Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Baum des Jahres 2016 - Die Winterlinde

von Jörg Sauer



© M. Schuppich – Fotolia.com
Im Oktober des vergangenen Jahres wurde die in Mitteleuropa weit verbreitete Winterlinde (Tilia cordata) von der Dr. Silvius Wodarz Stiftung zum Baum des Jahres ernannt. Damit wird der Baum mit den: „… vielfältigsten Verwendungsmöglichkeiten, der höchsten Wertschätzung und der größten Bedeutung in der Mythologie …“ (1) besonders gewürdigt. Dies alles ist Anlass genug, sich mit diesem Baum näher zu befassen. Dazu möchte der nachfolgende Beitrag einige Anregungen geben.

Steckbrief der Winterlinde (tilia cordata)


Familie:
Malvengewächse (Malvaceae), Gattung Linden

Standort(e):
  • Die Winterlinde ist ein in Europa einheimischer Baum. Sie war hier bereits: „… vor den Eiszeiten … und in der Eichenmischwaldzeit (etwa 5.500 bis 2.500 v. Chr. weit verbreitet.“ (2)
  • Die Winterlinde als eine Mischbaumart findet man oft gemeinsam mit Eichen und Hainbuchen in sonnigen trockenen Lagen. Sie: „… gewinnt überall dort an Raum, wo die Buche in ihrer Konkurrenzkraft geschwächt ist.“ (3)
  • Die Winterlinde ist ihren Ansprüchen an das Klima bescheidener als die Sommerlinde. Sie benötigt weniger Wärme. Im Gebirge steigt die Winterlinde nicht so hoch wie die Sommerlinde.
  • Die Winterlinde wächst am besten auf lockeren nährstoffreichen und tiefgründigen Böden. Beide einheimische Lindenarten kommen mit den Veränderungen des Klimawechsels zurecht. Daher pflanzt man sie verstärkter in den Wald.

Interessantes zum Namen
Die Linde (ahd. linta) erhielt diesen Namen wegen ihres weichen und biegsamen Bastes. Daraus wurden bereits in der Steinzeit die unterschiedlichsten Gegenstände geflochten. Linta konnte: „… auch die Bedeutung von „Schild“ annehmen.“ (4) Aus dem leichten Holz fertigte man Schutzschilde an. Auch im Namen findet man „lind“. Diese stehen in der Bedeutung von: „… weich, mild, sanft“. (5) Doch nicht nur in Vor –und Familiennamen findet man die enge Verbundenheit zur Linde, sondern auch in Flur – bzw. Ortsnamen sowie als Bezeichnungen für Gaststätten. . „Über 850 deutsche Städte verdanken der Linde ihren Namen.“(6)

Wuchsform, Höhe und Alter
Der Laubbaum kann in freien Lagen eine Höhe von etwa 20 m erreichen. Im Wald können es auch bis zu 25 m bis 35 m werden. Die gewölbten, unregelmäßigen Kronen sind hier schmaler als im Freistand. Die Linde kann bis zu 1.000 Jahren alt werden.

Blätter
Die wechselständigen Blätter sind herzförmig mit einer deutlich erkennbaren Spitze. Sie sind vier bis acht Zentimeter lang und breit. Die Oberseite der recht derben Blätter glänzt dunkelgrün. Die Unterseite hingegen sieht blaugrün aus. Der Rand ist gleichmäßig gesägt. An den Nervenenden wachsen kleine rostbraune Haarbüschel. Die Herbstfärbung der Blätter ist ein leuchtendes Goldgelb.

Blüten
Die nach Honig duftenden gelblich weißen Blüten erscheinen von Juni bis Juli und sind doldenförmig angeordnet. Sie sind zwittrig. Die Winterlinde ist für die Bienen eine wichtige Nahrungsquelle. So sind: „ … Honigerträge bis zu etwa 2,5kg je Baum…“ in einer Saison möglich. (7) Der Wind überträgt die Pollen, die zu Heuschnupfen führen können. „Ein Baum kann bis zu 60.000 Blüten tragen.“ (8) Aus den getrockneten Blütenständen können Heiltees hergestellt werden, die man zur Linderung von Erkältungskrankheiten nutzt.

Früchte
Die etwa 6mm großen Nussfrüchte reifen im September. Sie lassen sich zwischen den Fingern leicht zerdrücken. Zum Fruchtstand gehört noch ein längliches Trageblatt. Mit diesem wird die Verbreitung durch den Wind erleichtert. Der Fruchtstand bleibt als s. g. „Wintersteher“ am Baum. Er dient Vögeln und kleinen Säugetieren als Nahrung. Die Keimung erfolgt im Frühjahr oberirdisch.

Äste, Zweige und Knospen
Die Äste ragen steil nach oben. Nur bei älteren Bäumen ist eine Neigung zur Seite bzw. nach unten erkennbar. Die Zweige sehen bräunlich rot aus und sind fast kahl. Die Korkporen sind heller. Die Knospen sind eiförmig, glatt und glänzend rotbraun. Sie: … besitzen nur zwei ungleich große Knospenschuppen.“ (9)

Stamm
Bei jüngeren Bäumen ist die Rinde glatt und grau. Später sieht sie braun grau aus und: „ …entwickelt sich zu einer ausgeprägten Netzborke.“ (10) Der Stamm kann einen Umfang von bis zu 6 m erreichen. Besonders einprägsam sind die bei Linden häufig anzutreffenden Stammknollen. Rings um den Stamm findet man besonders im Frühjahr eine riesige Anzahl an rot schwarzen Feuerwanzen. Sie saugen den Saft der Linden bzw. den der Früchte.

Weiterführende Informationen zu den Stammknollen sowie zu Innenwurzeln und besonderen Exemplaren an Linden finden Sie nach einem Klick auf den folgenden Link: http://baum-des-jahres.de/index.php?id=665

Wurzel
Die Winterlinde besitzt ein tiefgehendes Herzwurzelsystem. Der Stock treibt wieder aus, nachdem man den Baum absägte.

Gefahren
Diese bestehen u. a.:
  • im Verbiss durch das Wild,
  • durch den Befall von Blattläusen,
  • durch das Auftreten von Honigtaupilzen (Blätter sehen schwarz aus)
  • durch den Befall von Pilzen (Triebe der Linde sterben)
  • durch das Auftreten der Raupen des schneeweißen Goldafters (Bildung von Gespinsten/Brennhaare der Raupe können allergische Reaktionen auslösen)


Verwendung/Nutzung
Das weiche Lindenholz hat eine weißlich gelbe Färbung. Es ist nicht witterungsbeständig. Das getrocknete Holz arbeitet kaum. Daher ist es gut für die Schnitzerei und die Bildhauerei geeignet. Im Zeitalter des Spätbarock schufen u. a. Tilman Riemenschneider (um 1460 bis 1531) und Veit Stoß (um 1447 bis 1533) im deutschsprachigem Raum bedeutende Meisterwerke. Man bezeichnete das Lindenholz wegen seiner: „… Verwendung in der Sakralkunst des Hoch- und Spätmittelalters ….als „Heiligenholz“. (11) Das Holz nutzt man weiterhin u. a.:
  • in der Maskenschnitzerei,
  • bei der Herstellung von Puppenköpfen,
  • im Modellbau,
  • „…für flächige Schnitzarbeiten… u.a. Frontpartien von Kuckucksuhren…(12).
Linden werden an Straßen und Alleen oder in Parks oder auf Plätzen gern gepflanzt.

Geschichte und Brauchtum
Bereits in der Antike wurde die Linde in Ehren gehalten. Man kannte die Heilwirkung des Blütenstandes und nutzte den Bast für Flechtarbeiten. Die Germanen sprachen der Linde: „ Weissagungs- und Heilkräfte“ (13) zu und widmeten sie der Liebesgöttin Freya. Im Volksglauben zahlreicher Völker nimmt die Linde im Reigen der Bäume eine besondere Stellung ein. So gibt es selten einen Dorfplatz ohne sie. Dort traf man sich zu den unterschiedlichsten Anlässen (u. a. zu Trauungen, Versammlungen oder zur Gerichtsbarkeit). Auch auf Burgen findet man Linden. Sie wurden als Rechtsbäume genutzt. In der deutschen Romantik verehrte man in besonderer Weise diesen Baum. In den verschiedenen Genres der Dichtkunst ist die Linde vertreten, von Gedichten über Lieder, bis hin zu Sagen und Märchen.

Tipps für die Nutzung im Unterricht


Das Kennenlernen ausgewählter einheimischer Laubbäume ist eine wichtige Unterrichteinheit innerhalb der Grundschulzeit. In diese lässt sich die Winterlinde sehr gut einfügen, als Baum des Jahres 2016 in besonderer Weise betrachten und in ihrer Bedeutung hervorheben.

Um die Bäume in ihrem natürlichen Umfeld zu erleben, bietet sich eine Exkursion an. Diese kann sowohl als Einstieg während der Blütezeit im Frühjahr als auch zur Festigung in der Zeit der Fruchtreife stattfinden. Auch ein Gang in der „blattlosen“ Zeit lohnt sich. So lassen sich u. a. die Kontur des Baumes und die Fruchtstände besonders gut betrachten. Um sich als Lehrender gründlich auf eine Erkundung vorzubereiten, empfiehlt sich jeweils eine „Vorexkursion“ wenige Tage davor.

Schulen, bei denen Neupflanzungen von Bäumen geplant sind, sollten über die Anpflanzung einer oder mehrerer Winterlinden nachdenken. Bei dieser Arbeit können größere Kinder beteiligt werden.

Die nachfolgend vorgestellten Ideen sind in Abhängigkeit der jeweiligen Klassensituation ab dem dritten Schuljahr umsetzbar.

Zum Dokumentieren der Arbeitsergebnisse kann das nachfolgende Material in Auszügen oder als Gesamtpaket genutzt und unter dem Titel: „Mein Heft von der Winterlinde“ heruntergeladen werden.

Download PDF: Mein Heft von der Winterlinde
Download Word: Mein Heft von der Winterlinde

Aufbau und Erläuterungen des Heftes von der Winterlinde


Deckblatt
  • Kinder gestalten das Blatt selbstständig nach einem einführenden Unterrichtsgespräch oder einem Unterrichtsgang


Steckbrief der Winterlinde, Teil 1 und Teil 2
  • Bearbeiten der beiden AB, auch Partner- oder Gruppenarbeit (max. drei Kinder) ist möglich
  • Standorte des Baumes
  • Nutzungsmöglichkeiten des Baumes bzw. seines Holzes,
  • geschichtliche Überlegungen bieten sich an
  • Wuchsform
  • Grundsätzlich können diese beiden Arbeitsblätter auch für andere Baumsteckbriefe genutzt werden. Dazu sind die Angaben herauszunehmen, die auf die Winterlinde zugeschnitten sind.


Winterlinde – Sommerlinde
  • Unterscheidung hauptsächlich nach Blättern, Rinde und Früchten.
  • Bei der Nutzung des Holzes unterscheidet man nicht nach beiden Lindenarten, da es ziemlich identisch ist.


„Unsere“ Winterlinde
  • Umgebung analysieren, Boden, bewachsene Bodenschicht
  • Teile des Baumes genau betrachten, befühlen
  • Vergleich zu anderen Bäumen und zu Sträuchern
  • Wetter beobachten


„Unsere“ Winterlinde im Jahreskreis
  • Diese langfristige Aufgabe ist für Schulen geeignet, in deren Gelände bzw. der näheren Umgebung sich Winterlinden befinden.
  • Partner- oder Gruppenarbeit am günstigsten
  • Nutzung einer Kamera
  • Nacharbeiten des Bildes am Computer, wenn möglich


Gepresstes Blatt
  • Herbarisieren eines Blattes, ggf. auch einer Frucht


Platz für weitere Beobachtungen
  • Dieses zusätzliche Blatt bietet den Kindern die Möglichkeit, dass sie alle ihre weiteren Beobachtungen und Entdeckungen aufschreiben können.
  • Des Weiteren haben sie hier die Möglichkeit, ihre Erkundungsergebnisse zur Bedeutung der „Linde“ in der Entwicklung der Menschen aufzuschreiben (z.B. Herkunft und Nutzung des Namens, Baum in der Dichtkunst,…)


Ausblick


Nach dem gründlichen Kennenlernen der Winterlinde kann auch die Sommerlinde genauer betrachtet werden. So bietet es sich an, wie oben dargestellt, mit einem Vergleich der beiden Bäume zu beginnen. Dazu finden Sie Anregungen in den Linktipps.

Linktipps


1. Baum des Jahres
2. Baumportal
3. Waldwissen
4. Baumkunde


Quellen


(1) http://baum-des-jahres.de/index.php?id=47&tx_ttnews%5Btt_news%5D=155&cHash=c60e739185e8ea70bab648efb61bd20d
(2) http://www.sdw.de/cms/upload/pdf/Die_Linde.pdf
(3) ebd.
(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Linda_(Vorname)
(5) ebd.
(6) http://www.sdw.de/cms/upload/pdf/Die_Linde.pdf
(7) https://de.wikipedia.org/wiki/Winterlinde
(8) ebd.
(9) ebd.
(10) http://baum-des-jahres.de/index.php?id=665
(11) http://www.sdw.de/cms/upload/pdf/Die_Linde.pdf
(12 ) ebd.
(13) ebd.

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