Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

Was machen eigentlich Schulpsychologen?

von Ulrike Lindner



© Photographee.eu - Fotolia.de
Maja mag nicht mehr zur Schule gehen, Jonas kann sich nicht konzentrieren und Lisa und Svenja haben sich gestern so sehr gestritten, dass sie sich sogar geprügelt haben. Wenn Eltern, Klassenlehrer und auch weitere Beteiligte ratlos sind, weil Kinder in Krisen geraten oder sich auffällig verhalten, wird seitens der Klassenlehrkraft oft ein Besuch beim Schulpsychologen vorgeschlagen.
Aber was gehört eigentlich konkret zum Aufgabenbereich eines Schulpsychologen?

Breites Tätigkeitsspektrum

Ganz allgemein lässt sich sagen, dass Schulpsychologen mit allen Akteuren zusammenar-beiten, die an der Schule tätig sind. An erster Stelle stehen dabei natürlich die Schülerinnen und Schüler, aber auch Eltern und Lehrerinnen und Lehrer sowie Schulleitungen werden beraten. Außerdem arbeiten die Fachkräfte mit verschiedenen Gremien, Qualitätszirkeln und Arbeitskreisen zusammen, sind an der Qualitätssicherung in den Schulen beteiligt, führen Fortbildungen und Angebote für Schulklassen oder das Kol-legium durch, bieten Einzel- und Teamberatung sowie Supervision und Coaching und bilden Beratungslehrkräfte aus.

Schulpsychologen arbeiten sowohl mit Gruppen, als auch mit Einzelpersonen. Thematisch geht es dabei um die ganze Bandbreite der Schul- und Entwicklungsprobleme.

In der Einzelberatung für Schüler und deren Familien gehören dazu zum Beispiel:
  • Lern- und Leistungsschwierigkeiten
  • Fragen zur Schullaufbahn
  • Umgang mit schwierigen Situationen wie Mobbing
  • emotionale Belastungen und Ängste
  • Förderung individueller Begabungen
  • Beratung und Förderdiagnostik im Rahmen der inklusiven Schule
  • Stärkung der Selbstwirksamkeit und Sozialkompetenz

In der Beratung und Betreuung von Schulleitungen, Lehrkräften und Kollegien stehen wieder andere Themen auf dem Plan, unter anderem:

  • Teamentwicklung
  • Konfliktbearbeitung
  • Beratung in sozial-schwierigen Klassensituationen
  • Gesundheitsförderung
  • Unterstützung in Krisen
  • Förderung der Methodenkompetenz
  • Weiterentwicklung der beruflichen Kompetenzen und der Persönlichkeit


In der Regel sind Schulpsychologen nicht für eine einzelne Schule tätig, sondern betreuen mehrere Schulen bzw. eine ganze Region. Oft sind sie über die schulpsy-chologischen Beratungsstellen erreichbar. Bis heute ist eine oft geforderte, flächendeckende Versorgung leider nicht realisiert oder zu wenige Schulpsychologen sind für zu viele Kinder zuständig – bis zu 20.000 pro Schulpsychologe waren es laut einer Erhebung aus dem Jahr 2008 etwa in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Eltern und Schüler dürfen sich direkt an die Schulpsychologen wenden, eine „Überweisung“ durch die Klassenlehrkraft ist nicht notwendig. Oft empfiehlt jedoch die Klassenlehrerin bzw. der Klassenlehrer einen Termin beim Schulpsychologen, wenn im Unterricht Schwierigkeiten sichtbar werden. Übrigens sind nicht alle Schulpsychologen gleichzeitig auch Lehrer, nur in Bayern ist das bis heute überwiegend der Fall.

Grundsätze der schulpsychologischen Beratung

Egal in welchem Bundesland, die schulpsychologische Beratung folgt grundsätzlich in ganz Deutschland den gleichen Prinzipien:

  • Die Beratung ist kostenlos
  • Die Beratung ist für die Ratsuchenden freiwillig, d.h. dass ein Besuch beim Schulpsychologen seitens der Schule immer nur empfohlen, aber nicht angeordnet wer-den kann
  • Strenge Vertraulichkeit ist gewährt, da die Schulpsychologen einer gesetzlich geschützten Schweigepflicht unterliegen
  • Eltern, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Schulleitung haben freien und direkten Zugang zur schulpsychologischen Beratung
  • Schulpsychologen sind unabhängig von Weisungen, so dass sie eine neutrale Position einnehmen können.

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