Über den Autor/die Autorin

Anna Bahr

Anna Bahr hat an der Universität Leipzig ihr Germanistik- und Philosophiestudium abgeschlossen. Seit einigen Jahren arbeitet sie als freie Redakteurin. Ihre thematischen Schwerpunkte sind Kinder und Familie sowie Kunst und Kultur.

Sprachen lernen mit Apps

von Anna Bahr



© Antonioguillem – Fotolia.de
Lernen wann und wo man will. Mit Apps für das Smartphone oder Tablet ist das möglich. Egal ob Spanisch, Englisch oder Chinesisch - die Auswahl der angebotenen Sprachen ist groß. Und der Verbraucher entscheidet selbst, mit welcher Methode er lernt.

Noch bis vor einiger Zeit musste man einen Kurs besuchen, um eine neue Sprache zu lernen. Für alle, die im Arbeitsleben stehen, bedeutet der Besuch einer Sprachlern- oder Volkshochschule allerdings einen enormen logistischen Aufwand. Termine müssen koordiniert und Lerneinheiten gut geplant werden. Eine andere Variante bieten Hörkurse auf CD, mit denen man zum Beispiel während der Autofahrt Vokabeln pauken kann. Auch diese Variante ist umständlich und zielt außerdem nur auf die auditive Wahrnehmung. Jetzt versprechen Sprachlern-Apps Abhilfe. Benutzer können damit wann und wo sie wollen die Sprache ihrer Wahl lernen. Beim Warten auf die U-Bahn oder in der Arztpraxis, in der Mittagspause oder konzentriert zu Hause.

Lernen ganz nebenbei

In deutschen Schulen werden meist zwei Fremdsprachen gelehrt. Üblicherweise können die Schüler außer Englisch noch Französisch, Russisch, Spanisch oder Latein lernen. Doch es gibt unterschiedliche Lerntypen. Einige behalten neue Vokabeln mühelos und beherrschen die grammatische Struktur einer anderen Sprache auf Anhieb. Anderen fällt das Lernen schwerer. Hier können Apps helfen. Ein Vorteil gegenüber dem klassischen Lernen mit Büchern und Wortschatzlisten: Vokabeln können nebenbei trainiert werden und die Grammatik wird ganz nebenbei noch einmal erklärt.

Schülern, denen die Motivation zum Lernen fehlt, sollten die App „Duolingo“ testen. Das Programm setzt auf die Verbindung von Bildern und Vokabeln zu verschiedenen Themenbereichen wie Tiere, Beruf oder Essen - ohne langwierige Grammatikausführungen. Wem eine der kleinen Lerneinheiten zu schnell abläuft, kann sie auf Wunsch mehrfach wiederholen. Zusätzlich werden dem User Schreibübungen angeboten, ebenfalls in kurzen Lernbausteinen. Ideal also, um nach einem langen Schul- oder Arbeitstag noch ein paar Übungseinheiten dranzuhängen. Zudem ist die Anwendung werbefrei und kostenlos. Da die App auf einen Lernen-nebenbei-Effekt setzt, eignet sie sich eher zum Vertiefen von vorhandem Wissen. Ideal also für Schüler oder Studenten. Wer eine Sprache ohne Vorkenntnisse lernen möchte, erhält zwar viele Vokabeln und Grammatiklektionen, kann aber nicht die korrekte Aussprache trainieren, wie es an einer normalen Schule üblich ist.

Für alle, die sich über das Hören Vokabeln merken, ist die App „Babbel“ geeignet. Sie unterstützt seine Nutzer mit einer Spracherkennungssoftware in der Aussprache. Fortschritte des Benutzers werden in einer Cloud gespeichert, so dass er kontinuierlich weiter lernen kann. Auch hier sollen Lerneinheiten von 10 bis 15 Minuten täglich den Erfolg garantieren.

Ebenso beliebt auf dem Markt ist die App „Busuu“, die 12 Sprachen im Repertoire hat. Der User muss zwar einige Lektionen alleine bewältigen, kann sein Wissen dann aber im Austausch mit Muttersprachlern testen. Ein weiterer Anreiz ist der Game-Charakter der App. Im Netzwerk von Mitlernern macht das Lernen mehr Spaß. Die Einstiegslektionen sind gratis, ab weiteren Niveaustufen ist das Programm kostenpflichtig.

Mittlerweile bieten auch bekannte Verlage wie Pons oder Langenscheidt Sprachprogramme an. Der Vorteil für Schüler ist, dass sie hier gezielt Texte übersetzen oder Vokabeln trainieren können.
Für wen welche App geeignet ist, hängt auch vom individuellen Lerntyp ab. Vor dem Herunterladen sollte man sich deshalb fragen, wie man am besten lernt. Prägt man sich Vokabeln eher über das Hören und Aussprechen ein oder bleiben Dinge, die man gesehen hat länger im Gedächtnis? Keine App bietet alle Methoden im gleichen Maß an. Hier sollte man sich beim Anbieter genau informieren.

Grenzen von Sprachlern-Apps

Das Interesse an Sprachlern-Programmen ist groß. Die Dienste der Seite Babbel.com werden weltweit von rund 17 Millionen Menschen genutzt. Davon kommen rund 2,5 Millionen User aus Deutschland. Dabei, so zeigen Untersuchungen des betreibenden Unternehmens Lesson Nine GmbH von Babbel.com, sei Englisch immer noch die beliebteste Karrieresprache.
Sprachen lernen mit Apps scheint auf den ersten Blick moderner, freier und schneller zu sein als das herkömmliche lernen mit Büchern. Häppchenweise kann man sich das Lernen im Laufe des Tages selbst einteilen. Zudem erhöht sich der Spaßfaktor, wenn man gemeinsam mit Freunden im digitalen Netzwerk lernt. Dem Nutzer sollte jedoch bewusst sein, dass sich die Apps eher für Einsteiger eignen als für Fortgeschrittene. Die direkte Unterhaltung mit einem Muttersprachler oder einer Lehrkraft fehlt bei den meisten Anbietern. Kleine Fehler, die sich einschleichen, können so nicht direkt korrigiert werden. Auch komplexe Texte oder Informationen zum kulturellen Hintergrund sowie kleine Anekdoten, die das Lernen in der Gruppe auflockern, bleiben bei Apps außen vor. Geeignet sind die elektronischen Helfer daher eher für Schüler und Studenten, die schulbegleitend lernen wollen. Auch in Vorbereitung auf einen Aufenthalt im Ausland können Apps ein erstes Verständnis für die neue Sprache liefern. Tiefgehendes Wissen erhält man aber auf die altmodische Art im Face-to-Face-Unterrricht.

Linktipp:

» http://press.babbel.com/de/releases/2016-04-14-Spanisch_fuer_den_Job.html

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