Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

Das große Krabbeln – Läuse bei Kindern wirkungsvoll bekämpfen

von Ulrike Lindner



© K. Zernecke - Fotolia
Wer Kinder hat, die Kita oder Grundschule besuchen, kennt das Problem: Läuse-Alarm. Wenn die Kleinen beim Spielen ihre Köpfe eng zusammenstecken oder Wollmützen und dicke Jacken dicht an dicht hängen, krabbeln die Parasiten fix von einem zum anderen Haarschopf.
Danach geht alles ganz schnell: Aufgeschreckt durch den Anruf der Telefonkette („Ein Kind aus der Bärengruppe hat Läuse, am besten schauen Sie mal bei Ihrer Tochter nach ..“) beginnt die Suchaktion. Und tatsächlich: In Linas blonden Locken krabbelt es – Läuse!



Zunächst einmal so viel: Läusebefall ist kein Drama. Dank Spezialshampoo und besonderer Kämme lassen sich die fiesen Krabbler schnell ausmerzen. Zweitens: Es kann jeden treffen und hat absolut nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Läuse fühlen sich in sauberem Haar genauso wohl wie in ungewaschenem. Deshalb ist es eine Frage der Fairness, die Eltern möglicherweise mit betroffener Spiel- oder Schulkameraden vorzuwarnen (Stichwort Telefonkette).

Schritt 1: Diagnose

Erstes Verdachtsmoment stellt das ständige Jucken und Kratzen dar. Wenn Kinder häufiger als gewöhnlich in den Haaren wuscheln, ist ein schneller Blick angeraten. Dazu in einem gut beleuchteten Raum wie dem Badezimmer die Haare am besten über Kopf sorgfältig durchbürsten. Hilfreich ist selbstverständlich ein engzinkiger Läusekamm, falls der (noch) nicht vorhanden ist, tut es aber auch ein gewöhnlicher Kamm. Die Haare z.B. über der weißen Badewanne Strich für Strich scheiteln und durchgehen. Erwachsene Läuse sind nicht schwer zu erkennen: Es handelt sich um drei bis vier Millimeter lange, graue oder rötlichbraune Tierchen mit sechs Beinen. Ihre Eier (Nissen) legen sie am liebsten an den Haaransätzen ab. Die Nissen sind etwa einen Millimeter große, gelblich bis graue Verdickungen, die wie Perlen an einer Schnur an den Haaren kleben, gern hinter den Ohren oder am Hinterkopf. Anders als Schuppen lassen sie sich mit einem normalen Kamm oder einer Bürste nicht auskämmen – dazu brauchen Sie einen Läusekamm. Wenn zusätzlich zu den Nissen bereits erwachsene Läuse in den Haaren zu sehen sind, ist das Kind bereits seit einiger Zeit infiziert.

Schritt 2: Bekämpfung

Die Bekämpfung der Läuse sollte so schnell wie möglich beginnen – am besten nachdem alle Familienmitglieder auf einen möglichen Befall untersucht wurden. In der Apotheke erhalten Sie die entsprechende Haarspülung und den Kamm. Verwenden Sie bevorzugt pflanzliche Präparate, die es rezeptfrei gibt. Die meisten funktionieren auf Öl-Basis und sollen die Atemorgane der Läuse verkleben. Vom Umweltbundesamt wurde bislang allerdings nur ein Shampoo auf Kokosnussöl-Basis in seiner Wirksamkeit bestätigt. Bei allen anderen pflanzlichen Mitteln wurde der Behandlungserfolg noch nicht durch klinische Studien abgesichert.

Insektizid-haltige Spülungen sind dagegen verschreibungspflichtig und sollten nur nach Absprache mit einem Arzt verwendet werden. Außerdem übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Läusemittel, wenn Ihr Arzt sie verschreibt (leider nicht für alle Mittel, am besten vorher fragen). Halten Sie sich bei chemischen Mitteln unbedingt an die Dosierungsangaben – Insektizide sind Nervengifte und können bei längerer oder falscher Anwendung gesundheitsschädlich sein. Korrekt eingesetzt sind die Mittel aber bedenkenlos einsetzbar. Grundsätzlich ist der Arztbesuch nicht unbedingt notwendig. Ausnahme: Wenn das Kind sich bereits blutig gekratzt hat, sollten Sie ärztlichen Rat einholen, weil dann auch nicht alle Mittel bedenkenlos angewendet werden sollten.

Nach der Behandlung (während der Einwirkzeit am besten eine Duschhaube aufsetzen und ein helles Handtuch um die Schultern legen, um fliehende Läuse zu erkennen) werden die abgetöteten Läuse und Nissen mit einem Läusekamm ausgekämmt. Suchen Sie nach zwei Tagen den Kopf noch einmal genau ab, ob Läuse oder lebende Nissen zu sehen sind (graue, trübe Nissen sind eventuell noch lebensfähig, abgetötete oder leere Nissen schimmern weißlich bis perlmuttartig). Gegebenenfalls müssen Sie noch einmal neu behandeln.

Ein drittes Mal wird nach acht Tagen kontrolliert, da zu diesem Zeitpunkt aus eventuell übersehenen Nissen neue Läuse geschlüpft sind. Wenn Sie mit pflanzlichen Mitteln behandelt haben, wiederholen Sie die Spülung in jedem Fall am achten oder neunten Tag ein weiteres Mal. Kontrollieren Sie auch danach regelmäßig weiter!

Schritt 3: Umfeld reinigen

Es hilft nichts – außer den Haaren muss auch das gesamte Umfeld gereinigt werden. Dazu gehört:
  • Bettwäsche, Handtücher, Waschlappen und Wäsche nach jeder Behandlung wechseln und mit mindestens 60° C waschen. Danach bügeln oder in den Trockner.
  • Kämme und Bürsten ebenfalls in 60 ° C heißes Seifenwasser legen (ca. 20 Minuten). Alternativ können die Sachen bei -18 ° C zwei Tage in die Gefriertruhe (gut für Kuscheltiere).
  • Polstermöbel, Autositze, Kopfstützen, Teppiche gründlich saugen.
  • Alle Wollsachen, Mützen, Schals etc., die Ihr Kind in den letzten Tagen getragen hat, ebenfalls für zwei Tage in einem luftdichten Beutel verpackt ins Gefrierfach stecken.

Schritt 4: Informationspflicht

Besucht ein Kind Schule oder Kindergarten, sind die Eltern verpflichtet, den Läusebefall zu melden. Allerdings dürfen Sie Ihr Kind beim ersten Mal nach der Behandlung mit einer schriftlichen Bestätigung, dass behandelt wurde, gleich wieder in die Einrichtung bringen, ohne erst einige Tage abzuwarten. Nur wenn innerhalb von vier Wochen erneut Läuse auftreten, benötigen Sie ein ärztliches Attest, das bestätigt, dass Ihr Kind läusefrei ist.

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