Eulenfisch - Füreinander - Eulenfisch 2_2021 Neu

Produktinformationen

Maße 31,6 x 42,0 cm
Seiten 134
Verlag Lahn
ISBN 978-3-7840-3616-8
Herausgeber Dezernat Schule und Bildung Bistum Limburg

Beschreibung

Aus dem fernen Osten ist zu hören, dass die alleinherrschende kommunistische Partei Chinas über ein Sozialkredit-System versuchen will, das soziale und politische Verhalten ihrer Bevölkerung zu steuern. Mit Hilfe eines online gestützten Ratings soll demnach über die Vergabe von »Punkten« wünschenswertes soziales Verhalten belohnt und im Sinne der Partei »unsoziales« Verhalten durch Punktabzug bestraft werden. Wer einen niedrigen Punktestand erreicht, muss mit Einschränkungen in seinem alltäglichen Leben rechnen - bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes. Mit Hilfe von Big Data und künstlicher Intelligenz wird so eine Kultur des Misstrauens mit dem Ziel totaler Überwachung und Herrschaft angestrebt. Was hat dieses erschreckende Gesellschaftsexperiment aber mit uns zu tun?Wir erleben angesichts der 4. Welle der Corona-Pandemie eine Zuspitzung der Debatte über eine allgemeine Impfpflicht. Nichtgeimpfte werden schon jetzt in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Wir alle, vor allem aber Kinder und Jugendliche und ihre Familien, haben noch die früheren Lockdowns schmerzlich in Erinnerung. Sie haben Spuren im Leben der Menschen hinterlassen. Individuelle Freiheitsrechte wurden und werden eingeschränkt, um die Pandemie in den Griff zu kriegen. Unsere Solidarität wird erneut auf eine harte Probe gestellt.Und dennoch zeigt sich in der nicht enden wollenden Corona-Krise, aber auch in der vorbildlichen Bewältigung der Flutkatastrophe an der Ahr mit über 100.000 freiwilligen Helfern, dass trotz der Verschärfung der Tonlage eine Kultur der Solidarität und des Füreinander von weiten Teilen der Bevölkerung gelebt wird. Die staatlich verordneten Einschränkungen zielen ja eben nicht auf einen Überwachungsstaat, sondern sind letzte (!) Mittel, nachdem andere Maßnahmen sich nicht als ausreichend erfolgreich erwiesen haben, um Leib und Leben der Bevölkerung schützen zu können: Freiheit in Verantwortung.Die Caritas, auf deren Gründung vor 125 Jahren durch den Limburger Priester Lorenz Werthmann wir im nächsten Jahr zurückblicken, steht für diese Kultur des Füreinander und der sozialen Freundschaft im Sinne der jüngsten Sozialenzyklika »Fratelli tutti«. In den sozialen Verwerfungen des 19. Jahrhunderts hat Werthmann prophetisch erkannt, was Christinnen und Christen der Welt aus ihrem Glauben an den Gott des »Ich-bin-da« schenken können, nämlich ein Narrativ vom Menschen - das der selbstlos tätigen und sich schenkenden Liebe, die wir als Caritas bezeichnen. Das diesjährige Weihnachtsfest führt uns die unauflösliche Spannung des Schon und des Noch-nicht vor Augen. Wir feiern die Verheißung, dass einer, auf dem der Geist Gottes ruht, mit seiner Sendung gegen das Leid und den Schmerz einsteht.MARTIN W. RAMB Chefredakteur