Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

Zahnspange - überflüssig oder unverzichtbar?

von Ulrike Lindner



© karelnoppe - Fotolia.de
Ob Top-Modell, Pop-Diva oder Schauspieler aus Hollywood - Prominente machen vor, wie ein Gebiss auszusehen hat. Strahlend weiß und selbstverständlich gerade. Über ein derartig perfektes Gebiss, bei dem die Zähne von Ober- und Unterkiefer genau aufeinander stehen, kann sich aber nur etwa jeder zwanzigste Mensch freuen. Bei allen anderen helfen Kieferorthopäden nach.

Fast jedes Kind besucht früher oder später eine kieferorthopädische Praxis, sei es, weil der Zahnarzt das empfiehlt, oder weil Mutter und Vater klären möchten, ob die bleibenden Zähne so auch richtig stehen. Wann genau der erste Besuch sinnvoll ist, darüber gehen allerdings die Meinungen auseinander - selbst bei Fachleuten. Abhängig ist der ideale Zeitpunkt für den Beginn einer Behandlung von der Art der Fehlstellung. Sind schiefe Zähne oder eine Veränderung des Kiefers z.B. eine Folgeerscheinung von Daumenlutschen oder langem Gebrauch eines Nuckels, lassen sie sich bereits im Kindergartenalter oder mit Eintritt ins Grundschulalter (sechs bis sieben Jahre) korrigieren. Dazu eignet sich z.B. eine Mundhofvorplatte, die der Zahnarzt verschreibt. Rechtzeitig eingesetzt, lassen sich damit spätere langwierige Behandlungen umgehen.

Grundsätzlich empfehlen die meisten Experten, Kinder kurz vor dem so genannten Wachstumsspurt (bei Mädchen ca. mit elf Jahren, bei Jungen im zwölften Lebensjahr) zum ersten Mal beim Kieferorthopäden vorzustellen, sollten die Eltern den Eindruck haben, dass eine Fehlstellung vorliegt. Auch der Zahnarzt, der das Kind im Idealfall regelmäßig kontrolliert, kann nach seiner Meinung gefragt werden. In diesem Alter sind bei den meisten Kindern die bleibenden Zähne komplett durchgebrochen und Fehlstellungen sind erkenn- und behandelbar.

Die häufigsten Fehlstellungen

Schiefe Zähne sind nicht allein ein ästhetisches Problem. Sie können auch zu schlechterer Zahngesundheit führen, etwa wenn Zähne so eng aneinander oder schief stehen, dass sie nicht ausreichend sauber gehalten werden können. Dann drohen Karies, Parodontitis oder Kiefergelenkserkrankungen. Das sind die häufigsten Fehlstellungen (können auch kombiniert auftreten):

Engstand ist besonders weit verbreitet. Dabei stehen die Zähne nicht gerade nebeneinander, sondern sind schief angeordnet und stehen im schlimmsten Fall kreuz und quer über- und nebeneinander. Dazu kommt es, wenn im Kiefer nicht ausreichend Platz für die durchbrechenden Zähne vorhanden ist.

Überbiss (vorstehender Oberkiefer): Hier stehen die oberen Schneidezähne vor den Zähnen des Unterkiefers, weil der Oberkiefer im Verhältnis zu groß ist für den Unterkiefer.

Vorbiss (vorstehender Unterkiefer): Genau das Gegenteil zum Überbiss – beim Vorbiss ragen die Schneidezähne des Unterkiefers weiter nach vorn, sodass die unteren Zähne vor den oberen stehen.

Offener Biss: Wenn beim Zusammenbeißen die Frontzähne nicht aufeinander treffen, die seitlichen Zähne aber schon, liegt ein offener Biss vor. Er entsteht z.B. durch Daumenlutschen oder Schnuller lutschen über das dritte Lebensjahr hinaus.

Kreuzbiss: Wenn der Oberkiefer schmaler ist, als der Unterkiefer, legen sich einzelne Zähne des Unterkiefers vor die Zähne des Oberkiefers. Das geschieht, weil das Kind den Unterkiefer nach links oder rechts verschieben muss, um richtig zubeißen zu können.

Wann bezahlt die Kasse?

Je nachdem wie gravierend eine Fehlstellung ist, übernimmt die Gesetzliche Krankenkasse die Behandlungskosten. Der Schweregrad der Fehlstellung wird vom Kieferorthopäden bestimmt und mit einem Zahlensystem von 0 (keine Fehlstellung) bis 5 (schwere Fehlstellung) bewertet. Ab Ziffer 3 und dann, wenn die Behandlung vor dem 18. Geburtstag begonnen wurde, übernimmt die Gesetzliche Kasse (private Krankenkassen weichen davon ab und erstatten in der Regel die Behandlungskosten). Übernommen werden beim ersten Kind erst einmal 80 Prozent der Kosten (beim 2. Kind 90 Prozent). Dieser Eigenanteil wird erstattet, wenn die Behandlung erfolgreich abgeschlossen ist.

Es ist in jedem Fall wichtig, die Kostenübernahme vorab zu klären, da kieferorthopädische Behandlungen oft mehrere Jahre dauern und mehrere tausend Euro kosten können. Im Schnitt zwei bis drei Jahre sollten Eltern einplanen, auch wenn einige Fehlstellungen schneller korrigiert sind. Gut für Eltern: Kleinere, weniger gravierende Fehlstellungen, die von der Kasse nicht übernommen werden, benötigen oft auch nur eine kürzere Behandlungsdauer. Im Zweifelsfall ist es übrigens durchaus sinnvoll, eine zweite Meinung eines anderen Kieferorthopäden einzuholen.

Welche Spange?

Die Art der Zahnspange richtet sich selbstverständlich immer nach der Fehlstellung und dem Alter des Kindes. Besonders verbreitet und nach Auffassung vieler Kieferorthopäden sinnvoll, sind die festen Zahnspangen oder Brackets. Feste Spangen kommen dann zum Einsatz, wenn Zähne samt Wurzel bewegt werden sollen, etwa weil sie zu eng, gedreht oder gekippt wachsen oder wenn Lücken im Kiefer geschlossen werden sollen (z.B. nach Zahnverlust). Ihr Vorteil aus Elternsicht: Sie können nicht verloren gehen und die leidige Diskussion um Tragen oder nicht entfällt - schließlich ist die Spange immer "drin". Außerdem braucht die Behandlung meist kürzere Zeit, als bei losen Spangen und führt zu besseren Ergebnissen.

Bei den modernen Brackets sitzen kleine Plättchen auf jedem Zahn, die durch einen flexiblen Draht verbunden sind. Dieser Bogen wird im Verlauf der Behandlung mehrfach ausgewechselt, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Anschließend ist in der Regel der Einsatz einer losen Spange (Stabilisierungsspange oder Retainer) notwendig, um zu verhindern, dass die noch beweglichen Zähne in ihre alte Position zurückwandern. Vor allem hier gilt: Disziplin ist notwendig, damit die korrigierten Zähne an Ort und Stelle bleiben.

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