Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Schokolade - viel mehr als eine süße Leckerei

von Jörg Sauer



© BeTa-Artworks - Fotolia.de
Die Schokolade mit ihrem verführerischen Duft und ihrem aromatischem Geschmack kann wohl zu den größten sinnlichen Schätzen gezählt werden, die man je entdeckte. Dieser Beitrag soll Anregungen geben, die Schokolade einmal in den Mittelpunkt des Unterrichtes zu setzen.

Wissenswertes


Die wichtigste Zutat von Schokolade ist der Kakao. Dieser wird aus den Kakaobohnen des Kakaobaumes (Theobroma cacao) gewonnen. Der Baum erhielt von dem schwedischen Naturforscher Carl von Linne`(1707- 1778) seinen botanischen Namen. Er ist griechischen Ursprungs. Der Teil „theos“ bedeutet Gott und „broma“ ist die Speise.
Steckbrief des Kakaobaumes
  • Vorkommen: tropische Regenwälder in Lateinamerika
  • Wuchshöhe: 10m bis 15m , Stutzung in Plantagen auf etwa 4m. Nach etwa vier bis fünf Jahren ist der Baum kräftig genug, damit an diesem die Früchte wachsen.
  • Blüten: direkt am Stamm oder längeren Ästen
  • Blätter: Länge bis 35cm möglich
  • Früchte:
    - gelb- oder rötlich gefärbt
    - derbe Schale
    - Länge ca. 15cm bis 25cm hängend
    - können bis zu 500g schwer werden
    - 25 bis 30 Samen in einer Fruchtmasse eingelagert

Anbau und Ernte
  • Voraussetzungen für den Anbau
    - tropisches Klima mit Schutz vor starker Sonne und heftigem Wind
    - Der überwiegende Teil wird heute nicht mehr in den lateinamerikanischen Ursprungsländern, sondern in Afrika und in südostasiatischen Ländern, wie zum Beispiel Indonesien oder Papua- Neuguinea angebaut.

Weitere Informationen dazu sind zu finden:
http://www.theobroma-cacao.de/wissen/kakaobaum/anbaubedingungen/

Ernte der Kakaobohnen
  • Mit Hilfe von langen Messern werden die äußeren Schalen der Kakaofrüchte aufgeschnitten.
  • Das sich innen befindende Fruchtmus nehmen die Bauern heraus. In diesem liegen die die Kakaobohnen.
  • Diese werden dann für ca. fünf bis sieben Tage zum Fermentieren gelagert. Der Begriff geht auf das lateinische Wort „fermentum“ zurück, welches Gärung bedeutet. Es erfolgt: „ die Umwandlung organischer Stoffe durch Bakterien-,Pilz-, sonstige biologische Zellkulturen … durch ein Enzym.“ (1)
  • Durch diesen Prozess werden alle Reste des Fruchtmuses entfernt und die Farbe wechselt von grau über braun bis hin zu rot. Gleichzeitig entwickelt sich das Aroma.
  • Anschließend trocknet man die Kakaobohnen etwa eine Woche in der Sonne.
  • Die getrockneten Kakaobohnen werden in Jutesäcke verpackt und in Sammelzentren aufgenommen. Von da aus verschifft man sie in alle Welt.

Weiterverarbeitung
  • Nach der gründlichen Reinigung erfolgt die Röstung bei Temperaturen von 100 bis 160 Grad Celsius.
  • Die Kakaobohnen werden in großen Mühlen zermahlen. Die Schalen entfernt man.
  • Der Rest, so genannte: „ Kakaobruch“ (2) wird weiter gemahlen. Es: „… tritt das in den Zellen eingeschlossene Fett- die Kakaobutter heraus.“ (3) Die gesamte Masse ist sehr zähflüssig und hat die uns bekannte braune Farbe.
  • Durch das Pressen der flüssigen Masse fließt die Kakaobutter ab und es entsteht Kakaopulver.
  • Unter Zugabe von Zucker und Kakaobutter entsteht durch langsames Rühren bei niedrigen Temperaturen Schokolade. Diesen Prozess nennt man auch „Conchieren“.

Schokoladensorten
    Es gibt eine Unzahl an Sorten von Schokolade, mit den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen oder verschiedenen Qualitätskriterien. Grundsätzlich unterscheidet man die folgenden drei Arten:

  • Bitterschokolade
    - Schokolade mit hohem Kakaoanteil
    - schmeckt leicht bitter
    - andere Namen, u. a.: Herrenschokolade oder Zartbitterschokolade

  • Milchschokolade
    - besteht aus Kakao, Milch und Zucker
    - hitzeempfindlicher als Bitterschokolade
    - andere Namen u. a.: Vollmilch- oder Alpenmilchschokolade Schokolade

  • Weiße Schokolade
    - Der Kakaomasse wurde das Kakaopulver entzogen.
    - Bestandteile sind Kakaobutter, Zucker und Milch

Im Geschichtsbuch kurz geblättert


um 1500 v.Chr.
  • Nutzung des Kakaobaumes durch die Olmeken (Volk, welches an der heutigen mexikanischen Golfküste lebte)

um 600 n. Chr.
  • Anbau des Kakaos durch die Maya
  • Bei den Mayas war der Baum göttlichen Ursprungs.
  • Weiterhin nutze man die Kakaobohnen als Zahlungsmittel.
  • Zu Ehren des Kakaogottes Ek Chuah feierte man im April ein Fest. Auf diesem opferte man Tiere und verteilte Geschenke.

um 1200 n. Chr.
1492
  • Nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus (1451 – 1506)erkannte man die Bedeutung des Kakaobaumes noch nicht.

1528
  • Die spanischen Eroberer unter der Führung von Hernán Cortés (1488 – 1547) brachten den Kakao mit nach Europa.

1544
  • Man trank Schokolade am spanischen Hof.
  • Den meisten Europäern schmeckte das Getränk so nicht. Erst die Zugabe von Honig oder Rohrzucker schmeckte. Insgesamt war Kakao noch sehr teuer, so dass ihn sich nur wenige Menschen der adligen Schicht leisten konnten.

1673
  • Der Niederländer Jan Jantz von Huesden schenkte in seinem Kaffeehaus in Bremen auch heiße Schokolade aus. Die Bürger hatte somit die Möglichkeit, Kakao auch außerhalb der Apotheke zu erwerben. Man sagte diesem eine heilende und aphrodisierende Wirkung nach.

1728
  • Die erste europäische Schokoladenfabrik nahm im englischen Bristol den Betrieb auf. „Das Unternehmen hieß "Fry & Sons" und produzierte…“(5) nur per Hand.

1804
  • Gründung der ältesten deutschen Schokoladenfabrik, der heutigen „Halloren Schokoladenfabrik“ durch F. A. Miethe in Halle/Saale.

1823
  • Gründung der Schokoladenfabrik „Jordan & Timaeus“ in Dresden. Sie wurden zu k. & k. Hoflieferanten der österreichisch- ungarischen Doppelmonarchie und zum königlich-sächsischen Hoflieferanten ernannt. Sie stellten bereits 1839 die erste Milchschokolade her.

1825
  • Gründung der Firma Philippe Suchard
  • Ein Jahr später erfand er eine Maschine, mit der man Kakaopulver und Zucker vermischen konnte. Sie heißt: Mélangeur.

1828
  • Coenraad Johannes van Houten Erfindung der hydraulischen Kakaopresse. Kakaobutter wird dabei vom Kakao abgepresst. Anmerkung: Es laufen zur Zeit Untersuchungen, dass diese Erfindung auf seinen Vater Casparus van Houten war, der dieses Verfahren erfand.

1839
  • Gründung der Mürbebäckerei durch Franz Stollwerck
  • Kontinuierlicher Ausbau dieser mit seinen Söhnen zu einem der größten Schokoladenhersteller in Deutschland

1863
  • Heinrich Fassbender stellte in Berlin feine Trüffel und Pralinen her
  • Er wurde mit seiner Firma Königlicher Hoflieferant

1875
  • Daniel Peter und Henri`Nestle brachten die erste Milchschokolade auf den Markt.

1879
  • Gründung der Schokoladenfabrik von Rudolf Lindt
  • Verbesserung des o. g. Mélangeur durch den Firmengründer durch die Erfindung der Conche. Im Ergebnis dessen erhielt die Schokolade ein feincremige und auf der Zunge leicht schmelzenden Struktur. Davor war sie oft brüchig und bitter im Geschmack.

1890
  • Gründung der Bremer Chocolade-Fabrik Hachez & Co

1918
  • Der Chocolatier Wilhelm Rausch eröffnete seine erste Confiserie in Berlin.

1999
  • Zusammenschluss der Familien Fassbender & Rausch

Anbau heute
  • zum größten Teil in Afrika (u. a. Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria) und in Asien (u. a. Indonesien)
  • Bedenklich sind zum einen die oftmals große Verwendung an Pflanzenschutzmitteln und zum anderen die schwierigen Arbeitsbedingungen auf den Plantagen. Auch Kinderarbeit ist nicht selten.

Ideen für den Unterricht


Bei diesem Thema ist es lohnenswert, fächerübergreifend zu arbeiten. Umfang und Schwierigkeitsgrad sind dabei von der aktuellen Situation der Klasse und dem Alter der Kinder abhängig.

Das folgende Schema zeigt Möglichkeiten auf.

Schemadarstellung
Geografie
  • Finden der Gegenden, in welchen der Kakaobaum ursprünglich beheimatet war
  • Klimatische Bedingungen analysieren
  • Heutige Anbaugebiete
  • Anbaugebiete „früher“ und heute auf unterschiedlichen Karten, Länder zuordnen und umgekehrt (Das Arbeiten mit so genannten "historischen" Karten bietet sich an.)

Geschichte
  • Bedeutung der Kakaobohnen in den „alten“ Kulturen
  • Politische Lage während der Entdeckung Amerikas- große Entdeckungsfahrten
  • Weg des ersten Kakaos nach Europa
  • Sklavenarbeit auf den Plantagen
  • Vom Kakao zur Schokolade - vom Luxusgut zum „Massenprodukt“
  • Auf den Spuren der ersten Schokoladenhersteller in Deutschland/Europa

Mathematik
  • Entfernungen zwischen den Anbaugebieten des Kakaos und den Nutzerländern berechnen, jeweiligen Maßstab beachten (Unterscheidung nach "Luftlinie" und Weg per Schiff)
  • Transportrouten zusammenstellen (z. B. zwischen der Elfenbeinküste und Deutschland)
  • Geschichtliche Zeiträume feststellen und miteinander vergleichen
  • Rechnen mit Kakaobohnen als Zahlungsmittel
  • Nach einem Klick auf diesen Link finden Sie einige Beispiele:
    http://www.theobroma-cacao.de/wissen/geschichte/1500vchr-bis-1492nchr/azteken-und-schokolade/
  • Ermitteln der aktuellen Anbaumengen an Kakao- Schaubilder gestalten

Deutsch
  • Übersichten, Mindmaps, Präsentationen o. ä. erstellen
  • Geschichten "erfinden"(z. B. Das Handeln mit Kakaobohnen bei den Azteken , Die Sklavenarbeit in den Plantagen, Der erste Kakao in Europa, Der Kakaogenuss in den feinen Salons,…)
  • heutige Arbeitsbedingungen in den Plantagen
  • Auf der Spur des Wortes: Schokolade

Kunst
  • Besonderheiten der „alten“ Kulturen (bedeutende Bauwerke, Tempelanlagen,…
  • Flaggen der heutigen Hauptproduktionsländer
  • die Schiffe der „Entdecker“
  • Bildbetrachtung: Das Schokoladenmädchen (von Jean-Étienne Liotard)

Interessante Links


» http://www.infozentrum-schoko.de/startseite.html

» http://www.theobroma-cacao.de/wissen/geschichte/1500vchr-bis-1492nchr/

» http://www.geschichte-der-schokolade.de/

» http://www.schoko-seite.de/

» www.wissenskarten.de

Quellen


(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Fermentation
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Schokolade
(3) ebd.
(4) http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/64/X-ndash-Xocolatl
(5) http://www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/essen/schokolade/index.jsp

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