Über den Autor/die Autorin

Dr. Birgit Ebbert

Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und Lernbegleiterin und seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Als Diplom-Pädagogin und Lerntherapeutin unterrichtet sie Schüler in ihren Lerncentern Die Lernbegleiter und als Autorin schreibt sie vom Krimi bis zum Elternratgeber alles, was ihr Spaß macht und wichtig erscheint.

Suchtprävention

von Dr. Birgit Ebbert



© Christian v. Massow - Photocase.com
Stärkung der Persönlichkeit statt Abschreckung Suchtprävention oder Suchtvorbeugung ist kein neues Thema, was jedoch als Drogenvorbeugung mit abschreckenden Filmen von Raucherbeinen begann ist zu einer Förderung der Lebenskompetenzen geworden, die nicht nur vor Sucht schützt, sondern hilft, das Leben und sein Auf und Ab zu meistern.

Im Mittelpunkt der heutigen Suchtprävention, die bereits im Kindergarten beginnt, steht die Stärkung der Persönlichkeit des Kindes. Ein Schüler soll Suchtmittel nicht ablehnen, weil er Angst vor den gesundheitlichen Folgen hat, sondern weil er es wagt, sich gegen die Gruppe zu stellen. Eine schwere Aufgabe, das Beispiel zeigt jedoch schon, dass es viele Überschneidungen z. B. mit der Entwicklung der Demokratiefähigkeit und der Gewaltprävention gibt.

Unter Suchtmittel werden auch nicht mehr nur die sog. illegalen Drogen wie Ecstasy, Heroin oder Haschisch und die auch körperlich schädigenden Substanzen wie Tabletten, Zigaretten und Alkohol verstanden. Als Suchtmittel werden alle Mittel angesehen, die Suchtcharakter erreichen können, also deren Konsum jemand aus eigenem Antrieb nicht stoppen kann und von dem er immer mehr haben möchte. Dazu gehören auch Fernsehen, Internet, ja sogar Süßigkeiten oder Essen überhaupt.

Das Ziel ist, die Kinder in ihrer Persönlichkeit so zu stärken, dass sie in kritischen Situationen eine Lösung unabhängig von einem Suchtmittel finden, dass sie ein Verhalten rechtzeitig stoppen können, dass sie sich nicht verführen lassen und wenn, sich damit auseinandersetzen und ihr Verhalten zu reflektieren. Suchtprävention ist also eigentlich nichts anderes als eine gezielte Förderung der Kinder im Hinblick auf ein selbst bestimmtes und verantwortungsvolles Verhalten sich selbst und anderen gegenüber.

Das ist im Rahmen der Institution Schule und im Unterricht nur schwer zu erreichen, dennoch kann es gelingen wie Kapitel 2 zeigt. Allerdings gibt es Ansprechpartner auf unterschiedlichen Ebenen und in Institutionen, die Lehrer und Schulen in diesem Vorhaben unterstützen, diese werden in Kapitel 3 vorgestellt. Kapitel 4 schließlich ist den weiterführenden Hinweisen auf Bücher und Internetseiten vorbehalten.

Suchtprävention in Schule & Unterricht Suchtprävention in der Schule ist insofern schwierig, als durch Bewertungen und Benotungen die erwünschte Ich-Stärke des Schülers zugleich beeinflusst und trainiert wird. Hier ist Fingerspitzengefühl erforderlich, damit der Schüler sich von schlechten Leistungen nicht in seinem Selbstwert beschädigt fühlt und durch gute Leistungen gestärkt wird. Suchtprävention im eigentlichen Sinne setzt daher ein Schulprogramm voraus, das die Stärken des Schülers fördert und an den Schwächen gemeinsam mit ihnen arbeitet. Ein solches Konzept ist oftmals aus unterschiedlichen Gründen nicht umsetzbar. Dennoch gilt auch hier, dass steter Tropfen den Stein höhlt und jede Situation, in der die Schüler ihr Verhalten reflektieren, über Sucht und ihre Hintergründe sprechen, über ihre Wege, mit Enttäuschungen umzugehen und sich dem Druck einer Gruppe zu widersetzen, ein kleiner Schritt auf dem Weg zur Stärkung gegenüber Suchtmitteln ist.

Solche Anregungen sind auf ganz unterschiedliche Weise möglich, das kann ein Gespräch aus Anlass eines aktuellen Vorfalls sein, z. B. wenn Drogen auf dem Schulhof gefunden werden, wenn ein Schüler betrunken in den Unterricht kommt oder auf der Klassenfahrt Alkohol konsumiert sind, sogar fehlende Hausaufgaben können eine Startthema sein, wenn sie Opfer der Computerspielbegeisterung wurden. Da solche Situationen nur schwer gezielt herbei geführt werden können, empfiehlt es sich, sie stellvertretend mithilfe von Medien, z. B. Jugendbüchern, Spielfilmen, Theaterstücken, Comics etc. zur Sprache zu bringen. Tipps für aktuelle Angebote dieser Art sind üblicherweise bei den in Kapitel 3 vorgestellten Anlaufstellen erhältlich.

Auch wenn in einer Schule kein Gesamtkonzept für die Suchtprävention entwickelt wird oder werden kann, so sollten dennoch Regeln für den Konsum von Suchtmitteln in der Schule aufgestellt werden. Denn am leichtesten ist die Vorbeugung da, wo gar keine Gefährdung vorhanden ist!

Wir sind nicht allein Institutionen und Experten der Suchtprävention Suchtprävention ist ein so komplexes Thema, dass der einzelne Lehrer oder die einzelne Schule damit manchmal überfordert ist und Unterstützung benötigt. Daher gibt es in der Regel in den weiterführenden Schulen einen Lehrer, der sich speziell mit dem Thema beschäftigt, Informationen sammelt, Projekte iniitiert und koordiniert und z. B. auch darauf achtet, dass die Schulordnung auch Regelungen zum Suchtmittelkonsum enthält. Das ist nicht immer eine leichte Aufgabe, da Suchtprävention immer auch die Reflexion des eigenen Verhaltens einschließt, das gilt auch für die Lehrer. Diese Lehrer, die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich benannt werden, Suchtpräventionslehrer, Suchtbeauftragter u. ä., halten in der Regel auch den Kontakt zum Suchtbeauftragten der Stadt oder des Kreises, manchmal sogar zum Ansprechpartner für die Kriminalitätsvorbeugung bei der Polizei.

Suchtprävention ist eben nicht in einem abgeschirmten Umfeld möglich, Gesellschaft und Elternhaus spielen eine ebenso wichtige Rolle wie die Schule. Je enger alle zusammenarbeiten, umso größer ist die Chance, dass Schüler auch nach einem Vorfall schnell aufgefangen werden, um eine langfristig negative Entwicklung zu verhindern.

Neben den Ansprechpartnern in der Schule und der Stadt gibt es sog. Landesstellen gegen Suchtgefahren, die Medien und Informationsmaterial bereithalten, z. T. aber auch projektbezogen in die Schule kommen und Schulungen rund um die Suchprävention anbieten. In manchen Bundesländern sind auch Jugendschutzorganisationen in diesem Bereich tätig und Materialien zur Information und für Projekte können außerdem bei der
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bestellt werden.

Links & Literatur Links

Sammlung von Projekten:
http://www.dfi-luzern.ch/index.php?id=293

Ausführliche Ausarbeitung der Facetten der Suchtprävention:
http://www.praevention.at/seiten/index.php/nav.14/view.334/level.3/


Literatur

Andreas Robra: Das SuchtSpielBuch. Spiele und Übungen zur Suchtprävention in Kindergarten, Schule, Jugendarbeit und Betrieben. Seelze 1999
Umfangreiche Sammlung von Anregungen für die Praxis von Tipps für die Elternarbeit über Spiele und Spielaktionen bis zu größeren Projekten

Eckhard Schiffer: Warum Huckleberry Finn nicht süchtig wurde. Weinheim: Beltz 1999
Essay über die Entstehung von Süchten und die Prävention durch Gesellschaft, Elternhaus und Schule

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