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Kreativität bei Kindern

Über kognitive Prozesse und kindgerechte Förderung

Ein Kind hat sich mit Pinsel und Farbe die Hand bunt angemalt und streckt diese lächelnd nach oben
Entwicklung und Erziehung
© cookie_studio auf Freepik
von Dr. Birgit Ebbert

Kreativität ist eine Kernkompetenz für die erfolgreiche Bewältigung des Lebens. Doch wie können Kinder ihre Kreativität am besten entdecken und wie können Eltern diese fördern ohne Druck aufzubauen? Tipps dazu finden Sie hier!

Lesedauer:
5 min

Kreativität – viel mehr als Basteln und Bilder schneiden

„Kreativität“ zählt heute zu den wichtigsten Fähigkeiten für ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben. Kaum eine Stellenanzeige kommt ohne diesen Begriff aus. Bereits im Jahr 2009 wurde sogar ein Europäisches Jahr der Kreativität und Innovation ausgerufen. Denn Innovation ist ohne kreative Denkprozesse nicht möglich.

Kreativität ist jedoch keine Tätigkeit wie Malen oder Basteln – sie ist eine Denk- und Haltungskompetenz. Die Psychologie unterscheidet zwischen:

  • konvergentem Denken (logisch, an Regeln orientiert)
  • divergentem Denken (Quer- und Um-die-Ecke-Denken)

Genau dieses divergente Denken ist die Basis für Kreativität. Es macht möglich, neue Verknüpfungen zu entdecken und ungewöhnliche Lösungen zu finden – unabhängig vom Material oder Fach.

Ein kreativer Prozess braucht Zeit, Offenheit und ein unterstützendes Umfeld. Dies gilt für Kinder und gleichwohl für Erwachsene. Genau das beleuchten die folgenden Abschnitte.

Der kreative Prozess: vier Phasen bis zur Idee

Neue Ideen entstehen nicht zufällig. Kreativität folgt einem vierphasigen Prozess, der nicht beschleunigt werden kann:

1. Vorbereitungsphase (Präparation)

Zuerst wird die Aufgabe klar umgrenzt.

  • Welche Frage soll beantwortet werden?
  • Welche Informationen werden benötigt?
  • Welche Ziele sind wichtig?

Man sammelt Material, liest, recherchiert – im Kopf oder schriftlich, je nach Projekt.

2. Inkubationsphase – das „Gären“ der Idee

Von außen wirkt diese Phase wie Untätigkeit.
Doch im Innern läuft der Denkprozess weiter:

  • das Gehirn verknüpft Wissen
  • ordnet Umstände
  • filtert Ideen unbewusst

Oft hilft es sogar, nicht bewusst an das Thema zu denken. Der Denkprozess arbeitet im Hintergrund weiter.

3. Illumination – der Aha-Moment

Plötzlich ist sie da: die Idee.
Oft zu den ungewöhnlichsten Momenten:

  • kurz vor dem Einschlafen
  • unter der Dusche
  • beim Spülen
  • beim Spazierengehen

Entspannte Zustände fördern diesen Durchbruch – weshalb kreative Menschen meist Stift oder Handy griffbereit haben.

4. Verifikation – Prüfung und Ausarbeitung

Nun wird die Idee bewertet:

  • Passt sie zur Aufgabe?
  • Ist sie umsetzbar?
  • Muss sie ergänzt oder angepasst werden?

Hier entstehen häufig weitere Einfälle. Nicht selten beginnt die Inkubation erneut – bis die endgültige, wirklich gute Idee entsteht.

Voraussetzungen für Kreativität: Offenheit, Mut & Zeit

Kreativität entsteht nur, wenn auch das Umfeld stimmt. Sie braucht:

  • Offenheit für Neues
  • Zeit zum Denken
  • Fehlerfreundlichkeit
  • Neugier
  • Freiraum für Abwegiges

Kinder, die ausgelacht, kritisiert oder in feste Bahnen gedrängt werden, verlieren oft den Mut zum kreativen Denken. Kreativität kann verkümmern, wenn ungewöhnliche Gedanken ständig abgewertet werden. Deshalb sollten Eltern darauf achten, ihren Kindern ein gutes Umfeld zum kreativen Denken zu gewähren.

Ein gutes Umfeld zeichnet sich aus durch:

  • die Bereitschaft, ungewöhnliche Ideen ernst zu nehmen
  • Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
  • Erlaubnis, Fehler zu machen
  • positive Reaktionen auf unkonventionelle Gedanken

Kinder entwickeln Kreativität von Geburt an. Erwachsene haben die Aufgabe, diese Entwicklung zu begleiten, nicht zu begrenzen.

Inspiration und frische Ideen für kreative Kinder

Diese Bücher und Kreativprodukte regen die Neugier und Schaffenskraft bei Kindern super an:

Kreativität im Schulalltag: mehr Raum für neue Ideen

In der Schule ist der Freiraum für Kreativität oft begrenzt: Lehrpläne, Stoffdruck, Lernstandserhebungen. Dennoch lässt sich Kreativität fördern. Eltern können Gespräche mit den Lehrkräften oder den Elternabend nutzen, um über die angewandten kreativen Freiräume im Unterricht zu sprechen.

Falls Sie mir einer Lehrkraft über Ideen und Möglichkeiten sprechen möchten, finden Sie hier eine kleine Handreichung, wie der Unterricht als gutes Umfeld zum kreativen Denken gestaltet werden kann:

Möglichkeiten im Unterricht – Input für Gespräche mit Lehrkräften:

  • Abwegige Ideen zulassen (z. B. in Textanalysen)
  • Kreative Schreibanlässe geben:
    • „Warum tragen Kaninchen keinen Schmuck?“
    • „Warum verlegen Ameisen keine Eisenbahnschienen?“
  • Ungewöhnliche Kombinationen zulassen:
    • Was passiert, wenn Harry Potter auf Spongebob trifft?
  • Freiräume vor Ferien und Zeugnissen nutzen
  • Mindmaps, Brainstormings und Assoziationsketten einsetzen
  • Kreative Projekte: Klassenräume gestalten, Ideen für Feste, Klassenausflüge, Geschenke

Kreativität entsteht dort, wo Eltern und Lehrkräfte neugierig bleiben und offen reagieren.

 

Zuletzt geändert am 23.03.2026

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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Birgit Ebbert

Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und als Diplom-Pädagogin seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Neben Kinderbüchern und Krimis schreibt sie Elternratgeber, Lernhilfen, Vorlesegeschichten und Bücher über kreatives Arbeiten mit Papier.

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