Wahrnehmung

Wahrnehmung aktiv und passiv mit allen Sinnen erleben

Wahrnehmung mit allen Sinnen

Sehen, riechen, schmecken, hören, tasten: Mit den Sinnen erschließen wir uns die Welt.

Die Auseinandersetzung mit den menschlichen Sinnesorganen und den jeweiligen Wahrnehmungsmöglichkeiten gehört inzwischen wohl zum "Standard" der Arbeit in Kindertagesstätten. Das liegt zum einen sicherlich an der großen Bandbreite einschlägiger Spiele oder Experimente, zum anderen aber auch an neueren Ergebnissen der Forschung wie etwa der Hirnforschung und der Wahrnehmungspsychologie. Wahrnehmung ist ein aktiver Prozess unseres Gehirns, wobei die Frage des Bewusstseins eine wichtige Rolle spielt.

Unsere Sinne

Üblicherweise unterscheiden wir zwischen Tast-, Geruchs-, Gehör-, Geschmacks- und Sehsinn. Der Tastsinn gilt aber als derart komplex, dass seine Qualitäten oft einzeln benannt werden: Druck-, Wärme- und Kraftsinn. Außerdem spricht man heute auch vom Schmerzsinn, vom Gleichgewichtssinn und anderen mehr. Setzt man die Aktivität dieser Sinne in Beziehung zu den unterschiedlichen Ebenen unseres Bewusstseins, so erhält man rasch eine Vorstellung von der Vielfalt, Komplexität und Bedeutung menschlicher Wahrnehmungsmöglichkeiten.

Die Haut

Die Haut ist unser größtes Sinnesorgan. Die Bedeutung, die dieses Organ für unser Leben hat, können wir unschwer bereits in der Alltagssprache ausmachen: da möchte man am liebsten aus der Haut fahren; mit einer Glückshaut geboren sein usw. Indem die Haut den ganzen Körper umhüllt, vermittelt sie jede mögliche Berührung, jeden Wärme- oder Kältereiz. Sie atmet und ist am Stoffwechsel beteiligt, spielt aber auch in psychischer Hinsicht eine bedeutende Rolle: Sie fungiert als Hülle und Schutz, als Grenze zwischen innen und außen.

Tasten heißt Begreifen. Es heißt aber auch Ausprobieren und Prüfen. Und letztlich bedeutet diese Wahrnehmung auch ein Verstehen, ein Auffassen und Erfassen. Damit wird unser Tastsinn, insbesondere die Hand, zu einem ganz eigenen Instrument der Bildung im doppelten Wortsinn: Wir können damit erfühlen und erkennen, aber auch gestalten und formen.

Die Nase - Wahrnehmungen eines "Fernsinns"

Es gibt eine enge, eine ganz direkte Verbindung zwischen Geruch und Affekt: Gerüche wecken Lust- oder Abwehrgefühle, meist ohne unsere bewusste Wahrnehmung. Die über unser Geruchsempfinden aufgenommenen Reize finden ihren Weg direkt in einen sehr eigentümlichen Gehirnabschnitt, das Limbische System, wo die Gefühle, Lust und Unlust, Angst und Zuneigung, entstehen.

Das Ohr - Klänge, Geräusche, Signale, Musik

Der Hörsinn nimmt unter den Sinnen eine Mittelstellung ein: Während Tasten, Riechen und Schmecken ganz unmittelbare Eindrücke vermitteln, lässt uns der Sehsinn vor allem auch das Ferne erkennen. Die Mittelstellung des Hörens ist aber von zentraler Bedeutung, denn Töne, Klänge oder Sprache - kurz: Schallwellen - sind das Medium unserer Kommunikation.

Beinahe überall nimmt der Lärm zu, und keiner tut etwas dagegen. Lärm signalisiert uns aber immer noch wie in den ersten Menschheitstagen nahende Gefahr und bereitet unseren Körper auf Auseinandersetzung oder Flucht vor, die in unserer heutigen technisierten Welt nur mehr stellvertretend stattfinden kann. Lärm ist Aggression, löst Aggression aus und ist damit wesentlich beteiligt an der Zunahme von Gewalt. Besonders schlimm erscheint uns Lärm, der plötzlich und überraschend auf uns hereinbricht: das Donnern eines Tieffliegers oder das Aufheulen einer Sirene. Gerade kleine Kinder erleben solche Situationen als sehr beängstigend.

Der Geschmackssinn - Auf der Suche nach dem guten Geschmack

Alle Geschmacksempfindungen können auf vier Geschmacksqualitäten zurückgeführt werden: süß, sauer, salzig und bitter. Die jeweiligen Geschmackssensoren sind auf der Zungenoberfläche lokalisiert. Viele natürliche Geschmacksreize lösen Mischempfindungen aus; so schmeckt eine Orange beispielsweise süß und sauer. Die Stärke einer solchen Empfindung hängt in erster Linie von der Konzentration des Reizstoffes ab. Der Geschmackssinn ist wie der Geruchssinn ein chemischer Sinn. Der Geschmackssinn ist auch besonders eng mit unserem Erinnerungsvermögen verbunden und gleicht auch in dieser Beziehung dem Geruchssinn.

Der Sehsinn - Sehen, erkennen, beobachten

Dem Auge kommt unter allen Sinnesorganen eine unvergleichliche Doppelrolle zu: Es dient nicht nur der Wahrnehmung bestimmter Reize, sondern es sendet auch selbst Signale aus. Darüber hinaus bedeutet der menschliche Blick bedeutet noch eine ganz andere Form der Aktivität: Mit dem Sehen und Gesehenwerden stellen wir uns auch in einen sozialen Zusammenhang. Wir gucken, betrachten, taxieren, beobachten, staunen, locken, verurteilen oder verständigen uns. Mit unseren Blicken regulieren wir Beziehungen, auch dann, wenn wir den Blickkontakt vermeiden wollen. Nicht von ungefähr verhüllt auch die kleinste Faschingsmaske noch die Augenpartie: Das Gesicht, und hier vor allem der Blick, sendet Zeichen aus. Und wir sehen, was wir sehen wollen.

Alle Wahrnehmung dient dem Leben, dem Überleben. Und weil es sich dabei eben um keinen Selbstzweck handelt, sondern um Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung unserer Lebensgrundlagen, ist jede Wahrnehmung auch Lernprozessen verpflichtet. Diese ruhen auf drei Säulen:

  • dem emotionalen Zugang zur jeweiligen Thematik,
  • ihren Einordnungsmöglichkeiten in vertraute Zusammenhänge
  • sowie der Verfestigung durch Wiederholung und Bestätigung.
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