Über den Autor/die Autorin

Dr. Birgit Ebbert

Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und Lernbegleiterin und seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Als Diplom-Pädagogin und Lerntherapeutin unterrichtet sie Schüler in ihren Lerncentern Die Lernbegleiter und als Autorin schreibt sie vom Krimi bis zum Elternratgeber alles, was ihr Spaß macht und wichtig erscheint.

Nachschlagen – trotz Internet & DVD?

von Dr. Birgit Ebbert



© Robert Kneschke - Fotolia.de
Nachschlagewerke in Buchform haben heute scheinbar ausgedient, selbst der gute alte Brockhaus gehört inzwischen zu einem Medienkonzern. Da stellt sich die Frage, ob es angesichts von mächtigen Suchmaschinen überhaupt noch sinnvoll ist, sich in der Schule mit Nachschlagewerken und Nachschlagen zu beschäftigen. Ist es doch gängige Praxis geworden, dass man in eine Suchmaschine die ganze Frage eingibt anstelle einzelner Stichwörter. Und manchmal erhält man sogar ein Ergebnis, auch wenn Wörter falsch geschrieben werden. Aber eben nur manchmal! Einige Informationen bleiben verborgen, wenn man nicht weiß, wie ein Wort geschrieben wird. Auch da hilft das Internet, jedoch muss man schon wissen wo und wonach man sucht, um das richtige zu finden. Kurzum: Auch im Internetzeitalter ist es noch sinnvoll, sich in der Schule mit Nachschlagewerken und dem Umgang mit ihnen zu beschäftigen, nicht nur aber auch weil die Methodenkompetenz an Bedeutung gewinnt.

In Kapitel 2 werden zunächst die Grundprinzipien von Nachschlagewerken vorgestellt sowie die unterschiedlichen Formen der Nachschlagewerke. Daran schließt sich in Kapitel 3 eine Sammlung von Ideen zur Einführung von Nachschlagewerken in der Schule an, ehe in Kapitel 4 auf interessante Internetseiten zu dem Thema verwiesen wird.

Grundprinzipien von Nachschlagewerken

Nachschlagewerk ist nicht gleich Nachschlagewerk, diese wichtige Erkenntnis sollte am Anfang stehen, wenn über Nachschlagewerke gesprochen wird. Wer wissen möchte, wie der Plural des Wortes "Hund" gebildet oder "Kaleidoskop" in Silben getrennt wird, dem hilft Meyers 25-bändige Enzyklopädie nicht weiter. Dort erfährt er zwar viel über den Hund, dessen Herkunft, Rassen und Lebensweise, doch wenig bzw. gar nichts über die Grammatik des Wortes. Im Wesentlichen kann man folgende Formen der Nachschlagewerke unterscheiden:

  • Wörterbücher, in denen alphabetisch sortiert lediglich Wörter übersetzt oder grammatisch aufbereitet werden,

  • Enzyklopädien, in denen meist alphabetisch sortiert ausführlich Hintergründe erläutert werden, z. T. ergänzt um Fachartikel, die den aktuellen Forschungs- und Kenntnisstand vermitteln,

  • Handbücher, in denen meist inhaltlich gegliedert die Grundlagen eines Themas aufbereitet werden.

Der Begriff "Lexikon" wird sowohl für Enzyklopädien als auch für Wörterbücher verwendet, wobei allerdings nicht zwangsläufig die alphabetische Sortierung eingehalten werden muss, auch wenn der Begriff "Lexikon" umgangssprachlich mit eine alphabetischen Aufbereitung verbunden ist.

Meist besteht ein Nachschlagewerk aus Text- und Bildinformationen, die alphabetisch sortiert sind. Die Sortierung der Begriffe erfolgt nach dem Alphabet und innerhalb eines Begriffes wieder nach dem Alphabet, sodass Aachen eben vor Ahaus steht und Apfelbaum vor Apfelkern. Damit die Nutzer sich schnell in einem Nachschlagewerk zurechtfinden, gibt es sog. Leitwörter, die meist oben auf den Seiten stehen. Sie geben das erste und letzte Wort der Doppelseite an, dadurch weiß der Nutzer schnell, ob es sich lohnt auf der Seite nach seinem Begriff zu suchen oder nicht. Schwierigkeiten haben Schüler immer dann, wenn sie Wörter suchen, die konjugiert, dekliniert oder zusammengesetzt wurden, z. B. "ritt". Hier müssen sie wissen, dass in den Wörterbüchern in der Regel nur der Infinitiv aufgenommen wird. Auch zusammengesetzte Nomen tauchen nicht grundsätzlich auf, hier ist es u. U. erforderlich unter dem Buchstaben des zweiten Wortteils nachzuschauen, um Schreibweise oder Bedeutung herauszufinden. Schließlich werden in Nachschlagewerken häufig Abkürzungen verwendet, hier ist es wichtig zu wissen, dass es ein Abkürzungsverzeichnis gibt, meist am Anfang oder Ende des Buches, und u. U. auch die wichtigsten Abkürzungen auswendig zu lernen. Nachschlagen ist also kein Buch mit sieben Siegeln, aber dennoch sind ein paar Grundkenntnisse und Tricks nützlich, um sich schnell und effektiv zurechtzufinden.


Nachschlagen lernen... ... in der Schule

Sobald Kinder das Alphabet vollständig beherrschen, können sie lernen mit einem Nachschlagewerk umzugehen. Allerdings tun sie sich häufig noch schwer damit, von einem beliebigen Buchstaben weiter im Alphabet zu gehen. Sie beginnen immer wieder von vorne, daher beherrschen sie die erste Hälfte oftmals besonders gut, denn in der zweiten Hälfte lässt die Konzentration nach. Das bedeutet aber, dass es in den ersten Klassen wichtig ist, dass die Kinder trainieren, das Alphabet von einem beliebigen Buchstaben aus weiterzugehen, z. B. durch Schreib-Aufgaben oder sogar durch Geh-Aufgaben, bei denen sie für jeden Buchstaben einen Schritt machen dürfen. Viel Spaß macht Kindern in der Grundschule auch das Sortieren von Begriffen nach dem Alphabet, auch das kann auf einem Arbeitsblatt geschehen, auf das die Schüler die Wörter in der richtigen alphabetischen Reihenfolge schreiben müssen, aber auch als Spiel auf dem Pausenhof: Dann erhält jedes Kind eine Bild- oder Wortkarte und die Kinder müssen sich in der Reihenfolge des Alphabets aufstellen. Diese Übung kann nebenher erfolgen oder als Auftakt zu einer Wanderung o. ä.
Doch das sind nur Vorstufen für das eigentliche Nachschlagen, das ohne Nachschlagewerk nicht möglich ist. Da in den meisten Grundschulklassen ein Grundschulwörterbuch vorhanden ist, kann dies auch gleich genutzt werden, um kleine Aufgaben zu lösen, z. B. zwischen welchen Wörtern steht das Wort "Bär" oder welche Wörter stehen links und rechts oben auf der Seite, auf der "Kuh" steht. Diese Übungen lassen sich in Gruppen oder an Stationen lösen. Das gilt ebenso für Personalformen von Verben oder zusammengesetzte Nomen. Solche Übungen müssen nicht unbedingt im Deutschunterricht stattfinden, sie können auch in den Sachunterricht, z. B. am Anfang oder Ende einer Unterrichtseinheit eingebunden werden.
Ein Erfolgserlebnis auch für die Rechtschreibung verspricht den Kindern die Arbeit am Nachschlagewerk, wenn die Merkwörter mit "V" behandelt werden. Lassen Sie eine Gruppe die Wörter mit "ver", eine andere die Wörter mit "vor" und wieder eine andere Gruppe die Wörter ohne "ver" oder "vor" zählen. Das Aha-Erlebnis, dass fast alle "v"-Wörter mit "vor" oder "ver" geschrieben werden ist groß und hilft auch langfristig beim Schreiben der "v"-Wörter.

Während die Grundlagen des Nachschlagens in der Grundschule vermittelt werden, sollte diese Fähigkeit auch in den weiterführenden Schulen gefördert und gefordert werden. Hier ist es wichtig, dass die Schüler auch wirklich im Nachschlagewerk und nicht nur im Internet nachschauen. Eine Kontrollmöglichkeit dafür kann sein, dass die Schüler zu dem nachzuschlagenden Begriff, sei es ein Tier oder ein Autor, immer auch die vorher und nachher stehenden Begriffe sowie die Leitwörter nennen müssen. Das lenkt ihre Aufmerksamkeit auf die Systematik von Nachschlagewerken und verhindert, dass sie sich die Suche zu einfach machen. Das heißt nicht, dass das Internet nicht auch seine Qualitäten hat und einbezogen werden sollte, für das Trainieren der Methode "Umgang mit Nachschlagewerken" ist es jedoch nur begrenzt sinnvoll.


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