Über den Autor/die Autorin

Anna Bahr

Anna Bahr hat an der Universität Leipzig ihr Germanistik- und Philosophiestudium abgeschlossen. Seit einigen Jahren arbeitet sie als freie Redakteurin. Ihre thematischen Schwerpunkte sind Kinder und Familie sowie Kunst und Kultur.

Moderner Kunstunterricht - Von Paint bis Photoshop

von Anna Bahr



© cienpiesnf - Fotolia.de
Im klassischen Kunstunterricht lernen Schüler den Umgang mit Farben und Formen und probieren ihre eigenen Fertigkeiten aus. Doch sollte man den Unterricht auf Papier und Pinsel beschränken? Die digitalen Medien bestimmen immer mehr den Alltag der Kinder - warum nicht den Umgang mit ihnen in den Unterricht integrieren?

Zeichnen, schneiden, kleben. Im klassischen Kunstunterricht dominiert der Fokus auf die schöpferischen Fertigkeiten. Gleichzeitig soll das Verständnis für Kunst und damit auch für kulturelle Werte vermittelt werden. Aber ebenso wie sich der Alltag der Schüler im letzten Jahrzehnt auf digitale Räume erweitert hat, ist auch die Kunst nicht mehr nur auf die klassischen Materialien beschränkt. Kunsträume, Museen oder Galerien zeigen Werke, die mit klassischen Gemälden schon lange nichts mehr zu tun haben. Installationen mit modernster Technik, Klangkörper oder digitale Bilder dienen jungen Künstlern dazu, sich auszudrücken. Auch Lehrer können sich diesen Trend zu Nutze machen und die Arbeit mit Computern in den Kunstunterricht integrieren.

Paint im Unterricht

Viele Schulen haben in den letzten Jahren aufgerüstet und ihre Räumlichkeiten mit PCs ausgestattet. Doch viele Lehrer wissen nicht, wie sie die Kinder an die Arbeit mit diesem Medium heranführen sollen. Einen einfachen Einstieg in die Arbeit mit dem Rechner bietet eine Unterrichtstunde mit dem Malprogramm Paint. Die Arbeit mit der Grafiksoftware bedarf keiner großen Vorbereitung. Das Programm ist ab Windows 95 enthalten. Kinder ab Klassenstufe drei können mit der Software einfache Formen zusammensetzen und mit Farbe füllen. Paint ist sehr einfach in seiner Handhabung und Grundschüler lernen dabei grundsätzliche Dinge im Umgang mit Technik. Um das Programm zu benutzen, müssen Sie die Datei öffnen, anschließend muss das Dokument im passenden Ordner gespeichert und benannt werden.

Die Arbeitsaufträge für eine Lerneinheit können von verschiedenem Niveau sein. Zu Beginn sollte es darum gehen, die grundlegenden Werkzeuge der Software zu verstehen und anzuwenden. Schon mit einfachen Anordnungen von geometrischen Figuren können farbenfrohe Bilder entstehen. Ein Dreieck, ein Viereck und schon erscheint ein Haus auf dem Bildschirm. Mit der freihändigen Stiftversion darf noch ein kleiner Garten gezeichnet werden. Für geübte Kinder kann der Auftrag erweitert werden. Sie können versuchen, mit dem digitalen Radiergummi Schraffuren zu kreieren, die Licht und Schatten andeuten. Ältere Schüler können mit komplexeren Arbeitsaufträgen an die Arbeit mit dem Rechner herangeführt werden. Bevor es an den Computer geht, sollen sich die Schüler zum Beispiel mit den Werken eines Künstlers aus der Moderne auseinandersetzen. Geeignet wären hier zum Beispiel die Arbeiten von Wassily Kandinsky. Im nächsten Schritt soll ein Bild des Malers am Computer nachgestellt werden. Durch diese Tätigkeit lernen die Schüler nicht nur etwas über den Stil und die Epoche, sondern bekommen durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Werk auch ein Gefühl für die Wirkung von Farben.

Photoshop für ältere Schüler

Höhere Jahrgangsstufen können an das Bildbearbeitungsprogramm Photoshop herangeführt werden. Die Arbeit mit Photoshop ist für viele Schüler auch über die Schule hinaus von Nutzen. In der Ausbildung oder im Studium kann das Programm für Vorträge oder Ausarbeitungen genutzt werden und viele Berufsfelder nutzen Photoshop, um beispielsweise Bilder für die sozialen Netzwerke zu optimieren.

Das auf dem Markt sehr beliebte Programm bietet unzählige Funktionen, um Fotos zu bearbeiten. Während im privaten Bereich vor allem Urlaubsfotos oder Selfies verbessert werden, können im Kunstunterricht Werke aus der Kunstgeschichte aus einer neuen Perspektive betrachtet werden. Als Vorlage eignet sich zum Beispiel eine Radierung von Rembrandt. Indem man einzelne Elemente farbig gestaltet oder neu anordnet, werden wichtige Fertigkeiten spielerisch trainiert. Ein weiterer Arbeitsauftrag wäre, die Schüler das Haus ihrer Zukunft aus einzelnen Fotoelementen aus dem Internet zu konstruieren. Die Themen lassen sich je nach aktuellem Wissensstand der Klasse variieren. Übrigens lohnt es sich im Internet nach weiteren kostenfreien Bildbearbeitungsprogrammen zu suchen. Beliebt bei vielen Usern ist zum Beispiel die Seite picmonkey.de. Die Grundfunktionen sind gebührenfrei. Erweiterte Funktionen müssen bezahlt werden.

Neben Photoshop und Co sind zahlreiche weitere Unterrichtseinheiten zum Thema denkbar. Digitale Fotografie unter der Vorgabe bestimmter Themen oder Perspektiven kann ebenfalls in den Kunstunterricht einbezogen werden. Im Rahmen eines größer angelegten Projekts und bei vorhandener Ausstattung können die Schüler auch dazu angehalten werden, ein Video selber zu drehen und passend zu schneiden.

Medienkompetenzen schulen

Die meisten Schüler werden sich freuen, wenn der Lehrer eine Stunde am Computer ankündigt. Ihre Umwelt lebt es ihnen vor, jetzt können die Schüler selbst aktiv werden. Die Motivation und Mitarbeit ist dementsprechend hoch. Dabei sind die Kompetenzen der Kinder - vor allem in den unteren Jahrgangsstufen - von unterschiedlichem Niveau. Der Umgang mit dem Rechner in der Schule nimmt auch die Kinder mit, die weniger Erfahrung mit digitalen Medien haben. Der Kunstunterricht leistet also mehr, als die gestalterischen Fähigkeiten auf ein anderes Medium zu übertragen. Hier werden Grundfertigkeiten im Umgang mit Technik eingeübt. Dabei eignen sich die Kinder die Fähigkeiten ganz nebenbei an. Förderlich kann es auch sein, wenn die Kinder sich gegenseitig unterstützen dürfen. Vorhandenes Wissen wird so gefestigt und dabei oftmals einfacher vermittelt als durch einen Erwachsenen. Auch die Kinder, die weniger gerne Zeichnen oder allgemein gestaltend aktiv sind, bekommen hier einen neuen Anreiz, sich mit Kunst auseinanderzusetzen. Gleichzeitig sollte man in den unteren Jahrgangsstufen bedenken, dass viele Kinder in der Freizeit bereits einen hohen Medienkonsum pflegen. Hier ist es am Lehrer das richtige Maß zu finden. Und: Der Umgang mit den digitalen Medien sollte nicht die sinnlichen Erfahrungswerte mit Formen, Farben und eigenem schöpferischen Tun ersetzen. Vielmehr ist es als eine Möglichkeit unter vielen zu verstehen.

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