Über den Autor/die Autorin

Hildegard Dierks

Hildegard Dierks hat ihr Lehramtsstudium in den Fächern Englisch und Pädagogik für die Sekundarstufen I und II absolviert und an der Universität Bielefeld das Magisterstudium mit dem Schwerpunkt Computerlinguistik abgeschlossen. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen. Seit einigen Jahren ist sie begeisterte Anhängerin des sog. E-Learnings einer internetgestützten, zeitlich flexiblen Form des Studiums und der beruflichen Weiterbildung. Neben Lehrheften lernt man beim E-Learning auch in betreuten Chats und Webinaren. Frau Dierks lebt mit ihrer Familie in Ostwestfalen. In ihrer Freizeit hört sie gern Hörbücher und spielt Akkordeon.

Hörverständnis: Richtig zuhören ist wichtig

von Hildegard Dierks



© S. Hofschlaeger - Pixelio.de
Gutes Hören und richtig zuhören ist für erfolgreiches Lernen in der Regel unerlässlich. Ständig nehmen wir Geräusche, Stimmen oder Lärm wahr. Anders als Wegsehen ist Weghören nicht ganz so leicht. Laute Dauerbeschallung macht uns schwerhörig und krank. Lehrer leiden relativ oft an durch Lärm provoziertem Tinnitus, einer Erkrankung, die eine frühe Dienstunfähigkeit befördert. Schüler machen Lärm, beschweren sich ihrerseits aber auch zu Hause bei ihren Eltern über Lärm im Klassenzimmer. Die Dimensionen des Hörens, Verstehens gehörter Texte und Zuhörens im Unterricht sind sehr vielschichtig.

Lärm anzeigen mit der Lärmampel?

In Klassenräumen ist es nicht nur laut durch schreiende und schwätzende Schüler sondern auch durch Stühle rücken. Oft wird in Klassenzimmern durch die Bauweise ein ungünstiger Hall erzeugt. Das Stillsitzen im Unterricht ist darüber hinaus bereits schon vor langer Zeit etwas in Verruf geraten. Es steht für autoritären Unterricht und schädlicher Bewegungsarmut.

Doch Stille im Unterricht hat wichtige Vorteile. Um konzentriert lernen zu können, einander im Unterricht zuhören zu können brauchen wir einen niedrigen Lärmpegel. Obwohl insgesamt die Schwerhörigkeit der Menschen zunimmt und das Hörverständnis abnimmt, hat die Mehrheit der Lehrkräfte und Schüler zum Glück ein gutes Gehör. Dieses gilt es zu bewahren.

Ein technisches Mittel der Wahl könnte die sogenannte Lärmampel sein, die das Hörverständnis anzeigt. Die Lärmampel ist an eine Verkehrsampel angelehnt. Sie wird passend eingestellt, zeigt Rot an, oft verbunden mit einem akustischen Signal, wenn der Lärm so groß ist, dass Lernen nur schwer möglich ist.

Lärmampeln können den Lehrer etwas entlasten. Sie hilft jedoch nicht, um den Lärm zu reduzieren und das Hörverständnis zu verbessern. An dieser Stelle kann die Technik die pädagogische Erfahrung des Lehrers nicht ersetzen. Die Lärmampel kann unter Umständen in schwierigen Klassen sogar nachteilig dazu führen das Lärm produziert wird, um die Lärmampel auszutesten.

Lärm reduzieren

Schön früh sollte Schülerinnen und Schülern bewusst gemacht werden, wie wichtig es ist das eigene Gehör zu schützen, um es gesund zu erhalten. Anregungen zum Thema im Unterricht gibt es beispielweise auf der Website www.umwelt-im-unterricht.de vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Die Materialien thematisieren u.a. die Bestimmung von Lärmquellen, die Auswirkungen von Lärm auf den Menschen sowie das bewusste Hören und Hörverstehen (Schreiben von Hörtagebüchern) und vor allem Lärmminderungsmaßnahmen.

Neben einer eher kognitiven Erarbeitung des Themas bieten sich vor allem eine Vielzahl an erlebnisintensiven, einfachen Übungen zur Stille im Unterricht an. Im Rahmen von Entspannungsübungen empfiehlt der Psychologe Volker Friebel Stilleübungen, beispielsweise „Das offene Fenster“ oder „Der verklingende Ton“. Sie sind im Schulalltag mit wenig Aufwand zu realisieren, insbesondere für Kinder im Grundschulalter.

Beim "Offenen Fenster" sitzen Kinder mit geschlossenen Augen am geöffneten Fenster und werden aufgefordert, alle Geräusche und Worte, die sie von draußen hören wahrzunehmen. Nach einer Phase der Wahrnehmung öffnen sie die Augen, berichten das Gehörte oder malen das Gehörte auf. Bei der Übung "Der verklingende Ton" sitzen Kinder mit geschlossenen Augen im Stuhlkreis. Der Lehrer schlägt mit der Triangel, einer Klangschale oder einem Gong einen Ton an. Die Kinder sollen dann die Hand heben, wenn der Ton für sie verklungen ist.

Hörverständnis trainieren

Hörverständnis ist traditionell vor allem ein Thema im Fremdsprachenunterricht, um die Schülerinnen und Schüler an die Aussprache und Satzmelodie der Fremdsprache zu gewöhnen.

Doch auch unserer Muttersprache ist ein trainiertes Hörverständnis. Um Vorlesungen an der Universität, Radiobeiträgen oder ähnlichen Vorträgen folgen zu können, ist ein trainiertes Hörverständnis immer noch unverzichtbar. Einige Strategien für ein besseres Hörverständnis können dabei helfen und sind besonders für ältere SchülerInnen ein Thema.

Oft werden Vorlesungen oder Vorträge anmoderiert oder es liegt ein Kurztext in schriftlicher Form vor. Das geschieht aus gutem Grund. Die Anmoderation ist eine Art Kurzvorbereitung auf das Thema und der Hörer kann spontan vorhandenes Wissen zum Thema aktivieren. Sein Vorwissen hilft, den Text, der dann gehört wird, besser zu verstehen.

Hilfreich für ein besseres Hörverständnis ist auch, sich sein eigenes Interesse an dem Vortrag bewusst zu machen. Auf welche Fragen erwartet man Antworten? Gibt es Schlüsselwörter, die man erkennen oder erfahren kann.

Ist Hörverständnis Teil eines Examens liegen meistens bestimmte Aufgabenformate vor, zum Beispiel Lückentexte oder Multiple Choice Aufgaben, die ein gezieltes Zuhören für das Auffinden bestimmter Informationen bestimmen. Schüler müssen also wissen, dass in diesen Zusammenhängen nicht ein globales Hören gefragt ist, sondern ein gezieltes. Manchmal verbessern Notizen das Hörverständnis.

Zur Verbesserung des Hörverständnisses gehört auch das Einüben von Nachfragen und die Bitte etwas zu wiederholen, zum Beispiel am Telefon, sofern die Möglichkeit besteht.

Zuhören: Eine Frage der Psychologie Bei der Lösung psychologisch kritischer Schulsituationen spielt auch das Zuhören eine wichtige Rolle, zum Beispiel beim Streitschlichten, im Elterngespräch oder in der Lehrerausbildung.

Der amerikanische Psychologe Rogers entwickelte eine Gesprächsführung, bei der das sogenannte aktive Zuhören eine besondere Rolle spielt. In Anlehnung an Rogers können einige Regeln im Zusammenhang mit dem aktiven Zuhören auch im Schulalltag formuliert werden. Die wichtigsten sind:
  • Blickkontakt zum Schüler halten,
  • sich auf den Schüler konzentrieren,
  • Gesprächspausen zulassen,
  • die Gefühle, die man beim Schüler sieht, vorsichtig ansprechen
  • Nachfragen bei Unklarheiten,
  • sich nicht nervös machen lassen durch Vorwürfe und Kritik
Zuhören bei Rogers heißt nicht zwangsläufig mit dem Gehörten übereinstimmen. Das Gehörte wird vielmehr verstanden als ein Aspekt einer emotionalen Situation. Wieso spricht man von aktivem Zuhören? Rückmeldungen sind Ausdruck des aktiven Zuhörens. Sie werden verbal oder nicht-verbal gegeben beispielweise durch Nicken oder Nachfragen nach dem Gefühl "Wie fühlst du dich dabei", "Möchtest Du mehr davon erzählen", "Du hast gesagt, dass du ..."

Zum aktiven Zuhören gehören auch sogenannte Ich-Botschaften. Ich-Botschaften bestehen aus drei Komponenten.
  1. einem beschriebenen Verhalten
  2. der Wirkung dieses Verhaltens
  3. Emotion
Beispiel: Wenn Du Dich am Unterricht nicht mündlich beteiligst (Verhalten), weiß ich nicht, was du kannst (Effekt) und ich befürchte, dass ich Dir dann eine schlechte Note geben muss (Gefühl).

Auditives Material umfassend bereitstellen

Schon lange wissen wir aus der Kognitionspsychologie, dass es verschiedene Lernertypen gibt. Einige Menschen bevorzugen es über Hören zu lernen, zumindest erleichtert auditives Lernmaterial ihr Verständnis vom Unterrichtsstoff. Haben wir eine Didaktik des Hörens für unseren Unterricht? Über Hören lernen ist im Vergleich zum visuellen Lernen und Lernen mit schriftlichen Texten nach meiner Einschätzung etwas vernachlässigt, gilt als nicht ganz so effektiv. Was erleichtert jedoch gutes Zuhören und Verstehen von Gehörtem? Wie kann auditives Lernmaterial andere Materialien optimal ergänzen, manchmal sogar ersetzen? Wie integrieren wir Hörbücher in den Unterricht oder machen Hörbücher im Unterricht keinen Sinn? Diese Fragen müssten für die Schulpraxis in naher Zukunft genauer beantwortet werden. Didaktisch aufbereitetes auditives Material bereit zu stellen für alle Fächer und Lerner aller Altersgruppen wird noch wichtiger, wenn Inklusion gelingen soll und lebenslanges Lernen in Konsequenz möglich sein soll. Sowohl Menschen mit Behinderungen als auch ältere Menschen sind in ihrer Sinneswahrnehmung oft beeinträchtigt. Das Gehör ist nicht selten ein Sinn, der noch funktioniert.

Linktipps

Website des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Bereich Lärmschutz
https://www.umwelt-im-unterricht.de/


Website der Stiftung Zuhören
www.zuhoeren.de/home.html


Unter Lernando finden Sie darüber hinaus eine Menge an Downloadprodukten zum Hören, um z.B. Sprachen besser zu üben und zu trainieren
www.lernando.de/download


Artikel teilen

Diese Produkte könnten Sie interessieren