Über den Autor/die Autorin

Alexandra von Plüskow - Kaminski

Alexandra von Plüskow-Kaminski ist Grundschullehrerin. Sie arbeitet in Abordnung des Landes Niedersachsen als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis. Sie verfasst Beiträge zu vorschulischen und schulischen Themen und ist als Lehrbeauftragte in der Lehrkräfteausbildung tätig. Derzeit absolviert sie eine berufsbegleitende Ausbildung zur systemischen Coachin und Prozessbegleiterin.

Empathie entwickeln - So unterstützen Sie Ihr Kind optimal

von Alexandra von Plüskow - Kaminski



© shironosov - iStockphoto.com
Svenjas Mutter ist manchmal recht verzweifelt. Ihre Tochter sieht sich stets an der ersten Stelle. Es fällt der Zweitklässlerin immer noch schwer, sich selbst und ihre Bedürfnisse zugunsten anderer zurückzustellen. Und auch der zehnjährige Johannes kann sich gar nicht in die Belange anderer Kinder hineindenken.
Ab welchem Alter können Kinder dies eigentlich leisten? Und wie können Eltern und Grundschule sie bei dem Ausbilden einer gesunden Empathiefähigkeit unterstützen? Erste Ansätze nennt der folgende Beitrag.


Was ist Empathie?

Der Begriff „Empathie“ geht zurück auf den altgriechischen Ausdruck „empátheia“, der mit „intensiver Gefühlsregung“ übersetzt werden kann. Verwendet man den Begriff heutzutage, so meint man damit die Fähigkeit, die Gefühle und Regungen anderer Personen zu erkennen und sich in diese hineinzuversetzen. Von Bedeutung ist diese Fähigkeit und das Wissen um diese in verschiedenen Disziplinen. So etwa in der Psychologie, in der Pädagogik, in der Wirtschaft, im Marketing und einigen anderen mehr. Und auch für die Persönlichkeit eines jeden Menschen ist die Empathiefähigkeit von Belang, setzt sie doch ein gut ausgeprägtes Selbstverständnis voraus. Nur, wer dieses besitzt, wer seine eigenen Gefühle und Gedanken wahrnimmt und annimmt, kann sich auf die anderer Personen einlassen. Grund genug, diese Fähigkeit möglichst früh auszubilden und Schritt für Schritt zu erweitern.

Empathie bei Grundschulkindern

Bereits kleine Kinder nehmen ihre eigenen Gefühle wahr und versuchen, diese altersgemäß auszudrücken. Schon Kindergartenkinder reagieren auf Gefühle wie Angst, Wut, Freude und auch Trauer, indem sie beispielsweise Eltern, Erzieherinnen und Erzieher oder andere Kinder sowie Haustiere oder Kuscheltiere in den Arm nehmen, diese trösten oder gemeinsam mit ihnen hüpfen und lachen.
Im Grundschulalter bildet sich das Wahrnehmen und Verarbeiten von Gefühlen zunehmend aus. Dies lässt sich beispielsweise besonders gut an der Fähigkeit, zu trauern, beobachten. Wie aber können Erwachsene Kinder auf diesem Weg unterstützen?

Selbstwahrnehmung unterstützen

Um die Gefühle anderer zu verstehen und sich darauf einzulassen, muss man sich selbst und seine eigenen Gefühle kennen. Zunächst sollten Erzieher und Erzieherinnen, Eltern und Lehrkräfte Wert darauf legen, dass ein Kind sich selbst mit seinen Gefühlen kennen lernt und auch lernt, diese altersgemäß sowie angemessen auszudrücken. Hierzu eignen sich beispielsweise spontane Rollenspiele, die Kinder häufig ganz allein entwickeln und auch angeleitete darstellende Szenen, nach denen Kinder ihre Gefühle etwa in Form einer Gesprächsrunde äußern. Wichtig für die Selbstwahrnehmung ist auch das Führen von Dialogen. Fragen Sie Ihr Kind danach, wie es sich in bestimmten Situationen fühlt. Auch ein angeleiteter Medienkonsum ist bedeutsam. Schauen Sie zusammen Filme und sprechen Sie danach darüber. Betrachten Sie Bilderbücher – auch Geschichten, die von Gefühlen handeln-, und kommen Sie danach darüber ins Gespräch. Leiten Sie Ihr Kind also regelmäßig an, sich mit seinen eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen und diese dann auch verbalisieren zu können. Dies ist ganz nebenbei eine wichtige Fertigkeit, die Ihr Kind im Rahmen der Schulfähigkeit beherrschen sollte.

Vom Selbst zu den Anderen

Der nächste Schritt ist anschließend das gezielte Anbahnen und Ausbilden einer Empathiefähigkeit Ihres Kindes. Hierzu sollten Kinder in Kindergruppen beispielsweise angeleitete Rollenspiele durchführen – und danach gemeinsam reflektieren, wie es den einzelnen Personen wohl ergangen ist. Hilfreich ist es hier, wenn die Kinder stellvertretend für verschiedene handelnde Personen Gedanken formulieren und diese dann ebenso in Vertretung äußern. Wenn beispielsweise eine handelnde Figur im Rollenspiel Angst im Dunkeln hat, so könnten die Kinder formulieren:
  • Ich habe Angst.
  • Es ist dunkel. Davor fürchte ich mich.
  • Ich möchte nicht allein im Dunkeln sein.
Auch das Rezipieren von Kinderliteratur ist bedeutsam für das Ausbilden einer Empathiefähigkeit. Schritt für Schritt lernen Grundschulkinder, sich in die Protagonisten einzudenken. Mithilfe kreativer und produktiver Methoden setzen sie sich in diese Figuren und deren Gedankenwelt hinein. Sie lernen, ihre eigene Situation auf deren Situation zu übertragen.

Gemeinsam mit der Kita und der Grundschule

Im Elternhaus können Sie beispielsweise durch einen aktiven Dialog mit Ihrem Kind über seine und ihre eigenen Gefühle einige Dinge tun, um dessen Empathiefähigkeit zu fördern. Gemeinsam mit der Kita und der Grundschule entwickelt sich diese jedoch noch nachhaltiger und effektiver. Sprechen Sie mit den Erzieherinnen und Erziehern und den Lehrkräften Ihres Kindes, welche Maßnahmen konkret in der Gruppe erfolgen können. Gibt es Möglichkeiten, externe Experten zurate zu ziehen und etwa Projekte wie ein Zirkusprojekt, ein Theaterprojekt oder ein Gewaltpräventionsprogramm in die Einrichtung zu holen? Ferner: Welche Möglichkeiten bietet die Schulsozialarbeit, die Empathie bei Grundschulkindern in der Einrichtung zu fördern? Stellen Sie Ihre Ansätze gemeinsam im Rahmen eines Elternabends vor und versuchen Sie alle zusammen, ein für die jeweilige (Lern-) Gruppe maßgeschneidertes Programm zu entwickeln.
Denn neben einer kognitiven Intelligenz gehört das Beherrschen einer sozialen Intelligenz heute zu den so genannten Soft Skills selbstverständlich dazu – nicht nur in der modernen Arbeitswelt.

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