Über den Autor/die Autorin

Dr. Birgit Ebbert

Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und Lernbegleiterin und seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Als Diplom-Pädagogin und Lerntherapeutin unterrichtet sie Schüler in ihren Lerncentern Die Lernbegleiter und als Autorin schreibt sie vom Krimi bis zum Elternratgeber alles, was ihr Spaß macht und wichtig erscheint.

Linkshänder

von Dr. Birgit Ebbert



© Harald07 - Fotolia.de

Linkshänder – anders schreiben – anders denken?


Wussten Sie, dass der 13. August der Linkshändertag ist? Angesichts der Fülle von Materialien, die es für Linkshänder gibt, sollte man meinen, dass Linkshänder längst gut integriert und kein Thema mehr sind. Hört man jedoch manchen Omas und Opas zu, stellt man fest, dass ihnen immer noch das "Nimm das brave Händchen!" herausrutscht, mit dem in den 60er und 70er Jahren die Linkshänder zu Rechtshändern "umerzogen" wurden. Dabei weiß man noch immer nicht, wieso der eine Mensch in seinen Bewegungen eher linksorientiert ist und der andere eher rechtsorientiert.

Wichtig ist, darüber sind sich zum Glück Pädagogen und Wissenschaftler einig, dass jeder Mensch seinen Weg gehen muss und dass man ihn nicht zwingen darf, sich umzuorientieren. Das bedeutet, dass die Erwachsenen im Umfeld schon frühzeitig darauf achten sollten, ob ein Kind eher mit links oder rechts nach der Rassel greift, ob es von sich aus mehr mit dem rechten oder linken Fuß tritt, ob es mit der rechten oder linken Hand auf etwas zeigt. Selbstverständlich gibt es auch für die Händigkeit Tests, doch meist wissen die Kinder selbst und ihre Eltern genau, wo der Schwerpunkt ist, weil ein Kind sich mit der "falschen" Hand ungeschickter anstellt, während es mit seiner "richtigen" Hand zielsicher und geschickt ist.

Besonders, wenn ein Kind beginnt zu malen oder zu "schreiben", also Buchstaben oder Zahlen abzuzeichnen, sollte man darauf achten, dass es lernt, dass in westlichen Ländern die Schreibrichtung von links nach rechts verläuft. Kinder, denen häufig vorgelesen wurde, haben das oftmals schon verinnerlicht. Es lohnt sich aber, einen Blick darauf zu werfen, damit das Kind sich gar nicht erst eine falsche Schreibrichtung angewöhnt und sich in der Schule umgewöhnen muss.

Denn gerade in der Schule wird die Linkshändigkeit manchmal lästig. Mit ein paar kleinen Tricks kann man dieses scheinbare Problem jedoch leicht beheben wie Kapitel 3 zeigen wird. Oftmals sind es nämlich gar nicht die großen Dinge, die Linkshändern das Leben schwer machen, schließlich sind sie genauso klug, geschickt, kreativ, lebensfroh etc. wie Rechtshänder.

Meist reicht es, ihnen statt der üblichen Schere, eine Linkshänderschere oder statt der herkömmlichen Gitarre eine Linkshändergitarre zu geben und sie sind genauso versiert wie ihre Geschwister, Freunde oder Klassenkameraden. Mehr Beispiele für Linkshändermaterialien werden in Abschnitt 3 vorgestellt. In Abschnitt 4 finden Sie schließlich eine Sammlung nützlicher Links und Bücher zum Thema.

Tipps für Linkshänder in der Schule


Solange Kinder ihren Platz und ihre Tätigkeit weitgehend selbstständig aussuchen können, fällt ihnen ihre Linkshändigkeit zum Teil kaum auf. Kommen sie jedoch in die Schule, werden die Aufgaben meist vorgegeben, es wird viel mit dem Stift gearbeitet und der Sitzplatz ist auch meistens fest.

Auf einmal sitzt womöglich links neben dem Linkshänder ein Rechtshänder und schon stoßen die Ellbogen ständig aneinander. Nun müssen Buchstaben und Zahlen in einer bestimmten Richtung und Reihenfolge geschrieben werden, weil in unserem Kulturkreis die Schreibrichtung nun einmal von links nach rechts verläuft. Das heißt zum einen, das bisher geschriebene wird womöglich verschmiert, wenn man darüber schreibt und - das wir gerade in der Diskussion über Schreibfehler oft außer acht gelassen - der schon geschriebene Teil eines Wortes oder einer Zahl wird verdeckt und ist nicht mehr als Gesamtwort- oder zahlbild sichtbar. Umso wichtiger ist es, linkshändigen Kindern Erleichterungen zu verschaffen, wo immer sie möglich sind.

Das beginnt schon bei der Auswahl des Sitzplatzes. Entweder sollten zwei Linkshänder nebeneinander sitzen oder es sollte darauf geachtet werden, dass das linkshändige Kind links von dem rechtshändigen Kind sitzt. So haben beide Platz genug zum Schreiben. Beim Schreiben ist ferner zu beachten, dass linkshändige Kinder von Anfang an ihr Heft leicht schräg legen, sodass sie das geschriebene Wort oder die Zahl nicht verschmieren und im Ganzen lesen können. Falls das Kind sich schwer damit tut, empfiehlt sich eine spezielle Linkshänderunterlage, auf der eine Rahmen für Heft oder Buch abgebildet ist, oder mit einem abwaschbaren Stift einen Rahmen auf den Tisch zu zeichnen.

Kinder sollten ebenfalls von Anfang an sowohl beim Schreiben von Wörtern oder Zahlen die Schreibrichtung einhalten. Linkshänder schreiben z. T. die Zahlen von hinten nach vorne, also zuerst die Einer und dann die Zehner, Hunderter. Das ist bei kleinen Zahlen noch leicht, bei großen Zahlen, die von links nach rechts gesprochen werden, wird das schwierig und führt zu Vertauschungen und schließlich gewöhnen sich die Kinder auf diese Weise an, Zahlen umzudenken. In dem Moment, wo sie mit dem Taschenrechner arbeiten, führt das zu Fehlern.

Linkshändige Kinder tun sich in der Schule nicht nur beim Schreiben schwer. Gerade die stärker praktisch orientierten Fächer wie Textiles Werken oder Musik können für sie eine Qual werden. Sogar beim Computerunterricht in der Schule kann es zu Problemen kommen, wenn z. B. die Maus auf der rechten Seite der Tastatur liegt - zum Glück kann man diesen Umstand leicht ändern, man sollte die Änderung aber auch zulassen und akzeptieren.

Akzeptanz und Geduld werden von rechtshändigen Lehrern vor allem im Textilen Werken verlangt, ist es doch nicht leicht, einem Linkshänder als Rechtshänder das Häkeln, Stricken oder Nähen beizubringen. Hier ist es durchaus sinnvoll, sich Hilfe im Kollegen- oder Elternkreis zu suchen, damit die linkshändigen Kinder auch diese Technik von Anfang an richtig lernen. Das gilt im Übrigen auch für den Musikunterricht, je nachdem, welches Musikinstrument gelernt wird, ist auch hier ein Umdenken erforderlich, das für Rechtshänder ebenso schwer ist wie das, was von den Linkshändern verlangt wird.

Es gibt auch Linkshänder, die keine Probleme haben, manche Dinge mit der rechten Hand zu machen. Sinnvoll ist, direkt nach der Einschulung mit den Eltern und dem Kind zu sprechen, wo Unterstützung erforderlich ist und wo nicht. In jedem Fall sollten für linkshändige Kinder die erforderlichen Materialien vorhanden sein, da die Kinder ihre Gebrauchsmaterialien meist mitbringen, dürfte dies kein Problem sein. Es empfiehlt sich jedoch, zumindest eine Linkshänderschere für den Notfall in der Schublade zu haben. Das zeigt, dass man als Lehrer um das Problem weiß und gewappnet ist.

Materialien für Linkshänder


In den letzten Jahren hat sich ein breiter Markt für Linkshänder-Materialien entwickelt, wobei manche Dinge wie Linkshänder-Füller und Linkshänder-Scheren sogar Einzug ist das Sortiment eines Schreibwarenhändlers gefunden haben. Andere Materialien dagegen müssen speziell angefertigt werden wie z. B. Musikinstrumente.

Sicher gibt es auch manche Materialien, die nicht unbedingt für Linkshänder entwickelt werden müssten und gelegentlich kann man sich auch leicht selbst helfen, z. B. bei der Linkshänderschreibtischunterlage, die man leicht selbst erstellen kann, indem man das Linkshänderkind auf eine handelsübliche Schreibunterlage mit seinem Lieblingsmotiv ein Heft in der optimalen Schreibhaltung legen lässt und mit einem Stift darum herumfährt.

Vor dem Kauf eines Linkshänder-Produktes ist es also durchaus sinnvoll, darüber nachzudenken, ob das eigentlich nötig ist. Ein Linkshänderkind, das Gitarrespielen lernen möchte, kann ein einer herkömmlichen Gitarre ausprobieren, wie ihm das Spiel am besten liegt, manche Linkshänder drehen die Gitarre einfach um und spannen die Saiten in der umgekehrten Reihenfolge.

Wichtig sind in jedem Fall der schon erwähnten Linkshänder-Füller und die Schere. Inzwischen gibt es auch Linkshänder-Buntstifte, an deren Stelle sich aber durchaus auch andere weiche, dreieckige Buntstifte und Bleistifte eignen. Nützlich ist auch ein Anspitzer für Linkshänder, damit das Kind beim Spitzen nicht immer umdenken muss.

Es gibt übrigens auch Spielzeug, bei dem die Linkshändigkeit berücksichtigt wird, das ist allerdings meist nicht speziell für Linkshänder gedacht, sondern wurde so konstruiert, dass weder die rechte, noch die links Hand benachteiligt wurde. Die Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder in München prämiert jährlich am Linkshändertag solche Spielzeuge.

Links


Sammlung von Informationen und Links einer Ärztin und "Linkshänder-Anwältin"
www.linkshaenderseite.de

Liste zertifizierter Linkshänder-Berater
www.linkshand.menge.cc/LH-Berater.pdf

Forum für Linkshänder mit vielen praktischen Tipps und Erfahrungen
www.linkshaenderforum.org


Literatur


Rolf W. Meyer:
Linkshändig? Rat & Information, Tipps & Adressen.
Hannover: Humboldt 2007

Johanna Barbara Sattler:
Das linkshändige Kind in der Grundschule.
Donauwörth: Auer 2004

Johanna Barbara Sattler:
Linkshändige Kinder im Krippen- und Kindergartenalter.
Donauwörth: Auer 2007

Sylvia Weber:
Linkshändige Kinder richtig fördern.
München: Reinhardt 2008

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