Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Märchen in der Grundschule - Der Froschkönig

von Jörg Sauer



© Waltraud Ingerl - iStockphoto.com


Der Froschkönig

Die wunderbare und so gerechte Welt der Märchen regt bei Jung und Alt immer wieder die Fantasie aufs Neue an. Verstärkt wird dieser Effekt in der dunklen Jahreszeit, wo man sich an einem kuschlig warmen Ort gedanklich rasch wegbewegen kann. Im Mittelpunkt der heutigen Betrachtungen steht das Märchen: „Der Froschkönig“.

Dieses sehr bekannte Märchen, welches auch unter dem Namen „Der eiserne Heinrich“ bekannt ist, trugen die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm in ihrer Sammlung der „Kinder und Hausmärchen“ zusammen. Hört man von dem Brüderpaar, so denkt man oftmals „nur“ als „Märchensammler“ an sie. Da diese Betrachtung recht einseitig ist, lohnt sich ein Blick auf wichtige Details.



Aus dem bewegten Leben der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm

Am 4. Januar 1785 wird Jacob Grimm als Sohn eines Amtsmannes in Hanau geboren.

Sein Bruder erblickte am 24. Februar 1786 das Licht der Welt.

Die Familie Grimm hatte insgesamt neun Kinder, von denen allerdings drei bereits als Säuglinge starben.

1798 wurden die beiden Brüder zu einer Tante nach Kassel geschickt, wo sie das Lyzeum besuchten.

1802 begann Jacob das Studium der Rechte in Marburg, sein Bruder folgte ein Jahr später.

1804 Jacob Grimm wird Mitarbeiter des Rechtswissenschaftlers Friedrich Carl von Savigny (1779 – 1861).

Wilhelm Grimm war bis 1806 Privatgelehrter in Marburg.

Von 1814 bis 1829 hatte er eine Stellung als Bibliothekssekretär in Kassel. Jacob wurde 1808 ebenfalls Bibliothekar beim westfälischen König Jerome(1784 – 1860) in Wilhelmshöhe bei Kassel. König Jerome war der jüngste Bruder von Napoleon Bonaparte von 1807 bis 1813. Beide führten einen gemeinsamen Haushalt.

1829 Jacob Grimm wird Professor für deutsche Altertumswissenschaften und Wilhelm Bibliothekar in Göttingen.

1831 wird er außerordentlicher und vier Jahre später ordentlicher Professor in Göttingen.

Im Jahre 1837 protestieren beide als zwei der „Göttinger Sieben“ gegen den Verfassungsbruch des Königs Ernst August I. (1771 – 1851) von Hannover. Dieser hob die recht freiheitliche Verfassung nach nur vier Jahren wieder auf. Neben zwei anderen wurde Jacob Grimm des Landes verwiesen.

Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. (1795 – 1861) nahm sie in seinem Königreich auf. Jacob wurde Professor und Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin.

Wilhelm Grimm kehrte 1837 nach Kassel zurück.

Im Jahre 1841 wurde auch er Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin.

Jacob Grimm wird Abgeordneter im Frankfurter Parlament.

Am 16. Dezember 1859 stirbt Wilhelm Grimm in Berlin.

Jacob Grimm stirbt am 20. September 1863 in Berlin.



Kurzüberblick über die wichtigsten Werke

1811 „Altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen“, von Wilhelm Grimm

1812/1815 „Kinder- und Hausmärchen“ in zwei Bänden, von beiden Brüdern

1815 „Lieder der alten Edda“, von beiden Brüdern

1816 und 1818 585 Stücke Sagen, von beiden Brüdern

1819/1821 Ergänzung der „Kinder- und Hausmärchen“ um einen dritten Band, von beiden Brüdern

1819/1837 In diesem Zeitraum erscheinen vier Teile der „Deutschen Grammatik“, von Jacob Grimm

1829 „Die deutsche Heldensage“, von Wilhelm Grimm

1838 Beginn der Herausgabe des „Deutschen Wörterbuches“, von beiden Brüdern

Das Werk wird später von anderen weiter geführt. 1961 kommt es zum Abschluss durch die Akademien der Wissenschaften in Berlin sowie Göttingen.

1848 „Geschichte der deutschen Sprache“, von Jacob Grimm

1857 „Kinder- und Hausmärchen“ in letzter Hand- umfasst jetzt 200 Stücke



Interpretationen und Deutungen

Die typischen Merkmale des Volksmärchens sind auch in dem Märchen: „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“ enthalten:

Das sind u. a. die klare und eindeutige Struktur mit dem Sieg des Helden bzw. des Guten über das Böse sowie das Vorhandensein bestimmter Zahlen (z. B. Zahl drei).

In den Handlungen der Märchen, wie auch in dem des Froschkönigs geht es nicht immer zimperlich zu. Auf die eher „gewaltträchtigen“ Szenen sollte in der Besprechung auch mit hingewiesen werden. Somit erhält die Sichtweise auf die Märchenhandlungen verschiedene Zugänge.

Weitere sehr umfangreiche und gründliche Analysen können nachgelesen werden unter:
www.heinrich-tischner.de/50-ku/marchen/marchen/frosch.htm

Das Märchen im Unterricht

Die erste Begegnung im Unterricht sollte als ganzheitlicher Vortrag erfolgen. Erst danach kann das Märchen aus den verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Für manche Kinder ist das Märchenvorlesen etwas Neues, denn sie kennen oftmals nur die filmischen Inszenierungen.

Märchenbücher mit dem Froschkönig
* Mitbringen eigener Märchenbücher * ggf. kurze Vorstellung unter Einbeziehung der Illustrationen

Arbeit am Text, u. a.
* Finden des Einleitungssatzes,
* Finden des Schlusssatzes,
* Verzauberung durch..
* Erlösung durch…
* Erkennen besonderer Reime
* Erfassen der Hauptpersonen und der Orte der Handlung
* Finden von Wörtern und Redewendungen, die heute nicht mehr so gebräuchlich sind

Ein dazu gehöriges Arbeitsblatt kann hier herunter geladen werden: Arbeitsblatt: Froschkönigforscher


Tipps für weitere Aufgaben am Text:

1. Die Kinder schreiben das Märchen nach ihren Vorstellungen weiter.

2. Einen Auszug so schreiben, dass alle Wörter zusammenhängend sind. Auf die Satzzeichen kann auch verzichtet werden. Die Kinder bekommen dann den Auftrag, den Text richtig zu schreiben. Der Auszug aus dem Märchen richtet sich dabei nach dem Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler. Denkbar ist auch eine entsprechende Differenzierung.

3. Den Hauptpersonen ordnen die Kinder die wichtigsten Eigenschaften zu. Das kann zum einen selbstständig oder zum anderen durch die Vorgabe seitens des Lehrenden sein.

4. Märchenkiste gestalten



* Nutzung eines Kartons
* Folgender Auftrag ist denkbar:
„Gestalte eine Kiste mit dem Froschkönig. Schreibe den Titel und den Autor des Märchens auf den Deckel. Lege oder klebe in die Kiste Dinge, die etwas mit dem Inhalt des Märchens zu tun haben. Abgabetermin für deine Märchenkiste ist der...“

Beispiel:
Froschfigur – Frosch, Prinz
Teller und Tasse – Frosch beim Festmahl
Ring - Heirat
Krone - Frosch wird zum Prinzen
Becher oder ähnliches Behältnis - Brunnen

5. Erzählteppich nutzen

* Vorlesen des Froschkönigs
* jedem Ort der Handlung ein Stück farbiges Papier oder Stoff zuordnen.
* Somit entsteht ein langer Teppich.
* Die Kinder malen oder gestalten nun Personen oder Gegenstände aus dem Märchen.
* Nach einem weiteren Vorlesen oder Nacherzählen des Märchens ordnen die Schülerinnen und Schüler den jeweiligen Handlungsorten die Dinge oder Personen zu.

Beispiel:
Brunnen – blau
Schloss – orange
Garten – grün

*Im weiteren Verlauf nehmen die Kinder ihre eigenen oder fremden Bilder, versetzen sich in die entsprechende Person und entwickeln eigene Sätze, bei denen die Person oder der Gegenstand spricht.

Beispiel:

„Ich bin die goldene Kugel der Königin. Ich habe keine Lust mehr, mit ihr so oft zu spielen. Deshalb hüpfe ich jetzt in den Brunnen.“

„Ich bin das Schloss. Seitdem der Frosch hier war, ist nichts mehr wie es war.“

6. Szenisches Spiel

Organisatorische Hinweise

* Hauptrollen verteilen, dabei an eine „Erst- und Zweitbesetzung“ denken

* nach Möglichkeit die Eltern mit in die Vorbereitungen einbeziehen, besonders beim Besorgen bzw. Anfertigen von Kostümen

* Möglichst viele Kinder einbeziehen (als s. g „Statisten“ oder als „Kulissenschieber“, „Ansager“ o. ä.)

* Einladungen und Plakate anfertigen

* Requisiten entsprechend den Möglichkeiten bauen

* Szenenbilder gestalten
Das einstudierte Märchen sollte auch mehrfach vorgeführt werden, damit Aufwand und Nutzen in einem guten Verhältnis stehen (z. B. in der Schule, vor den Eltern,…)

Denkbar ist es auch, das Märchen als Puppenspiel einzustudieren.

Einbeziehung weiterer Fächer
Kunst/Werken: Anfertigen der notwendigen Requisiten, Szenenbilder
Mathematik: Die besonderen Zahlen im Märchen („…drei eiserne Bande…“)

Weitere Hinweise zu den Märchenzahlen sind hier zu finden!

Linktipps

Linktipps

www.lehrer-online.de/froschkoenig.php

www.maerchenlexikon.de/Grimm/khm-texte/khm001.htm

www.wissenskarten.de


Quellen

Den Abschnitten Aus dem bewegten Leben der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm und dem Kurzüberblick über die wichtigsten Werke bezieht sich auf Passagen aus:
Die Märchen der Brüder Grimm,
Vollständige Ausgabe,
Verlag Neues Leben, Berlin,
2. Auflage 1985


Foto: © Waltraud Ingerl

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