Über den Autor/die Autorin

Dr. Birgit Ebbert

Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und Lernbegleiterin und seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Als Diplom-Pädagogin und Lerntherapeutin unterrichtet sie Schüler in ihren Lerncentern Die Lernbegleiter und als Autorin schreibt sie vom Krimi bis zum Elternratgeber alles, was ihr Spaß macht und wichtig erscheint.

200 Jahre Grimms Märchen

von Dr. Birgit Ebbert



© Malena und Philipp K - Fotolia.de
200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm

Am 20. Dezember 1812 erschien die erste Ausgabe des ersten Bandes der "Kinder- und Hausmärchen" der Gebrüder Grimm, deren Handexemplar mit Notizen der Brüder 2005 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Jacob Grimm (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859) haben immer wieder betont, dass es sich bei den Märchen um mündlich überlieferte Geschichten aus ihrer Heimatregion Hessen bzw. Deutschland handelten. Inzwischen weiß man, dass unter den Märchen durchaus auch einige aus anderen Ländern sind, da die Quellen der Grimms, allen voran Dorothea Viehmann, Giovanni Francesco Straparola und Giambattista Basile, französische bzw. italienische Wurzeln hatten.

Für den heutigen Erfolg der Märchen ist das nicht wichtig, nach einem solchen Erfolg sah es nach Erscheinen der ersten Ausgabe noch nicht aus. Es hagelte Kritik, den einen fehlten die Illustrationen und den anderen gab es zu viele sexuelle Anspielungen, Jacob und Wilhelm Grimm reagierten darauf, indem sie in der nächsten Auflage Änderungen vornahmen, zum Beispiel aus der Mutter von Hänsel und Gretel eine Stiefmutter machten, weil es Proteste gegen das Mutterbild gab.

Die Brüder waren ohnehin nicht zimperlich, wenn es darum ging, Änderungen an ihren Texten vorzunehmen, sobald ihnen ein Märchen begegnete, das zu einem vorhandenen passte, aber neue Facetten beinhaltete, änderten sie es kurzerhand. So kommt es, dass in den ersten Jahrzehnten jede Auflage anders war.

Ein Streitpunkt war immer - vom ersten Erscheinen bis heute, ob die Märchen kindgerecht sind, schon die Brüder Grimm haben ihre Märchen, an einige von ihnen wird in Kapitel 2 erinnert, daraufhin überarbeitet, zumal sie ihr Buch durchaus als "Erziehungsbuch" verstanden wissen wollten. An diesen Überarbeitungen hat sich bis heute nichts geändert wie Kapitel 3 zeigen wird, da die Texte gemeinfrei sind, also ohne Abgeltung der Rechte genutzt werden können, dürfen Autoren und Verlage sie je nach Zielsetzung ihrer Ausgabe ändern.

Anlässlich der 200-jährigen Veröffentlichungsgeschichte wurde das Jahr 2013 zum Grimm-Jahr ausgerufen, in den Links finden Sie eine Übersicht über die Aktivitäten, bei denen vor allem das Land Hessen federführend ist. Viele kleine Aktionen werden dieses Programm sicher ergänzen, es lohnt sich 2013 immer mal wieder zu recherchieren, was sich Neues tut.

Bekannte und weniger bekannte Märchen

Die Märchen, die in dem Buch "Kinder- und Hausmärchen" enthalten waren und sind, wechseln und zwar nicht nur heute, sondern schon zu Lebzeiten der Brüder Grimm. Die 1812 erschienene erste Auflage des ersten Bandes enthielt 87 Märchen, einige davon wurden später wieder entfernt. Insgesamt finden sich in den verschiedenen Auflagen rund 200 Märchen, von denen nicht alle den Bekanntheitsgrad von "Rotkäppchen", "Froschkönig" und "Schneewittchen" erlangt haben. Das liegt vielleicht auch daran, dass Wilhelm Grimm für eine "Kleine Ausgabe", die 1825 erschien eine Auswahl traf und diese eine größere Verbreitung fand. In dieser Ausgabe befanden sich nur folgende Märchen, von denen heute viele weitgehend unbekannt sind, während gängige Märchen wie "Rapunzel", "Das tapfere Schneiderlein" oder "Tischlein deck dich" nicht in das Buch aufgenommen wurden.

Grimms Märchen im Unterricht



Die Inhalte der Märchen der Gebrüder Grimm haben wenig an Aktualität verloren, handeln sie doch von den Entwicklungsaufgaben, Ängsten und Freuden, die auch heutige junge und alte Menschen beschäftigen. Pädagogen und Psychologen haben sich intensiv damit beschäftigt, welche Aufgaben Märchen bei der Entwickllung haben, der Kinderpsychologe Bruno Bettelheim wies 1976 sogar in seinem Buch "Kinder brauchen Märchen" nach, welche bedeutende Rolle Märchen beim Verständnis der Welt spielen. Unabhängig davon sind die Märchen Kulturgut und empfehlen sich schon daher für den Unterricht.

Die Lektüre der Märchen eignet sich zum einen, um die Stilmittel der Literaturgattung Märchen zu erarbeiten und bei Schülern ein erstes Verständnis für Stilmittel zu wecken. Sie führt die Schüler in eine Fantasiewelt, aber auch in eine andere Zeit, sie lernen Lebensweise und Sprache kennen, die ihnen aus dem Alltag nicht geläufig sind und bekommen einen ersten Bezug zur Historie.

Auch wenn nicht alle Märchen wirklich aus Deutschland oder Hessen stammen, so ist doch aus den Notizen der Brüder Grimm zum Teil die Region bekannt, in der sie gesammelt wurden. Die Märchen eignen sich dadurch auch, um die Handlungsorte in literarischen Texten zu hinterfragen und das Augenmerk auf reale Aspekte in fiktionalen Texten zu lenken.

Da kein Urheberrecht für die Märchen gilt, können sie problemlos genutzt werden, um sie zu verfremden, zu übersetzen und von den Schülern bearbeiten zu lassen und sie anschließend zu veröffentlichten. Das geschieht auf unterschiedliche Weise, indem Märchen weiter- oder umgeschrieben oder - besonders in den höheren Klassen - in einen anderen Soziolekt übersetzt werden, vor allem in Jugendsprache, einige Übersetzungen finden sich im Internet unter dem unten angegebenen Link "Lustige Fassungen". Die Übersicht aus Kapitel 2 zeigt, dass es neben den bekannten Märchen, die gerade von Jugendlichen schnell als "Kinderkram" abgetan werden, auch Geschichten gibt, die weniger bekannt sind und von ihren Inhalten selbst von Medien verwöhnte Schüler reizen können. Es lohnt sich in jedem Fall, das Grimm-Jahr 2013 zu nutzen, um wieder einmal in das alte Märchenbuch zu schauen.

Links


» Alphabetische Liste aller Märchen
» Orte, an denen Märchen der Gebrüder Grimm spielen
» Grimm-Jahr 2013
» Brüder Grimm-Gesellschaft

Literatur
  • Johannes Barth: Grimms Märchen - modern:
    Prosa, Gedichte, Karikaturen (Texte und Materialien für den Unterricht)
    Reclam 2011
  • Thomas Stelzer: LiteraMedia: Grimms Märchen: Handreichungen für den Unterricht.
    Unterrichtsvorschläge und Kopiervorlagen von Jacob Grimm, Wilhelm Grimm.
    Cornelsen 2002

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