Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Märchen und Sagen in der Grundschule

von Jörg Sauer



© Malena und Philipp K - Fotolia.de
Märchen

Der Begriff des Märchens ist vom mittelhochdeutschen Wort: „maere“ abgeleitet. Das bedeutet so viel, wie:“… Kunde, Erzählung…“ 1.

Das Märchen ist:“…eine kurze Prosaerzählung, die von fantastischen Zuständen und Vorgängen berichtet.“2 Übermenschliche und übernatürliche Kräfte und Mächte beeinflussen das Leben und die Arbeit der Menschen.

So treten Hexen, Zauberer, Teufel,… auf, die entweder Gefahr oder Schutz bringen. Die Tiere nehmen teils typische menschliche Verhaltensweisen an und sprechen. Hölzerne Puppen, Stroh- oder Stofffiguren werden zum Leben erweckt und verhalten sich wie die Menschen.

Jedes Märchen ist geprägt vom Sieg des Guten über das Böse. Meist müssen die Helden Prüfungen oder Bewährungsproben überstehen, um ihr Ziel zu erreichen. Diese bestehen meist aus drei Aufgaben, mit der kompliziertesten am Schluss. Die Zahl „Drei“ nimmt neben einigen anderen Zahlen eine besondere Stellung ein.

Die Märchen lassen sich in zwei Gruppen einteilen:

Volksmärchen

* Klare Struktur mit dem Sieg des Helden
* Heimatliche Stoffe bestimmen sehr oft die Handlung
* Orientalische Themen werden in vereinfachter Form mit genutzt
* Überlieferung mündlich- dadurch ständige Veränderungen
* Sprachwissenschaftler Jacob Grimm (1785- 1863) und Wilhelm Grimm (1786- 1859) sammelten besonders in den Jahren 1812/1815 zwei Bände der Kinder – und Hausmärchen. 1819/1822 erschien ein weiterer Band.
* Unterscheidung der Volksmärchen nach der Handlung möglich (z. B. Zauber- oder Tiermärchen)


Kunstmärchen

* Grundlage bilden die Volksmärchen
* Im Kunstmärchen werden: “den einzelnen Figuren und Begebenheiten eine tiefere Bedeutung" 3 verliehen.
* Wichtige Vertreter sind u. a.: E.T. A. Hoffmann, Wilhelm Hauff, Hans Christian Andersen


Weitere Informationen finden Sie unter dem folgendem Link:
http://www.suite101.de/content/volks-und-kunstmaerchen-a57392


Sagen

Darunter versteht man eine mündlich weiter gegebene Erzählung, die auf „einer für wahr gehaltenen oder auf einem wahren Kern beruhenden Begebenheit“4 basiert. Sagen unterlagen durch diese „Übermittlungsweise“ ständigen Veränderungen. So kam es zu Ergänzungen oder Weglassungen.

Die Helden der Sagen sind u. a. Riesen, Ritter, Zwerge, übermenschliche oder übernatürliche Erscheinungen.

Sagen lassen sich klassifizieren, nach den
Arten der Sagen

Natursagen
* Verarbeitung von besonderen Naturereignissen bzw. Erscheinungen
* Beispiele: Irrlichter bei Annaberg und Scheibenberg, Geschichten vom Schneeberger Berggeist

Heldensagen
* Verarbeitung von Stoffen, die bedeutende „Helden“ eines bestimmten Zeitalters und einer Region zum Thema haben
* Beispiele: Sagen des klassischen Altertums oder die Nibelungensage

Geschlechtersagen
* Verarbeitung von Stoffen rund um ein bekanntes Herrschergeschlecht
* Beispiel: Der treue Rat von Freiberg (Aus der Geschichte der Wettiner)

Wandersagen
* Motiv wird übernommen
* Anpassung an landschaftliche und zeitbedingte Eigenschaften
* Beispiel: Harrassage und Roßtrappe
* Motiv: Sprung vom Felsen, um den Verfolgern zu entkommen
* Roßtrappe- handelt im Harz am Fluss Bode
* Harrassage- handelt im Erzgebirgsvorland am Fluss


Unterrichtsideen

Immer mehr Kinder kennen besonders Märchen vorzugsweise von filmischen Versionen. Die literarische Vorlage ist ihnen somit wenig geläufig. Hier haben wir nun die Gelegenheit zum Eingreifen, zum Beeinflussen. Das Beschäftigen mit den Märchen sowie später mit den Sagen schafft zum einen eine besondere Atmosphäre und zum anderen öffnet es für so manch einen das Tor, um sich intensiver (manchmal auch zeitverzögert) mit Literatur der unterschiedlichsten Art zu beschäftigen.

Im folgenden Abschnitt stelle ich einige selbst erprobte Ideen vor, die sich bewährt haben.

Das tägliche Fünf- Minuten- Vorlesen

* besonders in der Klasse 1
* zu Beginn oder/und am Ende eines jeden Unterrichtstages

Für das ein oder andere Kind ist das stille Zuhören beim Vorlesen eine völlig neue Erfahrung. Wer dies noch nicht kennt, der muss behutsam heran geführt werden.

Tipp: Entsprechend dem Lesefortschritt können die Kinder das Vorlesen phasenweise übernehmen.


Märchenbücherausstellung im Klassenverband

* Mitbringen der eigenen Märchenbücher
* ggf. Kurzvorstellung mündlich und Anfertigen eines Klappkärtchens
* Beispiel der Vorderseite: Auf das Kärtchen kann auch ein passendes Bild gemalt oder geklebt werden.



Märchenkiste

* Gestalten eins Schuhkartons
* im Karton verschiedene Gegenstände sammeln, die Bezug zum Märchen haben

Beispiel Rumpelstilzchen:
* Dose mit Mehl – Müller, Müllerstochter
* Stroh – Stroh zu Gold spinnen
* Ring – Lohn für Rumpelstilzchen
* Krone – Müllerstochter wird Königin
* Strampelanzug – Rumpelstilzchen will das Kind


Märchen Erzählteppich

* Vorlesen
* zu jedem Handlungsort ein großes Stück farbiges Krepppapier zuordnen
* Es entsteht ein langer bunter Teppich.
* Kinder malen Personen und Gegenstände aus dem Märchen
* Diese werden dann nach dem erneuten Vorlesen oder Erzählen den Handlungsorten zugeordnet.

Beispiel Schneewittchen:
* Schloss - blau
* Wald – grün
* Haus der Zwerge – orange

Die Kinder entnehmen ihre/ fremde Bilder wieder, versetzen sich in die Märchenpersonen oder den Gegenstand hinein und formulieren einige Sätze, die die Person oder Gegenstand spricht.

Beispiele: „Ich bin der Spiegel der Königin. Ich habe keine Lust mehr jeden Tag zu sagen, dass sie schön ist. Hoffentlich wird die hässliche Tante endlich verbannt und das schöne Schneewittchen kann hier einziehen.“

Ich bin das Zwergenhaus. Seit Schneewittchen da ist, glänze ich jeden Tag. Ich freue mich über die sauberen Möbel und die blitzenden Fenster". Das Märchen wird somit zusätzlich belebt.


Szenisches Spiel

* geeignete Märchen für die Klasse/Klassenstufe auswählen

Beispiel 1:

Klasse 2: Wettlauf zwischen Hase und Igel (Brüder Grimm)

Kleine Tipps:
* Anfertigen von „Szenenbildern“ und Bauen von einfachen Kulissen
* ggf. Einbeziehung der Eltern
* wichtig: mindestens zwei Kinder für jede Rolle auswählen
* Aufführung im geeigneten Rahmen (auf Klassenstufenebene, Schulebene, vor den Eltern, Schulfeste,…)


Beispiel 2:

Bruder Hase (Afrikanisches Volksmärchen)

http://www.oldenbourg-klick.de/zeitschriften/grundschulmagazin/..


Einbeziehung von anderen Fächern

* Bezug zur Mathematik - Die besonderen Zahlen im Märchen

http://www.schulbuchzentrum-online.de/magazin/magazin_artikel.php?id=173


Rätsel lösen und selbst erstellen

Beispiele:
* In welches Tier wurde das Brüderchen verwandelt. Sage es jetzt: Reh
* Nenne uns die beiden berühmten Märchensammler: Brüder Grimm
* Wie heißt die Schwester von Gretel? Es gibt keine. Sie hat nur den Bruder.
* Wie viele Jahre musste Dornröschen schlafen? 100 Jahre
* Nenne den Namen des Zwerges, der Stroh zu Gold spinnen konnte. Rumpelstielzchen
* Rapunzel war lange Zeit in … gefangen. einem Turm


Heimatliche Sagen

* Einstieg mit der Klasse 3 ist günstig

* Auswahl einer Sage, zu denen die Kinder einer gewisse Beziehung haben bzw. aufbauen können (Örtlichkeit, Personen,…) Der Wahrheitsgehalt der Sage lässt sich somit leichter „untersuchen“.

* Künstlerisches Gestaltung der entscheidenden Handlung in der Sage (z. B. der Sprung mit dem Pferd über die Bode in der „Roßtrappe“)

* wenn die Möglichkeit besteht, dann bietet sich das Aufsuchen besonderer Ortean, an welchen die Handlung der Sagen abläuft.

* Unterrichtprojekt:“Sagen aus aller Welt“
http://lehrer-online.de/..

Linktipps & Quellen

http://www.medienwerkstatt-online.de/lws_wissen/..

http://www.1000-maerchen.de/cAContent,1,1,2,0-Gebrueder-Grimm.htm

http://www.maerchen.com/

http://www.maerchenlexikon.de/


Quellen:
1 Bertelsmann Universallexikon, Band 11, Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH, Gütersloh 1993, Seite 230
2 ebd.
3 ebd.
4 Bertelsmann Universallexikon, Band 15, Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH, Gütersloh 1993, Seite 213

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