt die Zahl der jugendlichen Raucher seit Jahren. Rauchten noch 2001 mehr als ein Viertel aller Jugendlichen (27,5 Prozent), waren es 2012 nur noch 12 Prozent.

Crystal Meth ist beliebt


Sorgen bereitet vielen Experten der Konsum von Drogen wie Crystal Meth bei Jugendlichen. Vor allen entlang der tschechischen Grenze, wo der Stoff viel angeboten wird, greifen auch viele Jüngere zur Droge. Der Stoff soll leistungssteigernd wirken und ist deshalb speziell bei Schülern beliebt. Besonders problematisch: Crystal macht sehr schnell abhängig, ist im Vergleich zu Kokain günstig und wirkt viel stärker als Speed.

Was Eltern tun können


Eltern, die sich verständlicherweise Sorgen machen, wenn sie Drogenkonsum vermuten, sollten nicht allzu sehr auf Verbote vertrauen, um ihre Kinder vom Konsum abzuhalten. Für sinnvoller halten Erziehungsexperten das offene Gespräch und das eigene gute Vorbild. Außerdem gilt: Wer sich klar macht, dass ein gewisses Ausprobieren in der Pubertät nicht ungewöhnlich ist, kann im Ernstfall verständnisvoller und gelassener reagieren.

Riechen die Kleider also nach Tabak, nachdem Sohn oder Tochter den Abend außer Haus verbracht hat, sollten Eltern nicht gleich losmeckern, sondern lieber einmal in einem ruhigen Moment nachfragen, was am Abend los war. Auch der erste Rausch, so erschreckend er sein mag, muss nicht gleich zur Katastrophe ausarten. Viele Jugendliche lassen nach einer solchen Erfahrung sogar von selbst die Finger vom Alkohol.

Das heißt nicht, dass Eltern alles gut finden müssen, was der Nachwuchs treibt. Im Gegenteil: Mutter und Vater sind aufgefordert Stellung zu beziehen und Nachteile und gesundheitliche Gefahren von Drogen in der Pubertät klar zu thematisieren. Allerdings im ruhigen Gespräch, nicht in der Konfrontation. Wichtig ist der klare Standpunkt, der im Gespräch vermittelt wird. Sobald Eltern ihr Kind mit Drogen erwischen, sollten sie dieses Gespräch einfordern. Nicht als Ankläger, sondern zunächst einmal, um zu verstehen, warum Sohn oder Tochter zur Zigarette, Flasche oder zum Joint gegriffen haben.

Darüber hinaus können Eltern:
  • Hinsehen und erste Drogenerfahrungen nicht einfach unter den Tisch fallen lassen. Gerade in der Pubertät, wenn sich das Gehirn umstrukturiert, können Drogen wie Cannabis bleibende Schäden anrichten.
  • Für Kinder da sein und sie emotional unterstützen, wenn es während der Pubertät zu schwierigen Situationen, zu Frust und Enttäuschungen kommt.
  • Kindern helfen ein gutes Selbstwertgefühl zu entwickeln, z.B. durch das Unterstützen von Hobbys und Freundschaften.
  • Darauf achten, dass der Leistungsdruck in der Schule nicht zu hoch wird.
  • Im Krisenfall, z.B. bei Scheidungen oder anderen schwierigen Situationen in der Familie, rechtzeitig externe Hilfe suchen.
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