Über den Autor/die Autorin

Dr. Birgit Ebbert

Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und Lernbegleiterin und seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Als Diplom-Pädagogin und Lerntherapeutin unterrichtet sie Schüler in ihren Lerncentern Die Lernbegleiter und als Autorin schreibt sie vom Krimi bis zum Elternratgeber alles, was ihr Spaß macht und wichtig erscheint.

Wenn Kinder bloggen

von Dr. Birgit Ebbert



© junpinzon - Fotolia.de

Weblogs als Kommunikationsmedium unserer Zeit


Während in den Anfangsjahren des World Wide Web eine Internetseite noch Spezialknowhow und Geld verlangte, ist es heute mit Baukästen und frei zugänglichen Plattformen leicht möglich, eine eigene Präsentation ins Internet zu stellen. Besonders beliebt und millionenfach verbreitet sind dabei Blogs bzw. Weblogs, wie die korrekte Bezeichnung lautet. Der Name setzt sich zusammen aus Web für Internet und Log als Abkürzung von Logbuch. Das lässt bereits erahnen, dass Blogs ursprünglich als Tagebuch Einzelner gesehen wurden. Inzwischen gibt es kaum noch ein größeres Unternehmen, das keinen Blog auf seiner Seite hat, und weltweit, so sagen Statistiken, gab es 2011 über 170 Millionen Blogs. Genaue Zahlen lassen sich kaum ermitteln, weil ein Blog schnell erstellt ist und dann oft nicht gepflegt wird, aber auf den Plattformen natürlich als Blog gezählt wird. Aber wer im Internet nach einem Thema sucht, stößt unweigerlich auf einen passenden Blog. 8 % der Internetnutzer, so stellte die Online-Studie von ARD und ZDF fest, besuchen mindestens einmal wöchentlich Blogseiten, das sind etwa genauso viele wie Fotocommunities nutzen oder an Online-Versteigerungen teilnehmen.

Kein Wunder, dass auch Kinder neugierig werden und es schon die ersten Blogs von Kindern und Blogprojekte mit Kindern gab, einige davon werden in Kapitel zwei vorgestellt. Nun könnte man sich fragen, ob es wirklich nötig ist, dass Kinder lernen zu bloggen. In jedem Fall sollten sie das Medium kennen, zum einen, um wahrzunehmen, dass in diesen Blogs die Meinungen und Sichtweisen eines einzelnen Bloggers, eines Unternehmens oder einer Gruppe von Bloggern dargestellt wird und diese wie alle Medieninhalte reflektiert und auf den Wahrheitsgehalt geprüft werden sollten, ehe sie für bare Münze genommen werden. Das ist eine medienpädagogische Aufgabe, die im Internetzeitalter wichtiger geworden ist, aber letztlich immer virulent war, denn auch Berichte in Zeitung, Fernsehen, Rundfunk oder auf Seiten von professionellen Webportalen stellen eine Auswahl dessen, was geschehen ist, dar.

Vor allem aber sollten Kinder Blogs als Instrument der Partizipation kennenlernen. Blogs erlauben auch Einzelpersonen oder Special-Interest-Gruppen ihre Meinungen darzulegen und ihre Informationen und Erfahrungen zu veröffentlichen, das gilt für Gruppen mit einem speziellen Hobby ebenso wie Menschen mit einer seltenen Krankheit, einem ungewöhnlichen Forschungsschwerpunkt oder einer Altersgruppe, die sich von den anderen Medien vernachlässigt fühlt. Kinder können hier ihre Sicht der Welt darlegen. Noch sind Kinderblogs eher selten, einige davon lernen Sie in Kapitel 2 kennen. Allerdings haben auch Erwachsene dieses Medium erst langsam für sich entdeckt, weltweit hat sich die Anzahl der Blogs von 2006 bis 2011 verfünffacht. Wenn vor 10 Jahren der fehlende Zugriff auf E-Mail und Internet ein Hindernis für das Bloggen von Kindern war, so hat sich das durch die Smartphones grundlegend geändert. Schon heute haben viele Kinder und Jugendlichen ihren eigenen YouTube-Channel und finden Wege, ihre Ansichten, Erlebnisse und Erfahrungen kundzutun - in einem Vlog, der Bezeichnung für einen Videoblog, oder auch einem Podcast, einem Audiobeitrag. In diesem Beitrag stehen allerdings Blogs als Möglichkeit, seinen Alltag, seine Erfahrungen und auch seine besonderen Fähigkeiten einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren, im Vordergrund. In Kapitel 3 geht es um das Bloggen mit Kindern, da gab es schon vor zehn Jahren erste Projekte und heute gibt es bereits erste Schulen, die auf ihrer Website in einem Kinderblog die Schüler zu Wort kommen lassen.

Den Abschluss bildet eine Sammlung von Links, in denen sich Kinderblogs ebenso finden wie die Reflektionen von Eltern und Pädagogen über ihre Begleitung von Kinderbloggern.

Wie, wo und warum Kinder zu Hause bloggen


Die Anzahl der Blogs, in denen Kinder zu Hause bloggen, ist derzeit noch überschaubar, es gibt keinen Katalog, der die Blogs nach Autoren auflistet, sodass man sich durch viele Seiten surfen muss, um Beispiele zu finden. Da ist zum Beispiel Jompa (jompablogger.wordpress.com), der einige Monate aus seinem Alltag und vor allem über seinen Kater Church gebloggt hat. Sein Vater ist selbst eifriger Blogger, der darüber schreibt, was und wie man spinnt, sich austauscht, denkt und lacht. Er hat sich einige Gedanken gemacht, ob er für und mit seinem neunjährigen Sohn einen Blog einrichten soll, und diese auch als Denkanregung für andere Eltern festgehalten. Letztlich hat er sich dafür entschieden, seinem Sohn dieses Lernfeld zu eröffnen, weil Jompa hier ganz praktisch den Umgang mit Medien am Objekt übt und nicht nur theoretisch. Er muss, begleitet von seinem Vater, darüber nachdenken, was andere im Netz über ihn erfahren dürfen und was nicht. Ganz nebenbei übt er an einer sinnvollen Aufgabe, Texte zu schreiben, entdeckt die Struktur von spannenden Texten und macht sich Gedanken über Grammatik und Rechtschreibung.

Auch Mirjam (http://mirjammarx.twoday.net/) hatte von sich aus den Wunsch zu bloggen, nachdem sie mitbekommen hat, dass der beste Freund ihres Vaters Blogger ist. Bei einem Besuch durfte sie einen eigenen Beitrag schreiben und wollte danach ihren eigenen Blog haben. Eine Zeitlang hat sie über ihre Sicht der Welt geschrieben, bis das Interesse erlahmte.

Noch immer aktiv ist dagegen Janis, der jedoch keinen eigenen Blog hat, sondern in dem Blog seiner Eltern berichtet, was er erlebt. Ausgangspunkt war eine große Europareise der Familie, über die Janis‘ Eltern in einem Blog schreiben. Das brachte den Jungen auf die Idee, seine Sicht darzulegen und zu bloggen. So ist in dem Blog www.family4travel.de die Rubrik „Janis erzählt euch was“ entstanden.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass Kinder mit ihren Eltern bloggen findet sich auch in dem Blog Nordisch blau (www.nordischblau.de) über eine Familie, die einige Zeit in Finnland verbringt; im Kinderblog schreiben die Kinder über ihre Erlebnisse und Erfahrungen.
Diese Blogs sind Beispiele, die das Spektrum der Thematik gut abdecken, sie zeigen das Interesse der Kinder an einer Plattform, ihre Sicht eines Ereignisses zu beschreiben. Allerdings wird auch deutlich, dass vor allem die Kinderblogs länger geführt werden, die begleitet werden und bei denen eine Brücke in die Erwachsenenwelt besteht.

Blogprojekte mit Kindern in Schulen und Institutionen


Die Kinderblogs haben gezeigt, dass diese vor allem dann stabil sind, wenn sie einen Bezug zur Erwachsenwelt haben. Dieses deckt sich mit den Erfahrungen, die eine Referendarin mit ihrem Kinderblog einer Schule gemacht hat. Zusammen mit einer ehrenamtlich tätigen Mutter hat sie während des Referendariats einen Kinderblog als Arbeitsgemeinschaft einer Grundschule gefüllt. Sie konstatiert rückblickend, dass die Schüler anfangs großes Interesse hatten, dass aber nur wenige von sich aus dabei geblieben wären und das Projekt eingeschlafen ist, als sie selbst nach Ende des Referendariats die Schule wechseln musste.

Ähnliche Erfahrungen zeigten sich auch in zwei Projekten mit Kinderblogs, die schon vor über zehn Jahren begonnen wurde. Damals stellte das Wiener Kindermuseum Zoom hat mit „Zoomblox“ eine Blogplattform zur Verfügung, über die Kinder ihre eigenen Blogs veröffentlichen konnten. Konzipiert war Zoomblox als freie Plattform, allerdings gab es einige Hürden, z. B. hatten die Kinder vielfach keine eigene E-Mail-Adresse, die für das Bloggen nötig war. Dann fehlte den Kindern die Ausdauer, sobald sie angesprochen und angeregt wurden, waren sie mit Feuereifer dabei, allerdings verliefen sich die Blogs oft im Sande. Zunächst wurde versucht, dies durch eine Moderation der Plattform aufzufangen, allerdings waren die Betreuungskosten zu hoch, sodass das Projekt 2010 eingestellt wurde. Es gab allerdings, so der Projektleiter, auch damals Kinder, die einen Blog nutzten, um mit ihren Freunden oder Verwandten in Kontakt zu bleiben.
Ähnliche Erfahrungen machte auch die Münchener Initiative Studio im Netz (SiN) mit dem Projekt „Kinderspuren im Internet“, das 2000 startete und im Prinzip noch weiterläuft. Auch heute könnten sich die Kinder aus der Startphase noch melden, was allerdings bisher nicht geschehen ist. Begleitet von Pädagogen haben damals 105 Kinder ihre eigenen Seiten im Netz erstellt. In der Zeit danach konnten sie Beiträge an SIN schicken und die Mitarbeiter pflegten sie in das Portal auf der jeweiligen Kinderseite ein. Allerdings ließ auch hier das Interesse irgendwann nach, so ein Projektbetreuer, wenn nicht seitens der Erwachsenen ein Input gegeben wurde.

Obwohl Kinderblogs eine Betreuung benötigen, um in Gang zu bleiben, gibt es Schulen, die sich darauf einlassen. Die Astrid-Lindgren-Schule in Kempen (http://www.astrid-lindgren-schule-kempen.de/kinderblog) zum Beispiel, in dessen Kinderblog die Schüler über besondere Ereignisse aus dem Schulleben berichten. Für die Schüler bedeutet dies, dass sie erleben, wie ein Klassenzimmer-Text in die Öffentlichkeit gelangt - da bekommen anscheinend lästige Dinge wie Rechtschreibung, Satzbau und Aufbau eines Textes plötzlich einen Sinn und sie erfahren, wie leicht es ist, eine Botschaft zu verbreiten. Produktorientierter Unterricht bekommt hier eine neue Form, die dazu noch ohne großen Aufwand umgesetzt werden kann, und Medienpädagogik wird hier in einen Kontext gestellt. Beim Erarbeiten von Beiträgen stellt sich von selbst die Frage, ob man Texte und Bilder anderer einfach veröffentlichen darf oder welche persönlichen Informationen fremde Menschen über einen lesen sollen.

Die Realisierung ist für Erwachsene mit einer Affinität zu neuen Medien relativ einfach, denn viele Internetseiten basieren heute auf einem Content-Management-System, das auch die Einrichtung eines Blogs ermöglicht. Alternativ bietet die Plattform Primolo Lehrern die Gelegenheit, mit Kindern einen Blog zu installieren und zu pflegen. Darüber hinaus erlauben kostenfreie Blogplattformen erlauben schnell eine solche Seite einzurichten. Wichtig ist, im Vorfeld zu klären, wer die Verantwortung für den Blog trägt, wenn er außerhalb der Schulseite geführt wird, da auch der Blog ein Impressum benötigt, wenn er nicht rein privat geführt wird. Da hier rechtlich viel im Umbruch ist, empfiehlt sich in jedem Fall ein Impressum auf der Seite.

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