Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

Vorschulkinder lernen spielend

von Ulrike Lindner



© Maica - iStockphoto.com
Max besucht eine bilinguale Kita, Lisa ist erst vier und spielt schon Flöte und Kira geht zur Kinder-Uni. Für viele Kinder beginnt die Bildungslaufbahn schon im Vorschulalter. Aber muss das sein? Brauchen die Kleinsten schon frühkindliche Musikerziehung, zweisprachigen Unterricht und naturwissen-schaftliche Experimente, bevor sie überhaupt das erste Mal eine Schule betreten?

Spielen und Lernen sind Eins

Tatsächlich sind sich die meisten Pädagogen, Psychologen und Bildungsforscher einig darüber, dass die optimale Form des kindlichen Lernens das Spiel darstellt. Kinder lernen im wahrsten Sinn des Wortes spielend. Spiel hat dabei keinesfalls die Bedeutung von etwas Zufälligem oder etwas, das nur getan wird, um Spaß zu haben. Für kleine Kinder stellt das Spiel ihre wichtigste Beschäftigung dar und "Spielen" und "Lernen" lassen sich im Vorschulalter nicht voneinander trennen.

Wenn Eltern daher verunsichert sind und sich besorgt fragen, ob ihr Vorschulkind auch genug lernt, oder wenn Nachrichten über Lernfenster, die sich nur für kurze Zeit öffnen, durch die Presse geistern, kann der Hinweis helfen, dass es keine bessere Möglichkeit der Förderung gibt, als Kinder ausreichend Zeit und Raum für das sogenannte "freie" Spiel zu bieten, in dem sie selbstbestimmt die Welt entdecken können.

Spielen ist der Beruf des Kindes

Im Spiel be-"greifen" Kinder die Welt und eignen sie sich an. Spielende Kinder lernen die Welt kennen. Dazu gehören viele unverzichtbare soziale, emotionale, kognitive und motorische Erfahrungen, die allein oder im gemeinsamen Spiel mit Gleichaltrigen trainiert werden. Zum Beispiel
  • Alltagskompetenz, also das Wissen über alltägliche Gegenstände, Materialien und Zusammenhänge. Im Spiel lernen Kinder wie die Dinge funktionieren, wie sie gebraucht werden und welchem Zweck sie dienen.
  • Das Entwickeln fein- und grobmotorischer Fähigkeiten, etwa beim Laufen, Springen, Klettern, aber auch beim Schneiden, Basteln oder Perlenstecken
  • Das Erlernen sozialer Fähigkeiten wie Rücksichtnahme, Regeln kennen und beachten, Verantwortung übernehmen, Konfliktfähigkeit, Zuhören
  • Ein Gefühl für die eigene Persönlichkeit mit ihren individuellen Stärken, Grenzen und Potentialen. So entwickeln sich Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl.
  • Kognitive Fähigkeiten wie Kreativität, Fantasie, Abstraktionsvermögen, logisches Denken
  • Emotionale Fertigkeiten trainieren wie Geduld, Empathie, mit Enttäuschungen klarkommen, Ausdauer
All diese Fähigkeiten müssen Kinder im Spiel selbst erfahren. Anders als das Alphabet oder die Zahlen von eins bis Zehn können Eltern ihren Kindern nicht beibringen, wie sie lernen, Wissen erwerben und die Welt erfahren können. Das ist auch gar nicht nötig, denn die Freude am Spiel und die Neugier auf die Welt ist Kindern angeboren. Sie haben ein ureigenes Interesse daran, sich benötigte Fähigkeiten anzueignen. Gebraucht werden Mütter und Väter natürlich trotzdem. Ihre Aufgabe ist es,
  • als Gesprächspartner präsent zu sein
  • für eine anregende Umgebung zu sorgen
  • gelegentlich Anregungen zu liefern
  • gelegentlich als Mitspieler zu dienen.
Förderlich für das kindliche Spiel ist außerdem ausreichend Zeit. Wer ständig ausgebucht ist, weil Musikschule, Schwimmkurs, Fußballminis und andere Nachmittagsaktivitäten anstehen, dem fehlt ganz einfach die Zeit zum Spiel. Eine Empfehlung lautet daher, Nachmittagsaktivitäten auf höchstens zwei Kurse pro Woche zu beschränken. Keine Angst auch vor Langeweile - nur wenn Kinder auch mal Leerlauf haben, werden sie angeregt, eigene Ideen zu entwickeln!

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