Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

Walzer, Tango, Rumba - Tanzunterricht ist immer noch im Trend

von Ulrike Lindner



© 2kphoto - Fotolia.de
Zum Beginn des Abschlussballs überreicht jeder Herr seiner Dame eine Rose, selbstverständlich begleitet von einem formvollendeten Diener. Danach stellen die jungen Damen "ihre" Herren den Eltern vor und umgekehrt, bevor das Paar den ersten Tanz des Abends beginnt.


Maximilian ist 14 Jahre alt, seine Tanzpartnerin Lisa hat vor Kurzem den 15. Geburtstag gefeiert. Beide haben gerade ihren ersten Tanzkurs beendet - und liegen damit durchaus im Trend. Tanzkurse erfreuen sich bei vielen Jugendlichen nach wie vor großer Beliebtheit, auch wenn die absoluten Teilnehmerzahlen aus demografischen Gründen leicht rückgängig sind.

Der Abschlussball, zu dem auch die Eltern eingeladen sind ("bitte in Abendgarderobe"), stellt den Höhepunkt des zehnwöchigen Anfängerkurses dar. Danach geht es weiter - Maximilian und Lisa haben Lust am Paartanzen gefunden, auch wenn der formelle Umgang mit Knicksen und Verbeugen von ihrem Alltag mit Smartphone und WhatsApp Nachrichten kaum weiter entfernt sein könnte. Was nicht nur bei den beiden, sondern auch bei vielen Gleichaltrigen gut ankommt, ist die Kombination aus klassischen Tänzen wie Walzer, Tango oder Rumba mit aktuellen Tänzen wie Discofox und Disco-Samba.

Tanzkurse sind auch Benimmkurse

Obwohl der Tanzkurs heute nicht mehr überall so selbstverständlich wie früher zum Erwachsenwerden dazu gehört, ist das Interesse immer noch groß. Wie eh und je beginnen die meisten im Alter von 14 oder 15 Jahren mit dem ersten Tanzkurs, oft in ganzen Klassenverbänden. Viele Eltern freuen sich, wenn Tochter oder Sohn Lust auf die Tanzschule zeigen - neben dem Erlernen der eigentlichen Tanzbewegungen und dem Abbau von Berührungsängsten gegenüber dem anderen Geschlecht gelten Tanzschulen heute mehr denn je als gute Möglichkeit, um die Umgangsformen der jugendlichen Teilnehmer zu polieren.

Viele Einrichtungen unterstützen diese Nachfrage und bieten parallel zu den Tanzkursen für Jugendliche auch "Umgangsformen-Seminare" oder ähnliches an, oft sogar als kostenlosen Zusatzservice. Vermittelt werden darin neben Diener und Knicks auch so genannte "Soft Skills", die außerhalb der Tanzschule wichtig sein können, etwa wie man eine Vier-Gänge-Menü isst oder sich beim Bewerbungstraining richtig benimmt. Kurz vor dem Abschlussball finden an einigen Schulen zusätzlich Schönheitsberatungs-Abende statt. Die 14- bis 19-jährigen bekommen dabei zum Beispiel von einer Kosmetikerin und Friseurin Tipps in Sachen Styling und Kosmetik.

Spaß muss auch sein

Für die jugendlichen Teilnehmer steht dagegen auch der Unterhaltungs-Effekt im Vordergrund. Steife Tanzkurse wie zu Opas Zeiten kommen heute nicht mehr gut an. Das sieht man schon am Dresscode während einer normalen Tanzstunde, zu der die meisten Teilnehmer in Turnschuhen antreten. Gerade bei den Jüngeren, die noch keine Clubs besuchen können, sind auch die lockeren Disco-Abende beliebt, die viele Schulen an den Wochenende anbieten. Nicht jeder, der zur Tanzschule geht, lernt dort Paartänze. Im Trend bei Kindern und Jugendlichen sind nicht zuletzt HipHop, Starmoves oder Dance4Fans. In verschiedenen Altersgruppen lernen die Teilnehmer dabei angesagte HipHop-Moves oder tanzen die Choreographien ihrer Popstar-Idole Schritt für Schritt nach.

Die meisten der etwa 800 deutschen Tanzschulen sind im Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV) organisiert. Mit weltweit mehr als 2.600 Mitgliedern stellt der Verband die größte Vereinigung seiner Art in ganz Deutschland dar. Diese Qualität hat allerdings auch ihren Preis - ein Anfängerkurs über 10 Unterrichtsstunden kostet etwa 110 Euro. Vom Taschengeld kann das kaum ein Jugendlicher finanzieren, gut, wenn die Eltern auch vom Sinn eines Tanzkurses überzeugt sind und sich an den Kosten beteiligen. Und das ist immer noch vielerorts der Fall. Die ADTV-Präsidentin, Cornelia Willius-Senzer, sieht ihren Verband so auch nach wie vor im Trend: "ADTV-Tanzschulen sind durch ihre ausgebildeten Fachkräfte mehr denn je gefragt! Das Ziel, die Freude am Tanzen zu wecken, wird durch fachgerechtes Lehren und Lernen erreicht."

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