Über den Autor/die Autorin

Hildegard Dierks

Hildegard Dierks hat ihr Lehramtsstudium in den Fächern Englisch und Pädagogik für die Sekundarstufen I und II absolviert und an der Universität Bielefeld das Magisterstudium mit dem Schwerpunkt Computerlinguistik abgeschlossen. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen. Seit einigen Jahren ist sie begeisterte Anhängerin des sog. E-Learnings einer internetgestützten, zeitlich flexiblen Form des Studiums und der beruflichen Weiterbildung. Neben Lehrheften lernt man beim E-Learning auch in betreuten Chats und Webinaren. Frau Dierks lebt mit ihrer Familie in Ostwestfalen. In ihrer Freizeit hört sie gern Hörbücher und spielt Akkordeon.

Instrumente spielen lernen – Privater Unterricht oder Musikklassen in der Schule?

von Hildegard Dierks



© Viacheslav Iakobchuk - Fotolia.de
Musikunterricht und Instrumentalunterricht sind Teil einer guten Bildung. Vielen Menschen ist es ein Bedürfnis selbst zu musizieren. Um ein Instrument spielen zu lernen, haben wir zum einen die Möglichkeit eine der zahlreichen städtischen und privaten Musikschulen zu besuchen. Zum anderen bieten immer mehr Regelschulen zusätzlich zum regulären Musikunterricht sog. Musikklassen an. In welchem Verhältnis stehen außerschulischer Instrumentalunterricht und der Instrumentalunterricht in Verbindung mit Musikklassen zueinander?

Was ist eine Musikklasse?


Wer ein Instrument spielen lernen wollte, tat dieses bis vor kurzem vor allem an einer städtischen oder privaten Musikschule. Nun wird Instrumentalunterricht immer häufiger in enger Zusammenarbeit mit dem Musikunterricht an Regelschulen, in sog. Musikklassen angeboten.

Der Begriff Musikklasse bezieht sich vor allem auf eine spezielle Form des Musikunterrichts in der Sek. I. In Musikklassen wird an einigen Schulen in NRW z.B. in der fünften, sechsten und siebten Klasse neben dem regulären Musikunterricht in der Sekundarstufe I zwei weitere Stunden Musikunterricht erteilt. In diesem Unterricht lernen Schülerinnen und Schüler ein Instrument zu spielen. In der ersten Zusatzstunde wird in kleinen Gruppen das jeweilige Instrument erlernt. In der zweiten Zusatzstunde wird in einem Klassenorchester gespielt.

Gesamtschulen, Realschulen oder Gymnasien mit Musikklassen suchen sich dazu Kooperationspartner vor Ort, z.B. Städtische Musikschulen oder Musikfakultäten naheliegender Universitäten, um diese Form des Musikunterrichts zu organisieren. Der Instrumentalunterricht wird meistens von den Lehrern der Kooperationspartner gegeben. In Musikklassen liegt ein besonderer Schwerpunkt darauf, dass das Instrument in der Gemeinschaft gespielt wird.

Das Gymnasium am Waldhof in Bielefeld bietet z.B. in Kooperation mit der Städtischen Kunst- und Musikschule Bielefeld eine Big-Band Klasse an. Dabei handelt es sich um eine reguläre fünfte Klasse mit einem musikalischen Schwerpunkt. Die Schülerinnen und Schüler, die für diese Klasse angemeldet sind, lernen an der Städtischen Kunst- und Musikschule neu ein Instrument, das zur Big-Band passt: Schlagzeug, E-Gitarre, Keyboard, E-Bass, Saxophon, Posaune oder Trompete. Kinder, die bereits zuvor ein Instrument spielen gelernt haben, das zur Big-Band passt, können ebenfalls in dieser Klasse mitmachen. Von Beginn an wird eine Doppelstunde Musik zur Big-Band Probe in der Big Band-Klasse genutzt. Regelmäßig werden Konzerte und Auftritte dieser Musikklasse veranstaltet.

Ähnlich organisierte Musikklassen gibt es in der Sekundarstufe I NRWs zunehmend landesweit.

In Bayern macht sich seit Jahren mit deutlich zunehmendem Interesse das Projekt klasse.im.puls für Musiklassen an Mittelschulen und Realschulen stark. Auf der Website dieser Stiftung klasse.im.puls.de kann man Schulen finden, die in Bayern teilnehmen und Interessierte können Informationen für eine eigene Teilnahme an diesem Projekt erhalten.

Chancen von Musikklassen


Das gemeinsame Musizieren in Musikklassen ist mit vielen Chancen verbunden.

Durch Musikklassen erlebt der gesamte Musikunterricht in der Sekundarstufe I eine Stärkung. Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich länger mit Musik und weitere fachliche Kompetenz von außen kommt durch den Instrumentalunterricht in die Schulen. Auch die städtischen und privaten Musikschulen können für ihre Arbeit durch eine Kooperation einen neuen oder anderen Schwerpunkt finden.

Da Schülerinnen und Schüler immer häufiger in der Schule in einen Ganztagsbetrieb eingebunden sind, längere Anfahrtswege zur Schule haben, ist es vielen kaum mehr möglich Instrumentalunterricht kontinuierlich am Nachmittag zusätzlich außerhalb der Schule zu organisieren. Musikklassen können eine Hilfe sein, wenn der Instrumentalunterricht auf Grund dieser Situation nicht ausfallen soll.

Durch die Teilnahme an einer Musikklasse können darüber hinaus auch die Kinder ein Instrument lernen, deren Eltern wenig zeitliches Extra-Engagement für die musikalische Bildung ihrer Kinder zeigen können oder wollen.

Im Klassenensemble oder einer Band zu spielen, kann das Gemeinschaftsgefühl, die soziale und emotionale Kompetenz stärken. Es ist nicht einfach für Lehrerinnen und Lehrer verschiedene Problemlagen, die mit der Psyche der Kinder einhergehen, allein durch Gespräche aufzugreifen. Das gemeinsame Musizieren kann Hintergrund und Basis für eine positive Grundstimmung sein.

Die bessere Bildung von Schülerinnen und Schüler aus eher bildungsfernen Familien oder die Integration von Kindern mit mangelnden Deutschkenntnissen können in Musikklassen einen erfolgreichen Anfang nehmen, da die Sprache der Musik international und oft non-verbal ist. Mit Musik lassen sich Unterschiede überwinden.

Eine Schule, auf deren Schulfesten eine schuleigene Band spielt, ist ein angenehmerer Lern-und Lebensort als Schulen ohne Musik oder mit Musik aus dem Ghettoblaster.

Musikklassen - Herausforderungen und Probleme<


Musikklassen haben noch keine lange Tradition an deutschen Schulen. Noch ist es eine besondere Herausforderung alle Details zu organisieren, z.B. die Kooperation mit Musikpartnern und Geldgebern.

Der Instrumentalunterricht für die Musikklassen ist für Eltern und Schulen mit Extrakosten verbunden. Instrumente können meistens geliehen werden, zumindest vorübergehend für eine kleine Gebühr, wenn Sponsoren und Partner gefunden werden.

Die Schülerinnen und Schüler benötigen darüber hinaus auch für diesen Instrumentalunterricht Zeit zum Üben. Der Instrumentalunterricht allein und das Spielen im Ensemble reichen nicht aus, um eine gute Kompetenz im Umgang mit dem Instrument zu bekommen. Da viele Schülerinnen und Schüler täglich viel Zeit in der Schule verbringen, bleibt wenig Zeit außerhalb vom Schulbetrieb zum Instrument zu greifen.

Musikklassen fördern stärker eine breite musikalische Bildung. Der Instrumentalunterricht erfolgt meistens in kleinen Gruppen, nicht im Einzelunterricht. Einzelunterricht ist jedoch notwendig, soll eine individuelle Förderung auf einem höheren Niveau gelingen.

Die Schülerinnen und Schüler in Musiklassen sind bereits mindestens 10 Jahre alt. Für den Beginn einer musikalischen Bildung wäre das ein relativ später Beginn. Deshalb ist die musikalische Früherziehung der städtischen und privaten Musikschulen, die bereits vor der Grundschule beginnt, nach wie vor wichtig, um in Musikklassen auf dieser Früherziehung aufzubauen.

In den Grundschulen von NRW gibt es seit einigen Jahren deshalb ebenfalls eine Hinführung der Grundschülerinnen und Grundschüler zu Instrumenten. Dem Projekt der Stiftung JeKi („Jedem Kind ein Instrument“), folgt ganz neu Jekits ( „JeKits – Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“). Die Arbeit der Stiftung JeKi und Jekits nahm seinen Anfang im Ruhrgebiet und wird inzwischen auf ganz Nordrhein-Westfalen ausgeweitet.

Kommentar: Nicht immer funktioniert die Zusammenarbeit
Instrumentalunterricht an privaten und städtischen Musikschulen oder ein Instrument spielen lernen im Rahmen von Musikklassen ergänzen sich im Idealfall. Musiklehrerinnen und Musiklehrer von Musikschulen werden in die Musikklassen teilweise eingebunden. Im Einzelfall kann auf diese Weise, je nach Kooperationspartner, herausragende Instrumentalkompetenz in die Regelschulen kommen. Leider entsteht nicht immer eine Zusammenarbeit zum Vorteil beider, stattdessen ein Konkurrenzverhältnis. Durch das Angebot an Musikklassen und den Ganztagsunterricht beklagen manche private Musikschulen, die keine Kooperation mit einer Regelschule eingehen können, einen Rückgang an Anmeldungen. Befürworter von Musikklassen sehen im gemeinsamen Musizieren die große Stärke dieser schulischen Entwicklung, Kritiker bemängeln ihrerseits einen Rückgang an Qualität, da kaum eine individuelle Förderung im Umgang mit dem Instrument möglich sei. Sicher fürchten private Musikschulen auch teilweise um ihr Geschäft, denn sie haben seit jeher Budget-Probleme. Entsprechend entstanden/entstehen dort bei beliebten Instrumenten Wartezeiten für Schülerinnen und Schüler.

Link- und Buchtipps


Linktipps:

Informationen zum Konzept der Big-Band-Klasse am Gymnasium am Waldhof in Bielefeld

» http://www.gymnasium-am-waldhof.de/lernen/themenklassen.html

Website der bayerischen Stiftung für Musikklassen Klasse-im-puls.de
» http://www.klasse-im-puls.de/images/download/kimp_Imagebroschre.pdf
» http://www.klasse-im-puls.de/

Website der Stiftungsarbeit: JeKits instrumente, tanzen, singen
» http://www.jekits.de/


Buchtipps:

Brzoska, Ingo: An die Saiten – fertig – los! Schülerheft Gitarre – Ein Lehrwerk für Gitarren- und Zupferklassen an Musikschulen und allgemeinbildenden Schulen. AMA Verlag, 2008

Helmke, Jan et al.: SymphoniClass: 7 Stücke für sinfonische Ensemble in Schulen und Musikschulen (KM 2303).
Breitkopf & Härtel, 2014

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