Über den Autor/die Autorin

Dr. Birgit Ebbert

Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und Lernbegleiterin und seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Als Diplom-Pädagogin und Lerntherapeutin unterrichtet sie Schüler in ihren Lerncentern Die Lernbegleiter und als Autorin schreibt sie vom Krimi bis zum Elternratgeber alles, was ihr Spaß macht und wichtig erscheint.

Diabetes-Kinder in der Schule

von Dr. Birgit Ebbert



© Sergey Lavrentev - Fotolia.de

Diabetes-Kinder – ein Leben mit Insulin und Schokolade


Diabetes, der Name der auch als Zuckerkrankheit bekannten Erkrankung ruft bei vielen Menschen Mitleid und Unsicherheit hervor. Die Ursachen für die Entwicklung einer Diabetes sind vielfältig und vielschichtig, daher ist es wichtig, Vorurteilen wie "du hast wohl zu viel Süßigkeiten gegessen" entgegenzuwirken. Dank moderner Medizin und guter Einführung von Eltern und Kindern hat sie für die Betroffenen heute jedoch viel von ihrem Schrecken verloren.
Pädagogen wissen oft jedoch nicht, wie sie mit einem Kind umgehen sollen, das an Diabetes erkrankt ist. Sie fragen sich, ob diese Kinder wirklich keine Schokolade essen dürfen und ob sie selbst am Ende gar Insulin spritzen müssen?

Mithilfe dieses Artikels soll diese Unsicherheit genommen werden, denn am besten helfen sie Schülern, die an Diabetes erkrankt sind, wenn sie sie so normal wie möglich behandeln.
Daher wird in Kapitel 2 kurz vorgestellt, was Diabetes eigentlich bedeutet. Im Mittelpunkt von Kapitel 3 stehen Situationen aus dem Schulalltag, in denen Diabetes-Schüler u. U. besondere Aufmerksamkeit verlangen bzw. Pädagogen wissen sollten, wie sie sich verhalten müssen.
Kapitel 4 schließlich enthält Hinweise auf Bücher und Internetseiten, mit deren Hilfe Sie sich umfassender informieren können, wenn Sie z. B. eine Unterrichtsstunde zum Thema Diabetes vorbereiten möchten.


Diabetes-Kinder in der Schulklasse


Diabetes hat sich zu einer Volkskrankheit entwickelt, vor der niemand geschützt ist. Ursache der Erkrankung ist eine Störung im Stoffwechselprozess im Körper. Der Körper kann Insulin entweder nicht mehr herstellen oder nicht mehr richtig verarbeiten. Man unterscheidet zwei Typen Diabetes:
  • Typ 1 wird meist bei Kindern oder Jugendlichen diagnostiziert, hier liegt eine Störung der Insulinproduktion im Körper vor. Vor allem Kohlenhydrate können vom Körper nicht mehr genügend verwertet, also umgewandelt, werden. Der dadurch entstehende Insulinmangel führt zu einem Anstieg des Blutzuckers. Um den Kreislauf im Körper in Gang zu bringen, müssen Typ 1-Diabetiker üblicherweise ihr Leben lang Insulin spritzen. Ca. 10 % aller Diabetiker gehören zu dieser Gruppe.
  • Typ 2 ist auf eine Störung der Wirkung des Insulin zurückzuführen, auch Insulinresistenz. Diese Form der Diabetes wurde früher als Altersdiabetes bezeichnet, sie wird jedoch zunehmend auch bei Kindern festgestellt. Ursache hierfür sind oft Übergewicht, Bewegungsmangel und eine erbliche Belastung. Typ 2-Diabetiker werden häufig mit Tabletten behandelt, die um eine Diät und ein Bewegungsprogramm ergänzt werden.
Die Erkrankung an Diabetes bedeutet für die Kinder mit Typ 1-Diabetes meist keine Veränderung der Essgewohnheiten, zumindest, wenn sie sich schon vorher gesund und ausgewogen ernährt haben. Sie dürfen auch zuckerhaltige Speisen essen, allerdings in Maßen. Dabei ist das Verhältnis zwischen Insulin und gegessenen Kohlenhydraten entscheidend. Die Kohlenhydrate werden üblicherweise in Broteinheiten (BE) umgerechnet, eine BE entspricht ca. 10 bis 12 g verwertbare Kohlenhydrate.

Kinder, bei denen eine Diabetes diagnostiziert wurde, werden zusammen mit ihren Eltern geschult, damit sie diesen Zusammenhang einschätzen können und damit sie lernen, ihren Insulinbedarf auf ihre körperliche Aktivität und ihre Mahlzeiten abstimmen. In dieser Schulung erfahren die Kinder auch, die Symptome einer Unterzuckerung wahrzunehmen. Diese kann durch eine zu geringe oder verspätete Nahrungsaufnahme, eine verstärkte körperliche Aktivität oder eine zu hohe Insulindosis hervorgerufen werden. Anzeichen dafür sind z. B. Schwitzen, Blässe, Zittrigkeit, Unaufmerksamkeit. In dieser Situation müssen die Kinder rasch zuckerhaltige Nahrungsmittel, z. B. ein Stück Traubenzucker oder ein Glas Limonade, zu sich nehmen. Dann beruhigt sich der Körper wieder. Es besteht auch die Möglichkeit einer Überzuckerung, sie ist jedoch nicht so gefährlich, auch wenn sie im Unterricht u. U. zu Konzentrationsproblemen führen kann.
Grundsätzlich gilt jedoch, dass Diabetes-Kinder im Unterricht ebenso belastbar sind wie andere Kinder, auch im Sportunterricht.
Allerdings müssen sie jederzeit die Möglichkeit haben, im Unterricht zu essen oder zu trinken, auf die Toilette zu gehen und ihren Blutzuckerspiegel zu messen und ggf. auch Insulin zu spritzen. Vor allem vor dem Sportunterricht sollten sie den Blutzucker messen. Diese Ausnahmeregeln sollten Sie den anderen Schülern erklären, damit kein Unmut entsteht, den die Diabetes-Kinder ausbaden müssen.


Besondere Situationen und Notfälle


Auch wenn Diabetes-Kinder genauso belastbar sind wie die anderen Schüler, so gibt es doch Situationen, in denen besondere Regelungen erforderlich sind.
Das gilt vor allem für Aktivitäten außerhalb der Schule, z. B. eine Klassenfahrt, ein Ausflug oder eine Exkursion. Hier sollten sich Pädagogen, Eltern und Kinder abstimmen, viele ältere Kinder und Jugendliche können bereits selbst Insulin spritzen und sind nicht auf die Hilfe Erwachsener angewiesen. Falls das nicht der Fall ist, empfiehlt es sich, dass ein Elternteil das Kind begleitet, um eine sachgerechte Behandlung sicherzustellen.

Falls Sie oder Mitschüler eine Unterzuckerung des Kindes wahrnehmen, sorgen Sie dafür, dass es umgehend ein Stück Traubenzucker isst oder ein zuckerhaltiges Getränk zu sich nimmt. Am besten ist es, Sie haben für den Notfall ein Päckchen Traubenzucker in Tasche, im Pult oder in der Sporthalle. In der Regel erholt sich das Kind nach 5 bis 10 Minuten wieder, allerdings sollten Sie es im Blick behalten und auf keinen Fall alleine nach Hause schicken.

Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich, wenn das Kind krank ist und sich z. B. erbricht, hier besteht die Gefahr, dass es das Insulin oder den Traubenzucker nicht bei sich behält. Sie sollten mit den Eltern von Anfang an klären, wer in solch einem Fall zu Rate gezogen wird, die Eltern, der Notdienst, ein bestimmter Arzt oder ein Diabetes-Team, falls es in Ihrem Ort eines gibt. Diese Information hilft auch dann weiter, wenn das Kind z. B. den Insulinpen verloren hat oder er kaputt gegangen ist.

Ein besonderer Notfall ist die sog. Hypoglykämie, das ist eine extreme Unterzuckerung, die bis zur Bewusstlosigkeit führen kann. Hier gilt es sofort einen Notdienst zu alarmieren, da die Aufnahme von Insulin in dem Fall gut dosiert werden muss. Als Erste Hilfe sollten Sie das Kind in die stabile Seitenlage bringen und dafür sorgen, dass es frei atmen kann und nicht z. B. an Erbrochenem zu ersticken droht. Gründe für eine Hypoglykämie können das Auslassen einer Mahlzeit, übermäßige körperliche Aktivitäten, eine zu große Insulindosis oder Alkoholkonsum sein. Kinder und Jugendliche mit Diabetes sind in der Regel so daran gewöhnt, ihren Blutzuckerspiegel im Blick zu behalten, dass mit einem solchen kaum zu rechnen ist.


Links & Literatur


Links
Literatur
  • Peter Hürter, Karin Lange: Kinder und Jugendliche mit Diabetes. Medizinischer und psychologischer Ratgeber.
    Berlin: Springer Verlag 2004 - Ratgeber für Eltern von Diabetes-Kindern
  • Wolfgang Hecker, Bela Bartus: Diabetes bei Kindern. Der große TRIAS-Ratgeber. Alles Wissenswerte für Sie und Ihre Familie.
    Stuttgart: Karl F. Haug Fachbuchverlag 2002 - Handbuch zur Diabetes von Kindern

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