Über den Autor/die Autorin

Dr. Birgit Ebbert

Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und Lernbegleiterin und seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Als Diplom-Pädagogin und Lerntherapeutin unterrichtet sie Schüler in ihren Lerncentern Die Lernbegleiter und als Autorin schreibt sie vom Krimi bis zum Elternratgeber alles, was ihr Spaß macht und wichtig erscheint.

Zum 85. Geburtstag von Anne Frank

von Dr. Birgit Ebbert



© tauav - Fotolia.de

Anne Frank - ein kurzes Leben mit langer Wirkkraft


Neben der Bibel ist das Tagebuch der Anne Frank das Buch, das in den meisten Sprachen und am häufigsten veröffentlicht wurde. Mehrere Schülergenerationen haben sich in ihrer Jugend oder Schulzeit mit dem Buch befasst und das, obwohl die Autorin die Veröffentlichung selbst nie erlebt hat.

Anne Frank steht natürlich für sich als junge deutsche Jüdin in den Niederlanden, sie steht aber auch für alle jüdischen Opfer der Nationalsozialisten. Das Tagebuch, das sie vor allem im "Hinterhaus" geschrieben hat, wo sie mit ihrer Familie und Bekannten untergetaucht ist, gibt sowohl die Situation der Untergetauchten, als auch die Ausweitung des Nazi-Systems wieder. Genau das war es, was sie sich im Versteck erträumt hat, das lässt sich im Tagebuch nachlesen.

Da Anne Frank in Amsterdam untergetaucht ist und durch das Museum, das sich dort befindet, wird das Mädchen häufig als Niederländerin angesehen. Dabei ist sie in Deutschland geboren und hat die ersten Lebensjahre in Frankfurt verbracht, ehe sie aufgrund der zunehmenden Judenverfolgung mit ihren Eltern emigrieren musste. Kapitel 2 beleuchtet ihr Leben zwischen Frankfurt, wo sie am 12. Juni 1929 geboren ist, und dem Konzentrationslager Bergen-Belsen, wo sie im März 1945, wenige Wochen vor der Befreiung des Lagers, starb.

Auf vielfältige Weise wird heute an Anne Frank gedacht, in diesem Jahr, in dem sie 85 geworden wäre, und auch im nächsten Jahr, wenn sich ihr Todestag zum 70sten Mal jährt. Aber auch unabhängig von den Gedenktagen, erinnern, wie Kapitel 4 zeigt, Ausstellungen, Filme, Theaterinszenierungen und nicht zuletzt die vielen Schulen und Institutionen, die ihren Namen tragen, an das junge Mädchen, das davon träumte, Schriftstellerin zu werden und nie erlebt hat, welchen Erfolg ihr Buch auf der ganzen Welt erzielt.

Das Leben der Anne Frank zwischen Frankfurt und Bergen-Belsen


Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren, sie war das zweite Kind von Edith und Otto Frank, die beide aus wohlhabenden und einflussreichen jüdischen Familien stammten. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten änderte sich das Leben der Familie drastisch, die Anerkennung und der Wohlstand, den sie bis dahin genießen konnten, schwanden immer mehr, im Gegenzug wuchsen die Repressalien, sodass sich die Eltern im Sommer 1933 entschieden, in die Niederlande zu emigrieren. Otto Frank übernahm dort die Leitung der niederländischen Filiale des Opteka-Werkes und baute für seine Frau und die Kinder eine Existenz auf. In den ersten Jahren ging es den Franks in Amsterdam relativ gut, auch wenn man mit Sorge nach Deutschland schaute, wo die Beschränkungen für Juden immer besorgniserregender wurden.

Als die Nationalsozialisten 1941 sich auch in den Niederlanden ausbreiteten, begann Otto Frank mit den Vorbereitungen für ein Versteck. Inzwischen konnte Anne Frank nicht mehr die öffentliche Schule besuchen, sie musste auf das jüdische Lyzeum wechseln und bekam die Einschränkungen für Juden täglich stärker mit. Als Annes Schwester Margot am 5. Juli 1942 den Aufruf erhielt, sich zum Arbeitsdienst zu melden, beschlossen die Eltern, in dem vorbereiteten Versteck unterzutauchen.

Ab dem 6. Juli 1942 leben Anne, Margot und ihre Eltern im Hinterhaus der Firma Opekta in der Prinsengracht 263 in Amsterdam. Eine Woche später kam die Familie Pels hinzu und am 16. November Fritz Pfeffer. Anne hatte ihr Tagebuch, das sie zum 13ten Geburtstag am 12. Juni 1942 bekommen hat, mit ins Versteck genommen. Sie schilderte ihr Leben in den 25 Monaten, die sie in dem Haus verbrachte. In der Zeit darf sie nicht auf die Straße, allenfalls abends durch ein Dachfenster schauen und in den Firmenräumen herumlaufen. Tagsüber musste sie sich wie alle aus ihrem Versteck still verhalten, um die Mitarbeiter der Opekta nicht auf sich aufmerksam zu machen. Das Tor zur Außenwelt bildeten einige Mitarbeiter der Firma Opekta.

Am 4. August 1944 wurden die Untergetauchten verhaftet und am 8. August in das Durchgangslager Westerbork gebracht, wo sie knapp vier Wochen auf den Weitertransport warten. Dieser erfolgte am 3. September 1944 in Richtung Auschwitz. Nach einer dreitägigen Fahrt in einem Güterwagen erreichte Anne Frank am 6. September mit ihren Eltern Auschwitz. Sofort wurden die Frauen von Otto Frank getrennt. Ende Oktober verloren die beiden Mädchen auch den Kontakt zu ihrer Mutter, als sie nach Bergen-Belsen deportiert wurden, wo Anne Frank wenige Tage nach ihrer Schwester Margot vermutlich Anfang März starb. Ihre Mutter starb am 6. Januar 1945 in Auschwitz, nur ihr Vater Otto Frank überlebte den Holocaust.

Zum Tagebuch der Anne Frank


Gäbe es ihr Tagebuch nicht, würde sich niemand an Anne Frank erinnern, dann wäre sie eines der über fünf Millionen jüdischen Opfer des nationalsozialistischen Regimes. Nur einem Zufall und dem Mut von Miep Gies ist es zu verdanken, dass wir das Tagebuch heute lesen können. Als die Familie Frank verhaftet wurde, suchte einer der SS-Männer, die in das Versteck eindrangen, nach einer Tasche, in der er Schmuck und Wertgegenstände transportieren konnte. Er ergriff die Aktentasche, in der Anne Frank ihr Tagebuch aufbewahrte, leerte die Tasche aus und beachtete die Hefte und Zettel nicht, die auf den Boden fielen. Dort blieben das Tagebuch und die Notizen liegen, bis die Familie Frank und ihre Gefährten weggeschafft worden waren. Danach wagte sich Miep Gies in das Versteck, um zu sehen, ob etwas von der Habe ihrer untergetauchten Freunde zu retten war. Sie fand das Tagebuch auf dem Boden und nahm es an sich, obwohl sie wusste, dass das verboten war. Als Otto Frank nach dem Krieg zurückkehrte und ihr von dem Tod seiner Frau und den Mädchen berichtete, übergab Miep Gies ihm das Tagebuch.

Otto Frank las das Tagebuch und versuchte einen Verlag zu finden, was nicht leicht war. 1947 erschienen Auszüge zunächst in einer Zeitschrift und dann wurde das Tagebuch in einer Auflage von 1.000 Exemplaren veröffentlicht. Parallel übersetzte Otto Frank das Buch für seine Familie in der Schweiz, die das in niederländischer Sprache geführte Tagebuch sonst nicht lesen kann. Dabei ließ er einige Ausführungen Annes weg, die ihm zu persönlich erschienen, was ihm später u. a. den Vorwurf der Fälschung einbrachte. Inzwischen wurde die Echtheit mehrfach bestätigt.

Der große Erfolg des Tagebuchs begann mit der ersten deutschen Übersetzung, die 1950 im S. Fischer Verlag erschien. Diese Ausgabe war übersetzt von Anneliese Schütz, sie wurde 1986 abgelöst durch eine Übersetzung von Mirjam Pressler, die auch viele andere Bücher über Anne Frank aus dem Niederländischen übertragen und selbst eine Biografie über Anne Frank geschrieben hat. 2013 hat der S. Fischer Verlag in Zusammenarbeit mit dem Anne Frank-Fonds, der über die Rechte des Tagebuches verfügt, eine Gesamtausgabe aller Varianten des Tagebuchs und aller heute bekannten Texte von Anne Frank herausgegeben.

Erinnerungen an Anne Frank


Anne Frank gehört sicher zu den Menschen, die fest in der kollektiven Erinnerung verankert sind. Es gibt kaum eine Stadt, die nicht eine Straße, einen Platz oder eine Institution nach ihr benannt hat und auf diese Weise dafür sorgt, dass der Name immer wieder ins Gedächtnis gerufen wird.

Darüber hinaus sorgen Institutionen wie der Anne Frank-Fonds in Basel, das Anne Frank-Haus in Amsterdam, ein Anne Frank-Zentrum in Berlin und das 2013 gegründete Familie Frank-Zentrum in Frankfurt, dass die Geschichte in Erinnerung bleibt. Das Anne Frank-Zentrum ermöglicht auch online einen Besuch des Hinterhauses, in dem Anne 25 Monate ihres Lebens verbrachte und viele andere Internetseiten und Projekte gehen auf das Tagebuch und ihr Leben ein.

2013/2014 forderte die Deutsche Post zum Beispiel Schüler in einem Wettbewerb auf, Anne Frank zu schreiben, 2014 ermutigt die Gedenkstätte Bergen-Belsen junge Menschen, in sozialen Netzwerken zu erklären, was Anne Frank ihnen heute bedeutet. Seit März 2012 ist außerdem die Wanderausstellung "Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte" in Deutschland unterwegs. Sie kann von Kommunen, Schulen und Institutionen angefordert werden und ist mit einem Begleitprogramm verbunden, das über die Ausstellung hinaus dazu einlädt, sich mit Anne Frank und dem Tagebuch zu beschäftigen.

Auch auf der Bühne ist Anne Frank präsent. Die erste Aufführung des Theaterstücks "The Diary of Anne Frank" von Frances Good und Albert Hackett gab es im Oktober 1955, eine Aufführung in deutscher Übersetzung folgte ein Jahr später. Seither sind Anne Frank und das Tagebuch in dieser Bühnenform oder auch anderen Versionen nahezu täglich auf irgendeiner Bühne zu sehen.

In einer von Medien bestimmten Zeit werden natürlich auch Medien eingesetzt, um die Erinnerung hochzuhalten. Eine CD-ROM vermittelt einen Eindruck vom Leben im Hinterhaus, auch in Bezug zu den historischen Daten. Mehrere Kino- und Dokumentationsfilme sowie die Bearbeitung als Comic sorgen dafür, dass jede Generation die Botschaft Anne Franks in ihrem Medium wiederfindet. Auf diese Weise gelingt es, jungen Menschen in jeder Zeit einen Zugang zu Anne Frank, ihrem Leben, ihren Ideen und ihrem Vermächtnis, dem Tagebuch, zu verschaffen, das mehr ist als das Tagebuch eines Mädchens, nämlich Spiegel einer Zeit und eines Regimes, das die Welt in ihren Grundfesten erschüttert hat.

Link- und Buchtipps


Links

Anne Frank Haus in Amsterdam
www.annefrank.org

Der Anne Frank-Fonds in Basel mit Informationen über Leben und Tagebuch von Anne Frank
www.annefrank.ch

Das Anne Frank-Zentrum in Berlin
www.annefrank.de

Das Familie Frank Zentrum in Frankfurt, das einen Einblick in die Herkunft von Anne Frank gibt
www.familie-frank-zentrum.de

Die Biographie Anne Franks im Überblick
www.dhm.de

Unterrichtsmaterialien zu Anne Frank und ihrem Tagebuch
www.lernen-aus-der-geschichte.de

Erzählungen von weiteren 23 Juden, die in der NS-Zeit in den Niederlanden untergetaucht waren
www.verstecktwieannefrank.de

Interaktiver Comic über Anne Frank und das Tagebuch
annefrank.arte.tv

Anne Frank-Projekt der Gedenkstätte Bergen-Belsen, dem Konzentrationslager, in dem Anne Frank starb
annefrank2014.bergen-belsen.de

Internetseite über eine Künstlerin, die sich in Bildern und Aktionen mit Anne Frank beschäftigt
www.geschichtsunterricht-online.de

Information über Anne Frank für Kinder
www.labbe.de/zzzebra

Literatur

Theo Coster: In einer Klasse mit Anne Frank. Herbig 2011

Anne Frank: Gesamtausgabe. Tagebücher. Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus. Erzählungen. Briefe. Fotos und Dokumente. S. Fischer 2013

Anne Frank: Das Tagebuch. Fischer Taschenbuch 2013 19. Auflage

Anne Frank: Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus. Fischer Taschenbuch 2005 2. Auflage

Miep Gies: Meine Zeit mit Anne Frank. Scherz 1989

Matthias Heyl: Anne Frank. Rowohlt 2002

Willy Lindwer: Anne Frank. Die letzten sieben Monate. Augenzeuginnen berichten. Fischer Taschenbuch 1993

Jaqueline van Maarsen: Ich heiße Anne, sagte sie, Anne Frank. Fischer Taschenbuch 2005

Melissa Müller: Das Mädchen Anne Frank. List Taschenbuch Verlag 2000

Josephine Poole u. a.: Anne Frank. Bilderbuch. Arena 2005

Mirjam Pressler: Ich sehne mich so. Die Lebensgeschichte der Anne Frank. Beltz & Gelberg 2011

Marion Siems: Erläuterungen und Dokumente zum Tagebuch der Anne Frank. Reclam 2003

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